Rettungsschiff Polizei verhört Kapitän der "Lifeline" erneut

Tagelang irrte die "Lifeline" im Mittelmeer umher. Nun durfte das Schiff mit den Flüchtlingen in Malta anlegen. Der Crew drohen juristische Konsequenzen. Die Uno kritisiert den Umgang der EU mit Rettungsschiffen scharf.

Flüchtlings-Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation «Lifeline» erreicht den Hafen von Valletta
DPA

Flüchtlings-Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation «Lifeline» erreicht den Hafen von Valletta


Bereits Mittwochabend hat die Polizei den Kapitän der "Lifeline" verhört. Nun musste der Deutsche sich ein zweites Mal den Fragen der Behörden stellen. Kapitän Claus-Peter Reisch sei am Donnerstagmorgen erneut befragt worden, sagte Axel Steier, Mitgründer der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline.

"Wir sind kooperativ", versicherte Steier. Bereits nach Anlegen des Hilfsschiffs in Valletta am Mittwochabend wurde Reisch verhört und konnte danach auf das Schiff zurückkehren.

Maltas Ministerpräsident Joseph Muscat hatte dem Kapitän vorgeworfen, gegen "internationale Gesetze verstoßen und Anweisungen der italienischen Behörden missachtet" zu haben. Die "Lifeline" hatte in der vergangenen Woche vor der libyschen Küste 234 Flüchtlinge gerettet und war danach tagelang über das Mittelmeer geirrt, weil Italien und Malta das Anlegen verweigert hatten.

"Wir haben uns an alle Anweisungen der Behörden gehalten - außer an die, die Leute zurück nach Libyen zu bringen", sagte Steier. Die Organisation verweist auf den Grundsatz der Nichtzurückweisung in der Genfer Flüchtlingskonvention. Die maltesischen Behörden hatten angekündigt, das Schiff für Ermittlungen zu beschlagnahmen. Steier berichtete, bislang lägen ihm noch keine Beschlagnahmungspapiere vor.

Scharfe Kritik von der Uno

Die Vereinten Nationen haben die EU scharf kritisiert für ihren Umgang mit den Rettungsschiffen. "In den vergangenen zehn Tagen konnten Schiffe mit Flüchtlingen im Mittelmeer wegen der politischen Lähmung in Europa nicht anlegen", sagt Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. "Es ist unabdingbar, dass die EU-Mitgliedsländer das Recht auf Asyl aufrechterhalten. Rettung zu verweigern oder die Verantwortung für Asyl auf andere abzuwälzen, ist völlig inakzeptabel."

Kurz vor dem EU-Gipfel in Brüssel drängte das Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) darauf, dass die EU-Staaten schnellstens eine gemeinsame Lösung für die ganze Region finden, um weiteres unnötiges Sterben auf See zu verhindern.

Die EU müsse dafür sorgen, dass auf See gerettete Menschen an Land gehen könnten, "in der EU oder möglicherweise anderswo", hieß es in der Stellungnahme. Das könnte darauf hindeuten, dass die Uno-Organisationen möglicherweise auch Auffangeinrichtungen außerhalb der EU mittragen würden.

asc/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.