Neue Linkspartei Podemos Zehntausende demonstrieren in Madrid gegen Sparkurs

Mit Bussen kamen sie aus ganz Spanien nach Madrid: Zehntausende waren bei der ersten Großdemonstration der neugegründeten Linkspartei Podemos. Sie fordern eine Abkehr von der Sparpolitik - und erinnern an Syriza in Griechenland.

DPA

"Ja, es ist möglich!", skandierte die Menge. "Ticktack, Ticktack, die Stunde der Veränderung ist da", stand auf Plakaten. Zehntausende Anhänger der neugegründeten spanischen Linkspartei Podemos sind am Samstag in Madrid zu Protesten auf die Straße gegangen.

Die Demonstration durch die spanische Hauptstadt stand unter dem Motto "Marsch für Veränderung", es war die erste Großkundgebung der Partei - und die große Anzahl an Demonstranten lässt Rückschlüsse zu auf Podemos Rückhalt in der Bevölkerung: Die Demonstranten kamen am Samstag mit Bussen aus ganz Spanien nach Madrid.

"Die Menschen haben genug von der politischen Führung", sagt Antonia Fernandez. Die 69-jährige Rentnerin nahm mit ihrer Familie an der Podemos-Demo teil. Fernandez und ihr Mann leben von 700 Euro im Monat. Bisher, so die Frau, habe sie die sozialistische Partei gewählt, doch deren Umgang mit der ökonomischen Krise und der Sparpolitik habe ihr Vertrauen in die Regierung erschüttert.

Podemos ("Wir können") hat sich im vergangenen Jahr gegründet. Erst Mitte November 2014 hat sich die Bewegung formell als Partei gegründet, mittlerweile liegt Podemos in einzelnen Umfragen für die im November 2015 anstehende spanische Parlamentswahl bereits in Führung.

Rückenwind erhält Podemos auch durch den Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza in Griechenland. Wie die neue Regierungspartei in Athen ist auch die linksgerichtete Podemos in Spanien strikt gegen die Sparpolitik der Regierung.

Solche möglichen politischen Nachahmungseffekte bereiten EU-Offiziellen in Brüssel seit dem Wahlsieg des neuen griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras Sorgen. "Wenn Syriza wirklich eine Abkehr vom Spar- und Reformkurs durchsetzt, könnten Bewegungen in Spanien, Italien oder Frankreich mit ähnlichen Forderungen Auftrieb erhalten", sagte ein hoher EU-Beamter bereits kurz nach der Parlamentswahl in Griechenland am 25. Januar.

lgr/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.