Litwinenko-Mord Sieben Hotelangestellte in London mit Polonium verstrahlt

Der Gift-Anschlag auf Ex-Spion Alexander Litwinenko hat nun auch Folgen für sieben unbeteiligte Hotelmitarbeiter. Sie wurden positiv auf den radioaktiven Stoff Polonium getestet. Der Zustand von Litwinenkos Kontaktmann Dimitrij Kowtun ist laut Medienberichten mittlerweile kritisch.


London - Die betroffenen Angestellten haben laut den Gesundheitsbehörden in der Bar des "Millennium"-Hotels gearbeitet. Dort hatte sich Litwinenko am Tag seiner Erkrankung mit zwei anderen früheren russischen Agenten getroffen. In dem Hotel waren bereits zuvor Spuren von Radioaktivität gefunden worden.

Eingang zum Millennium-Hotel: Litwinenko hatte hier am Tag seiner Erkrankung ein Treffen mit Ex-Kollegen
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Eingang zum Millennium-Hotel: Litwinenko hatte hier am Tag seiner Erkrankung ein Treffen mit Ex-Kollegen

Die Werte des nachgewiesenen Poloniums seien bei den Bar-Angestellten niedrig gewesen, teilten die Behörden mit. Kurzfristig bestünden keine Gesundheitsgefahren, auch langfristig sei das Risiko ersten Tests zufolge sehr gering.

Dagegen geht es einem Kontaktmann Litwinenkos offenbar sehr schlecht. Dmitrij Kowtun ist der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge in kritischer Verfassung. Er leide an den gleichen Symptomen wie Litwinenko. Angeblich ist der Mann ins Koma gefallen. Vorher ist er allerdings noch zum Mord an Litwinenko vernommen worden. Russische Ermittler hatten Kowtun gestern verhört - britische Beamte waren anwesend, durften jedoch keine eigenen Fragen stellen.

Ein russischer Anwalt dementierte die Meldung über den schlechten Gesundheitszustand Kowtuns allerdings unverzüglich. Der Rechtsvertreter des Litwinenko-Kontaktmannes Andrej Lugowoi sagte, die Berichte seien falsch. Andrej Romaschow erklärte, er habe mit dem Rechtsvertreter Kowtuns gesprochen. Dieser habe ihm versichert, dass Kowtuns Zustand zufriedenstellend sei.

Kowtun hatte sich mit Litwinenko am 1. November, dem Tag seiner Vergiftung, in dem Hotel getroffen, in dem nun auch die sieben Angestellten mit Polonium verseucht sind. Der ehemalige KGB-Leibwächter traf Litwinenko gemeinsam mit dem ehemaligen Agenten Andrej Lugowoi und dem Geschäftsmann Wjatscheslaw Sokolenko. Die Ermittler wollen die beiden Männer auch noch befragen.

Der ehemalige russische Geheimagent Litwinenko wurde heute Nachmittag auf dem Friedhof Highgate im Norden der britischen Hauptstadt beerdigt. An der Beerdigung nahmen neben der Familie auch zahlreiche andere Exil-Russen teil, darunter der Milliardär Boris Beresowski.

Vor der Beerdigung hatten Freunde heute in einer Londoner Moschee eine Gedenkfeier für Litwinenko abgehalten. Unter den zehn Teilnehmern in der Regent's-Park-Moschee im Zentrum der britischen Hauptstadt war Beobachtern zufolge auch der tschetschenische Rebellenführer Achmed Sakajew, der in Großbritannien lebt. Litwinenkos Vater hatte in Interviews berichtet, sein Sohn sei kurz vor seinem Tod zum islamischen Glauben übertreten.

Der britischen Gesundheitsbehörde zufolge wurde Litwinenko in einem strahlensicheren Sarg beigesetzt. Dies stelle keine Gesundheitsgefahr dar. Jedoch sei der Familie erklärt worden, dass sie bei der Entscheidung für eine Einäscherung erst 22 Jahre hätte warten müssen, bis die Strahlung abgeklungen sei, sagte ein Freund des Verstorbenen, Alexander Goldfarb.

In dem Fall haben nun auch die russischen Strafverfolgungsbehörden offiziell eine Untersuchung wegen Mordes eingeleitet. Die Moskauer Generalstaatsanwaltschaft geht außerdem davon aus, dass auch Kowtun vergiftet wurde. Daher ermittelten die Behörden nicht nur wegen Mordes im Fall Litwinenko, sondern auch wegen versuchten Mordes an Kowtun, meldete die Nachrichtenagentur Interfax heute.

Mit den Ermittlungsverfahren wird eine Strafverfolgung in Russland möglich. Die russischen Behörden hatten zuvor erklärt, dass eine Auslieferung von Verdächtigen nicht infrage komme. Ihnen werde in Russland der Prozess gemacht.

Die britische Polizei hatte gestern Abend angekündigt, den mysteriösen Tod des russischen Kreml-Kritikers Litwinenko nun offiziell als Mord zu untersuchen. Litwinenko starb am 23. November an einer tödlichen Dosis radioaktiven Poloniums. Auf seinem Sterbebett in einem Londoner Krankenhaus hatte er zuvor den russischen Präsidenten Wladimir Putin beschuldigt, seine Ermordung in Auftrag gegeben zu haben. Der Kreml wies dies strikt zurück.

ler/AFP/AP/reuters/dpa

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