Litwinenko-Mord Verfahren gegen Hauptverdächtigen eingestellt

Entwicklung im Mordfall Alexander Litwinenko: Die Staatsanwaltschaft hat den russischen Geschäftsmann entlastet, der mit dem Strahlentod des Geheimdienstlers in Verbindung gebracht wurde. Es mangelte an Beweisen. Der Mord bleibt weiter ungeklärt.


Moskau/Hamburg - Drei Jahre nach dem Strahlentod des ermordeten russischen Geheimdienstmitarbeiters Alexander Litwinenko hat die Hamburger Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen ihren Hauptverdächtigen eingestellt. "Deutschland hat mich von allen Vorwürfen befreit", teilte der russische Geschäftsmann Dmitri Kowtun nach Angaben der Agentur Interfax am Mittwoch mit.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Einstellung des Verfahrens aus Mangel an Beweisen. Die deutsche Justiz hatte nach der Vergiftung Litwinenkos im Herbst 2006 gegen Kowtun wegen Vorbereitung eines Strahlungsverbrechens ermittelt.

Demnach hatte der Russe 2006 bei seiner Reise von Moskau nach London eine Spur der radioaktiven Substanz Polonium 210 hinterlassen. Auf seinem Zwischenstopp in Hamburg hatte der ehemalige Offizier bei seiner Ex-Frau übernachtet. Kowtun hatte Litwinenko getroffen, bevor dieser vergiftet wurde. Der Mord hatte international für Aufsehen gesorgt, ist aber bis heute nicht aufgeklärt. Die Tat belastet seither die russisch-britischen Beziehungen.

Die Ermittlungen seien am 6. November eingestellt worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wilhelm Möllers. Es seien zwar in der Hamburger Wohnung Spuren des radioaktiven Giftes Polonium 210 gefunden worden. Es gebe aber keine Beweise dafür, dass Kowtun das Gift nach Hamburg gebracht habe, es sich in Deutschland beschafft oder auch nur bewusst besessen habe. In der Stadt habe er Kontakt mit ihm nahestehenden Personen gehabt, sagte Möllers. Auch das spreche dafür, dass das Gift ohne sein Wissen in der Wohnung war.

Kowtun erwartet Entlastung auch von Großbritannien

Kowtun, der selbst wegen der radioaktiven Verstrahlung behandelt werden musste, äußerte sich erleichtert. Die Gerechtigkeit habe gesiegt, sagte er. Dies sei der erste Schritt. Nun müssten auch die britischen Behörden die Ermittlungen gegen den Hauptverdächtigen in dem Mordfall, den russischen Abgeordneten und früheren Geheimdienstler Andrej Lugowoi, einstellen, sagte Kowtun.

Allerdings hatte erst unlängst der britische Außenminister David Miliband bei einem Besuch in Moskau auf Auslieferung Lugowois bestanden. Moskau lehnt dies jedoch kategorisch ab. Der Streit hatte dazu geführt, dass Großbritannien russische Diplomaten auswies. Russland zog dann nach und ließ außerdem zwei Filialen des zum britischen Außenministerium gehörenden Kultur- und Bildungsinstituts British Council schließen. Miliband und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow teilten Anfang November bei dem Treffen in Moskau mit, ungeachtet des Konflikts einen Neuanfang in ihren Beziehungen wagen zu wollen.

can/dpa



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