Reaktionen auf Tod von Liu Xiaobo USA fordern Freilassung der Witwe

Das Nobelkomitee in Oslo und Menschenrechtsorganisationen kritisieren nach dem Tod von Liu Xiaobo die chinesische Regierung, US-Außenminister Tillerson fordert die Freilassung der Witwe. Die Reaktionen im Überblick.

Ehefrau Liu Xia, Liu Xiaobo
REUTERS

Ehefrau Liu Xia, Liu Xiaobo


Das Nobelkomitee hat den chinesischen Behörden eine erhebliche Mitverantwortung am Tod des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo gegeben. "Wir finden es zutiefst verstörend, dass Liu Xiaobo nicht in eine Einrichtung verlegt wurde, in der er eine angemessene medizinische Behandlung hätte bekommen können, bevor das Endstadium seiner Krankheit begann", teilte die Präsidentin des Komitees, Berit Reiss-Andersen, mit. "Die chinesische Regierung trägt eine große Verantwortung für seinen vorzeitigen Tod", fügte sie hinzu.

Liu starb nach chinesischen Angaben an multiplem Organversagen. Der 61-Jährige wurde zuletzt im Krankenhaus der Stadt Shenyang unter Bewachung behandelt. China lehnte die Ausreise des Schwerkranken mit seiner Frau für eine Klinikbehandlung im Ausland ab.

Die USA fordern nun die Freilassung der Witwe. Die chinesischen Behörden sollten Liu Xia aus dem Hausarrest entlassen und ihr entsprechend ihren Wünschen die Ausreise erlauben, verlangte US-Außenminister Rex Tillerson in Washington.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erklärte in New York, der Tod von Liu offenbare die "Schonungslosigkeit der chinesischen Regierung gegenüber friedlichen Befürwortern von Menschenrechten und Demokratie". Trotz seiner fortschreitenden Krankheit sei Liu isoliert worden und habe nicht frei über seine medizinische Behandlung entscheiden können.

Der chinesische Künstler Ai Weiwei sagte, der Tod Lius zeige "wie brutal China sein kann". Er sprach von einem schwierigen Moment für chinesische Menschenrechtsaktivisten. Der Menschenrechtler und Dissident saß in China selbst im Gefängnis und lebt seit 2015 in Berlin.

Auch in Deutschland löste der Tod Reaktionen aus: Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Liu als "mutigen Kämpfer für Bürgerrechte". Das schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag im Namen von Merkel bei Twitter.

Auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz äußerte sich über den Kurznachrichtendienst. Mit Liu verliere man eine starke Stimme für Freiheit und Demokratie. "Er hat allen Repressalien widerstanden. Ein großes Vorbild", schrieb Schulz.

ehh/AFP/Reuters



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