Live-Blog zur US-Wahl Amerika - was für ein Land!

Es ist ein historischer Tag: Barack Obama wird neuer Präsident der USA. Ist es wirklich wahr? Wie geht es weiter? SPIEGEL-Auslandsredakteur Mathieu von Rohr notiert für Sie die wichtigsten Ereignisse im Minutentakt.


Obama-Fans am Times Square in New York: "We just made history"
DPA

Obama-Fans am Times Square in New York: "We just made history"

[08.17 Uhr] Ja, Obama ist wirklich Präsident

Ich schreibe das, um es mir selber noch einmal begreiflich zu machen. Vielleicht ist ein Schreibtisch in einem Newsroom nicht der richtige Ort, um den historischen Moment zu fühlen. Vielleicht bin ich nach zwölf Stunden Dauerbloggen auch zu müde dafür.

Die Schokolade ist aufgegessen, cirka zwei Liter Cola ausgetrunken, die Clementinen sind noch da, und Barack Obama ist der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Ich glaube, das ist ein gutes Schlusswort. Herzlichen Dank allen, die mit mir zusammen durchgehalten haben.

Allen anderen: einen schönen Morgen.


[08.02 Uhr] Eine E-Mail vom President-Elect

Barack Obama schreibt mir:

"We just made history."

Und zum ersten Mal, seit ich (wie Millionen andere) E-Mails von ihm bekomme, will er keine fünf Dollar von mir.


[07.59 Uhr] Die Republikaner

Wie werden sie auf ihre Niederlage reagieren? Werden sie sich neu erfinden, als progressive Kraft?

Oder werden sie sich noch weiter entfernen von der gesellschaftlichen Mitte, geleitet von religiösem Fundamentalismus, Ressentiment und Angst vor der Welt, und werden sie den Kampf der "richtigen" gegen "falsche" Amerikaner weiterkämpfen?

Falls sie den zweiten Weg wählen, und - konsequenterweise - im Jahr 2012 mit Sarah Palin als Präsidentschaftskandidatin antreten, glaube ich, dass Barack Obamas zweite Amtszeit schon gesichert ist.


[07.50 Uhr] Die Siegesrede



Eine nüchterne, keine triumphale Rede - auf die Zukunft gerichtet, auf die Arbeit, die vor ihm liegt, und auf die Herausforderung, das Land nach der Wahlschlacht wieder zu vereinen.

UPDATE: ABC meldet, dass Obama das geplante Feuerwerk für die Feier gestrichen hat. "So ernst wie die Zeiten sind, hatte er das Gefühl, es wäre nicht angebracht", sagt sein Chefstratege David Axelrod.



[07.43 Uhr] Es waren die Latinos

So viel zu der angeblich unüberwindlichen Feindschaft von Hispanics und Schwarzen in Amerika: Die Latinos haben im Verhältnis von 2 zu 1 für Barack Obama gestimmt und sind für seinen Sieg maßgeblich mitverantwortlich. Unter anderem in New Mexico, Nevada, Colorado und Florida.

Wir haben heute gelernt, dass nicht nur Hispanics, sondern auch Weiße mit rassistischen Vorurteilen bereit sind, für einen afroamerikanischen Präsidenten zu stimmen, wenn sie seinen Fähigkeiten und seiner Person vertrauen.

Martin Luther King sagte: "I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin, but by the content of their character."

Der Traum ist heute wahr geworden.


[07.32 Uhr] Ein historischer Tag

Dieser Tag wird lange unvergessen bleiben, ohne Rücksicht darauf, ob sich die enormen Erwartungen an die Präsidentschaft Obamas je erfüllen werden.

Dieser Tag ist ein emotionaler Tag, ein Tag des Aufbruchs in eine neue Zeit. Es ist ein Moment, der ein Land und die ganze Welt verändern kann. Vergleichbar vielleicht mit der konservativen Revolution Ronald Reagans im Jahr 1980 - es ist ein transformativer Moment, wie es in Amerika seither keinen mehr gab. Alle Präsidenten seither, auch Clinton, standen im Schatten Reagans und seiner Ideen.

Wir wissen noch nicht, ob Obama je ein großer Präsident wird. Aber er hat das Zeug dazu, einer zu werden, und er tritt zu einem Zeitpunkt an, der nach einem großen Präsidenten verlangt.

Es ist das Überlebensgroße an Obamas Person, das jetzt schon zu solchen Vergleichen ermutigt. Seine Biografie, seine Statur, seine kühle Überlegtheit, ließen ihn schon während seine Präsidentschaftskampagne präsidialer wirken als der amtierende Präsident je war. Dass am Tag vor seinem Wahlsieg seine Großmutter starb, die Frau, die ihn aufgezogen hatte, verstärkten noch das Cinemascopehafte seiner Lebensgeschichte - und die scheint ja untrennbar verknüpft mit seiner politischen Kraft.

Obama hat jetzt schon die Statur eines großen Präsidenten, er hat enorme Hoffnungen und Emotionen entfesselt. Die Frage wird sein, ob er diese Statur wird ausfüllen können mit einer erfolgreichen Politik. Ob es ihm wirklich gelingen wird, sein Land an einen Neubeginn zu führen, ihm einen neuen Sinn einzuhauchen, ihm neues Selbstbewusstsein zu verschaffen, es wirtschaftlich wieder stark zu machen - und seinen Ruf als gute Supermacht wiederherzustellen.

Die Aufgabe scheint übermenschlich.

Selbst falls er scheitern sollte, wird die kathartische Wirkung dieses Tages unvergessen bleiben: Die Tränen, die Freudenfeiern, das Pathos in Amerika und in der ganzen Welt und in diesem Blog - über das Ende der verheerenden Bush-Jahre und die Hoffnung auf etwas Neues.

Die Hoffnung, dass dieser hochintelligente, unbeirrbare, pragmatische Mann nicht nur ein großartiger Redner ist, sondern auch ein großer Präsident.

Die Amerikaner haben heute keine neue Ideologie gewählt. Sie haben sich von Ideologien befreit.


[07.07 Uhr] Noch 77 Tage...

...bis zur Amtseinführung von Präsident Barack Obama.

Viel Zeit, um sich vom anstrengenden 22-Monate-Wahlkampf zu erholen, bleibt ihm nicht.

Schon heute wird sich ein erstes Mal sein Transition-Team treffen, geleitet vom ehemaligen Chief of Staff unter Bill Clinton: John Podesta.

John Heilemann vom New York Magazine hat eine hochinteressante Vorschau darauf, wie diese Obama-Transition und die ersten 100 Tage im Amt aussehen könnten. Kurz gesagt: die Vorbilder sind Franklin D. Roosevelt und Ronald Reagan - aber nicht Bill Clinton, dessen erste 100 Tage im Amt bekanntlich ziemlich chaotisch verliefen.


[06.47 Uhr] Noch jemand gratuliert...

...Hillary Rodham Clinton: "Tonight, we are celebrating an historic victory for the American people. This was a long and hard fought campaign but the result was well worth the wait. Together, under the leadership of President Barack Obama, Vice President Joe Biden, and a Democratic Congress, we will chart a better course to build a new economy and rebuild our leadership in the world. And I look forward to doing all that I can to support President Obama and Vice President Biden in the difficult work that lies ahead."

Euphorisch klingt das nicht. Wahrscheinlich tut es immer noch weh.

Und wie es Bill Clinton heute wohl geht?


[06.40 Uhr] McCains Rede in Phoenix



Das hatte Klasse, und es war bewegend. Das war der alte John McCain.

Das hier allerdings hätte er ruhig einmal früher sagen dürfen: "....whatever our differences, we are fellow Americans....and believe me when I say... no association has ever meant more to me than that." (Obamas "associations", sprich: William Ayers, waren schließlich eines seiner liebsten Wahlkampfthemen.)


[06.36 Uhr] Obamas Rede

Zum Nachlesen noch einmal komplett bei Ben Smith von Politico.


[06.30 Uhr] Yes we can: Jetzt darf man es wieder spielen


[06.19 Uhr] Ist es wirklich wahr?

Man sieht sie den Gesichtern in Chicago an, und ich spüre sie genauso - die Ungläubigkeit darüber, dass dieser Mann nun tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten ist.


[06.17 Uhr] Amerika, ein Land, in dem alles möglich ist...

...sagt Obama, als er auf der Bühne steht, in Chicago vor einem Meer aus Menschen. Es sind Hunderttausende.

Die Leute seien stundenlang angestanden, weil sie wollten, dass es diesmal anders wird.

"We are not a collection of red states and blue states - we are and always will be the United States of America." Der Satz, der ihn berühmt machte, 2004 beim demokratischen Parteitag.

"Change has come to America."

Er nennt McCains Anruf "sehr großmütig", er nennt McCain "mutig und selbstlos".

(Jesse Jackson steht im Publikum, der Mann, der Obama vor kurzem noch "die Eier abschneiden" wollte, und der wie kein anderer für eine nun sehr altmodisch wirkende Generation von afroamerikanischen Politikern steht).

Er dankt: seinem Wahlkampfmanager David Plouffe, dem Genius hinter der perfekten Obama Maschine. Und David Axelrod, seinem Chefstrategen.

"Die gigantische Aufgabe, die vor uns liegt."

"Es wird ein langer Weg, es wird ein steiler Aufstieg, wir werden nicht in einem Jahr dahingelangen oder gar in einer Amtszeit, aber wir werden dahingelangen."

Er sagt: Diese Wahl war noch nicht der Wandel, sie war nur die Chance für den Wandel.

Die Menge lauscht andächtig. Fast nachdenklich.

Obama bittet um die Hilfe derer, die nicht für ihn gestimmt haben. "Und ich werde auch euer Präsident sein."

Die Stärke Amerikas, sagt er, kommt von der unablässigen Kraft seiner Ideale. Ein Land, das die Gabe hat, sich zu verändern.

Er erzählt die Geschichte einer 106-jährigen afroamerikanischen Frau, und an ihrem Beispiel die Geschichte Amerikas, die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung - und er mündet in sein altes, neues Mantra: Yes, we can, sagt er.

Und zu seinen Töchtern: "Sasha and Malia, I love you both so much, and you have earned the new puppy that's coming with us to the White House."


[05.59 Uhr] Präsident Obama...

...und seine Familie.


[05.55 Uhr] Spontane Freudenfeiern im ganzen Land...

...sogar vor dem Weißen Haus.

Und auf CNN schreit Bernice Albertine King, die Tochter von Martin Luther King, gegen den Sound einer Feier an, die hinter ihr tobt. Man kann sie kaum verstehen, aber man versteht doch alles.


[05.51 Uhr] Ein neues Amerika

Obama hat 96 Prozent der Afroamerikaner gewonnen, 67 Prozent der Latinos.

Der Fehler der Republikaner war, zu glauben, dass "Joe, der Klempner" noch für Amerika steht.

Aber Obama ist von einem Land gewählt worden, in dem die sogenannten Minderheiten bald die Mehrheit ausmachen werden.

Und Barack Obama ist das Gesicht dieses neuen Amerika.


[05.45 Uhr] Ein großer, großer Sieg

Obama hat jetzt schon 338 Wahlmännerstimmen (McCain 157).

Er führt mit 3 Millionen Stimmen landesweit - der erste Demokrat seit Jimmy Carter, der mehr als 50 Prozent der Stimmen holen wird.

Und er kann immer noch North Carolina, Indiana und Missouri gewinnen - vielleicht sogar Montana.


[05.40 Uhr] Hat die Finanzkrise McCain die Wahl gestohlen?

So sehen es manche Republikaner. Aber das ist Unsinn.

Die Finanzkrise war nur der Todesstoß.

Für eine Kampagne, die der Obamas in jeder Hinsicht unterlegen war, und das mit Schmutz auszugleichen versuchte.

Für eine Partei, die nach acht Jahren Bush und nach 40 Jahren Dominanz am Ende ihrer Ideen angelangt ist.

Für einen Kandidaten, der dem politischen Großtalent Obama nichts entgegenzusetzen hatte.


[05.35 Uhr] Bush ruft Obama an...

...und gratuliert.


[05.32 Uhr] McCain in Phoenix: Wut bei den Republikanern

McCain steht vor seinen Anhängern, vor einer riesigen US-Flagge, Cindy steif neben ihm, und als er Obamas Namen zum ersten Mal erwähnt, erntet er wütende Buhs.

"Please", sagt er nur.

McCain gratuliert Obama. Er habe viele inspiriert und großes erreicht für sich und sein Land. Er bedaure, dass Obamas Großmutter den Tag nicht mehr habe erleben können. Es sei ein großer Tag für die Afroamerikaner.

Applaus. Buhs.

McCain gibt sich staatsmännisch. Es ist eine Rede, wie man sie von ihm erwartet, wie man sich seinen ganzen Wahlkampf gewünscht hätte.

Wütende Zwischenrufe seiner Anhänger.

Dann dankt er noch einmal Sarah Palin - und seine Anhänger jubeln.

Sarah Palin sieht geknickt aus - offenbar hatte sie wirklich mit dem Sieg und der Vizepräsidentschaft gerechnet. Nach wie vor eine schreckliche Vorstellung.

"Ich weiß nicht, was ich noch hätte tun können, um diese Wahl zu gewinnen. Wir machen alle Fehler und ich habe sicher meinen Teil gemacht."

Wieder Buhs bei der Erwähnung von Obamas Namen. "Please", sagt McCain. Der Hass auf Obama ist offenbar immer noch groß bei der republikanischen Basis.

Sarah Palin versucht, ihn zum Schluss zu umarmen, McCain wehrt ab und tätschelt nur ihren Arm.


[05.12 Uhr] Barack Hussein Obama, 44. Präsident der USA

Um es mit seinen Worten zu sagen:

In welchem anderen Land auf der Welt wäre seine Geschichte überhaupt möglich?

Und wer hätte noch vor einem Jahr daran geglaubt, dass der heutige Tag je kommen würde?

Wer hätte gedacht, dass das gleiche Land, das vor acht Jahren George W. Bush gewählt hat, heute Obama wählen würde?

Es ist ein Land mit der faszinierenden Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden.


[05.00 Uhr] CNN: BARACK OBAMA IST GEWÄHLTER PRÄSIDENT

Mir fehlen gerade die Worte. Ein großer Tag. Ekstase in Chicago.


[04.58 Uhr] Virginia

Auch CNN gibt den Staat an Obama. Das erste Mal seit 1964, dass Virginia einen demokratischen Präsidentschaftskandidaten wählt. (Damals war es Lyndon B. Johnson.)


[04.52 Uhr] Virginia an Obama!

Fox News gibt Virginia an Obama.Ich kann mich nur wiederholen: McCain hat verloren, Obama wird Präsident.


[04.49 Uhr] Die Realität überholt die Fiktion

CNN "beamt" seine Studiogäste (im Moment gerade: will.i.am) als "Hologramm" ins Studio wie bei Raumschiff Enterprise. Absurd. Ich kann nur einmal mehr auf die Verballhornung dieses Quatschs in der Daily Show verweisen: ("Ihr habt eine Rakete? Und wir haben ein Hologramm!")




[ 04.46 Uhr] Die nächsten wichtigen Staaten

Um 5 Uhr schließen die Wahllokale unter anderem in: Kalifornien, Washington, Oregon (und in Obamas Heimatstaat Hawaii).


[04.43 Uhr] Knappe Rennen (aber wohl nicht entscheidend)

Florida: 66 Prozent ausgezählt; 51 Prozent Obama, 48,3 Prozent McCain; Virginia: 85 Prozent ausgezählt; 50,1 Prozent Obama, 49 Prozent McCain; North Carolina: 74 Prozent ausgezählt; 49,9 Prozent Obama, 49,5 Prozent McCain.


[04.38 Uhr] Die Wahrheit ist...

...McCain hat keine realistische Chance mehr auf den Sieg.


[04.23 Uhr] Virginia...

...könnte allerdings knapper werden als gedacht. In den letzten Umfragen führte Obama noch mit etwa 5 Prozent Vorsprung.

Aber ansonsten verläuft die Nacht ziemlich genau nach den Umfragen.


[04.17 Uhr] Obamas wahrscheinlicher Sieg

Wenn Obama in allen Staaten gewinnt, die ihm die Fernsehsender jetzt schon sicher geben, gehören ihm 207 Wahlmänner. Zum Sieg braucht er 270 Stimmen.

Siehe Pollster.

Wenn er die Ostküstenstaaten Kalifornien, Oregon und Washington gewinnt (wo er in Umfragen klar führte, klassisches Demokratenland), kommen 73 Stimmen hinzu - damit hätte er schon gewonnen.

Und dann sind da noch Virginia (13 Stimmen), Nevada (5 Stimmen), Colorado (9 Stimmen) und Florida (27 Stimmen), wo er überall sehr gute Chancen hat.

Von North Carolina und Indiana und Missouri ganz zu schweigen.


[04.05 Uhr] Iowa!

Barack Obama gewinnt laut CNN mit riesigem Vorsprung Iowa - noch einer dieser Staaten, in denen John McCain bis zum Schluss Wahlkampf macht, obwohl ihn alle Umfragen weit hinten zeigten.

Noch ein Strohhalm, der futsch ist.


[03.59 Uhr] Diese triste McCain-Wahlparty

Jetzt reden sie auch auf CNN darüber. Die Bilder von diesem halbleeren Hotel-Saal in Phoenix erzählen wirklich schon die ganze Geschichte.


[03.56 Uhr] Als McCain Joe The Plumber vermisste


20 Sekunden, die viel erzählen.

Joe The Plumber war alles, was McCain einfiel - als Antwort auf die Probleme Amerikas?

Nein, da war ja auch noch William Ayers. Der Terrorist.

Die Wähler wollten offensichtlich Lösungen. Keine zynischen Ablenkungsmanöver.


[03.50 Uhr] Nach der Niederlage: Sarah Palin beschuldigen

Nichts hat McCain so sehr geschadet wie seine Entscheidung, Sarah Palin zu seiner Vizepräsidentschaftskandidatin zu machen. Ganz kurzzeitig sah es nach einer genialen Entscheidung aus: McCains Basis war begeistert, seine Umfragenzahlen gingen nach oben - aber dann merkten die Wähler, wer Sarah Palin ist: Eine nicht sonderlich helle Person, die keine Ahnung von der Welt hat und in keiner Weise qualifiziert ist, Präsidentin der USA zu sein.

Und dann waren da die zahllosen Skandale und Peinlichkeiten, die sie umgaben: Troopergate, Kleidergate, Interviewgate, Sarkozygate.

Die Entscheidung für Palin brachte einen großen Teil der republikanischen Intelligenzija gegen McCain auf, und sie hat ihn am Ende wohl auch die Unterstützung Colin Powells gekostet.

Die Stimmung zwischen McCain und Palin soll gegen Ende des Wahlkampfs eisig gewesen sein. Es wurde immer deutlicher, dass Palin vor allem an ihre eigene Zukunft denkt - zum Beispiel an eine Präsidentschaftskandidatur 2012. Die Medien berichteten über Kämpfe zwischen dem McCain und dem Palin-Flügel der McCain-Kampagne.

Die McCain-Leute, so hieß es, wollten nach einer Niederlage Palin die Schuld geben. Steve Schmidt, der Chefberater von McCain (und der Mann, der mitverantwortlich war für ihre Wahl), gab darauf am Wahltag einen ersten Vorgeschmack, als er auf McCains letztem Flug noch einmal mit der Presse sprach.

Via The New Republic:

"QUESTION: And the pick of Palin for you guys? Are you happy with that?

A: You know, we’ll uh, I’m not going to do, there’ll be time for all the post mortems in the race.

FOLO: But are you happy with what she’s done for the ticket?

A: I think that, you know, I think we’ll know in a few hours what the results are, you know and I, there’ll be a time for all the post mortem parts of it. That’s not this afternoon before the polls close."

Jetzt kann es bald losgehen mit den öffentlichen gegenseitigen Beschuldigungen.


[03.32 Uhr] Virginia, North Carolina, Florida

Das sind die drei Staaten, in denen es zur Zeit knapp ist. Zumindest einen davon muss Obama gewinnen - im Moment sieht es so aus, als ob vielleicht gar alle drei an ihn gehen könnten.


[03.24 Uhr] Diese McCain-Wahlparty

Die Bilder aus Phoenix sind ungeheuer trist.

Hank Williams singt. Sicher auch bald sein Lied "The McCain-Palin Transition". Auf die kann er aber lange warten.


[03.23 Uhr] Game over? Ohio geht an Obama

Okay, das war's dann wohl für John McCain: Obama gewinnt laut Fox News in Ohio.

Ich habe keine Ahnung, woher McCain jetzt noch genügend Wahlmännerstimmen nehmen will.

Aber wir warten noch ein wenig, bis wir endgültig Obamas Sieg verkünden.


[03.13 Uhr] Wenigstens Georgia

John McCain hat nun doch Georgia gewonnen. Immerhin. Alles andere wäre vernichtend gewesen.


[03.11 Uhr] Auf dem Weg zu einem großen Sieg?

Es begann schleppend, aber langsam sieht es danach aus, als ob es ein großer Sieg für Obama werden könnte.

Es gibt bisher keine Hinweise, dass die Umfragen vor der Wahl falsch waren.

Der "Bradley-Effekt" wird damit hoffentlich bald endgültig als Mythos enttarnt.


[03.04 Uhr] Die Rassenfrage

20 Prozent der Wähler sagen, die Hautfarbe des Kandidaten sei wichtig für ihre Entscheidung gewesen - 55 Prozent von ihnen stimmten für Obama. Laut CNN.


[03.02 Uhr] Es wird wieder spannend

Gewinnt Obama in Colorado und New Mexico? Und schnappt er vielleicht sogar John McCains Heimatstaat Arizona weg?

Die Wahllokale sind ab sofort geschlossen, aber es gibt noch keine Resultate.

Obama wird höchstwahrscheinlich Colorado und New Mexico gewinnen.


[02.55 Uhr] Kann McCain noch gewinnen?

Ich glaube, und das sagen auch ziemlich einstimmig die Analysten auf CNN: Es wird sehr schwierig. Ich sehe, ehrlich gesagt, wenig Chancen für McCain. Auf Pennsylvania und New Hampshire ruhten seine ganzen Hoffnungen - und auf der Vermutung, die weiße Arbeiterklasse, die Hillary-Wähler, würde Obama nicht wählen, womöglich aus rassistischen Gründen.

Diese Hoffnung hat sich nun offensichtlich erledigt.

Anekdoten und Umfragen aus Pennsylvania und Ohio vor der Wahl zeigten: Selbst weiße Wähler, die Vorurteile gegenüber Schwarzen hatten, wollten Obama wählen. Wegen der Wirtschaftslage.


[02.46 Uhr] Zwei sehr unterschiedliche Partys

Obama kriegt eine Million euphorischer Anhänger zu seiner Feier in Chicago - McCains Festsaal in einem Hotel in Phoenix ist halb leer.

Das ist dann wohl der Beweis für den "enthusiasm gap", von dem die Meinungsforscher schon die ganze Zeit sprechen - das sehr unterschiedliche Maß an Begeisterung bei den Anhängern der beiden Parteien.

Er allein könnte McCain den Sieg kosten.


[02.42 Uhr] Obama in Ohio vorn?

NBC - etwas kryptisch: Ohio sei "zu knapp für eine Vorhersage", doch Obama liege "vorn".


[02.35 Uhr] Die Republikaner haben abgewirtschaftet

Woran man das sieht: Wenn es in einem so tief republikanischen Staat wie Kentucky im Kampf um den Senatssitz nur 51:49 für den Republikaner steht - das ist vernichtend.

Und im (bislang) republikanischen Virginia gewinnt der Demokrat das Rennen um den Senatssitz voraussichtlich mit zwei Dritteln der Stimmen!

Dass McCain in Georgia, Indiana und North Carolina zittern muss, spricht auch für sich.


[02.32 Uhr] Obama vorn in Indiana

Das kann John McCain nicht freuen: Im tiefrepublikanischen Indiana sind schon 30 Prozent ausgezählt und Obama liegt drei Punkte vorn.


[02.28 Uhr] Obama gewinnt Latinos in Florida

Bush hatte 2004 die Latino-Wähler (darunter viele Kubaner) mit 56 zu 44 Prozent gewonnen. Obama gewinnt sie laut Exit Polls mit 55 zu 44 Prozent. Wenn sich das bewahrheitet, steigen seine Chancen rapide, Florida zu gewinnen.


[02.25 Uhr] Obamas Chefberater Axelrod ist zufrieden

Er sagt auf CNN, es gebe nichts, was ihm Kopfzerbrechen bereite.


[02.21 Uhr] Pennsylvania und New Hampshire gehen an Obama!

ABC und NBC melden: Obama siegt in Pennsylvania.

ABC und Fox News melden: Obama siegt in New Hampshire.

Das sind sehr schlechte Nachrichten für John McCain. Ohne Pennsylvania kann er fast nicht gewinnen - und er hatte in den letzte Wochen alle Anstrengungen auf diesen Working-Class-Staat mit seinen 21 Wahlmännerstimmen konzentriert.


[02.15 Uhr] Die Party in Chicago

Die unzähligen Anhänger von Barack Obama, die sich im Grant Park in Chicago versammelt haben, sind jetzt schon ganz besoffen vor Glück. Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn die Stimmung dort noch umschlagen sollte.


[02.11 Uhr] Die Fernsehsender sind vorsichtig

Das Florida-Debakel von 2000 wirkt nach: Niemand will einen Bundesstaat zu früh einem Kandidaten zuschlagen.

Es gibt keine klaren Aussagen über: Pennsylvania, Ohio, New Hampshire.

Aber es ist offensichtlich, dass Barack Obama im ganzen Land in ländlichen Gegenden sehr gut abschneidet, die George W. Bush vor vier Jahren klar gewonnen hat.

Interessant: Obama hat in Florida Bezirke rund um Orlando gewonnen - das ist laut CNN das entscheidende Schlachtfeld in Florida.


[01.59 Uhr] South Carolina geht an McCain

Keine Überraschung, er lag in Umfragen klar vorne - ein klassischer republikanischer Südstaat. 71 Prozent der Weißen haben für McCain gestimmt.


[01.55 Uhr] Zahlen aus Ohio

Exit Polls: 85 Prozent sagen, sie seien besorgt wegen der Wirtschaftslage, nur 16 Prozent der Anhänger von Hillary Clinton stimmen für McCain; mehr schwarze Wähler als 2004 sind zur Wahl gegangen. Weiße Wähler stimmen - mit sehr knapper Mehrheit - für McCain.


[01.48 Uhr] Die nächsten wichtigen Bundesstaaten

Um 2 Uhr schließen die Wahllokale in: Florida, Missouri, New Hampshire und Pennsylvania.

Alle vier sind wichtige Swing States.

Obama muss New Hampshire und Pennsylvania gewinnen. Zwar liegt er in New Hampshire klar vorne, aber die unerwartete Niederlage gegen Hillary Clinton in den Vorwahlen ist noch nicht vergessen.

In Florida und Missouri lag Obama in den meisten Umfragen knapp hinten.


[01.39 Uhr] Jetzt heißt es zählen

Bisher sieht es nicht nach einer frühen Entscheidung aus - aber Obama liegt in traditionell republikanischen Staaten wie North Carolina oder Indiana gleichauf mit John McCain.

Wir können warten.


[01.32 Uhr] Die Wahl ist in drei weiteren Bundesstaaten zu Ende

In North Carolina, Ohio, West Virginia schließen die Wahllokale - und es gibt keinen unmittelbaren Sieger. Das ist aber nicht erstaunlich.


[01.27 Uhr] Knapp: Florida, Indiana, Virginia

Sieht alles noch ziemlich knapp aus - aber es sind überall erst wenige Stimmen ausgezählt.

In Virginia sind erst ländliche Bezirke ausgezählt, die traditionell republikanisch sind - aber es ist knapp.

In Indiana ist es ebenfalls knapp - selbst in den ländlichen Gebieten. Das sind gute Nachrichten für Obama.


[01.21 Uhr] Der Stand in Virginia

Obama liegt 55 zu 44 Prozent vorn - aber es ist erst ein Prozent der Stimmen ausgezählt.

Im urbanen Nord-Virginia wird Obama keine Probleme haben - die Frage ist, wie er im ländlichen Süden abschneidet.

Warten.


[01.15 Uhr] Die nächsten Wahllokale, die schließen

Um 07.30 Uhr: North Carolina, Ohio, West Virginia.

Ohio ist wichtig. Obama sollte gewinnen, er kann die 20 Wahlmänner brauchen. North Carolina kann er theoretisch gewinnen - es wäre ein Zeichen für einen deutlichen Sieg.


[01.09 Uhr] Was sagt uns das? Virginia

Die Exit Polls von CBS für Virginia:

Obama gewinnt die Frauen (die Stimmen der Männer sind gesplittet), er gewinnt 9 von 10 schwarzen Wählern (sie machen weniger als 25 Prozent der Wähler aus). 60 Prozent der Weißen haben McCain gewählt.

Wichtig: Mehr als 50 Prozent der Wähler in Virginia sagen, McCain würde Bushs Politik fortsetzen.

Rechnen...


[01.05 Uhr] Es bleibt spannend...

Laut CNN: Kentucky für McCain, Vermont für Obama - das ist keine Überraschung. Mich beunruhigt ein wenig, dass Virginia nicht direkt an Obama ging. Das könnte eine lange Nacht bedeuten (wie immer kann es aber auch gar nichts bedeuten).


[00.55 Uhr] Luft anhalten!

Jetzt wird es wirklich spannend: In fünf Minuten schließen die Wahllokale in Indiana und Virginia. Wenn Obama Virginia gewinnt, sieht es schlecht aus für McCain. Die Umfragen sahen Obama im Durchschnitt fünf Prozent vorne.

Falls Obama Indiana gewinnt, ist McCain geliefert.


[ 00.38 Uhr] Zwei Gerüchte

Michael Crowley von The New Republic hat zwei interessante Dinge gehört:

Erstens: Die Obama-Kampagne bereitet angeblich Helfer in Ohio darauf vor, dass es enorm knapp werden könnte - eventuell sogar so knapp wie 2000 in Florida, als nachgezählt werden musste.

Zweitens: Ein Obama-Call-Center in Washington soll Anweisung gekriegt haben, nicht mehr Wähler in Virginia anzurufen, sondern in Iowa. Das könnte vieles heißen - entweder, dass es in Virgina besonders gut läuft (was gute Nachrichten für Obama wären) - oder, dass es in Iowa entgegen allen Umfragen knapp werden könnte (das wären schlechte Nachrichten).

Es kann aber auch alles gar nichts heißen.


[ 00.38 Uhr] George W. Bush (II)

27 Prozent der Amerikaner finden, der aktuelle Präsident mache einen guten Job. 71 Prozent sind unzufrieden.


[00.18 Uhr] OBAMA BIG?

Der konservative Drudge Report meldet: EXIT POLLS SHOW OBAMA BIG.

Drudge weiter: Obama liegt angeblich in Pennsylvania mit bis zu 15 Prozent vorne (Der Staat ist enorm wichtig für Obama. McCain hat dort bis zum Schluss versucht, das Rennen zu drehen.)

Eng sei das Rennen in: Florida, Indiana, Ohio.

Bitte mit Vorsicht genießen, Drudge ist oft unzuverlässig. Und die Exit Polls auch.


[00.12 Uhr] Noch mehr Zahlen

Laut Fox News:

57 Prozent glauben, Obama sei "Leuten wie ihnen" nahe - 40 Prozent sagen das gleiche für McCain.

12 Prozent wären glücklich, falls McCain siegen sollte. 30 Prozent hätten Angst, falls McCain siegen sollte.

32 Prozent wären glücklich, falls Obama siegen sollte. 23 Prozent hätten Angst, falls Obama siegen sollte.

Was immer das heißt, es klingt zumindest nicht schlecht für Obama. Aber wie gesagt: Exit Polls mit Vorsicht genießen.


[00.04 Uhr] Jetzt: Die ersten Wahllokale schließen

In Teilen von Indiana und Kentucky ist die Wahl zu Ende! Resultate gibt es aber natürlich noch nicht.

Dafür neue Exit Polls von CNN: 62 Prozent der Wähler sagen, Wirtschaft sei das wichtigste Thema.

Interessant: 61 Prozent glauben McCain werde ihre Steuern erhöhen. (Obama: 70 Prozent) Angesichts der Angriffe McCains auf die angeblich sozialistische Steuerpolitik seiner Gegner, ist das erstaunlich.


[23.58 Uhr] Neue Indizien für eine Rekordwahlbeteiligung

31 268 357 Wähler haben in diesem Jahr das Early Voting genutzt, das heißt, sie haben vor Dienstag gewählt. Das entspricht bereits einem Viertel aller Wähler, die vor vier Jahren gewählt haben.


[23.44 Uhr] 1 000 000

Bis zu eine Million Menschen werden zu Obamas Party im Grant Park in Chicago erwartet. Es wird hoffentlich eine Siegesparty.


[23.41 Uhr] Neue Wähler: lauter Demokraten

Erstwähler haben laut den Nachwahlbefragungen von CNN zu 72 Prozent für Obama gestimmt. Ziemlich hohe Zahl, aber keine Überraschung.


[23.34 Uhr] Bitte warten

Die Wartezeiten für Wähler in Detroit, Michigan: bis zu fünf Stunden. Der Grund: zu wenig Wahlhelfer.


[23.33 Uhr] Terrorismus: kein Thema

Wer hätte das wissen können vor einem Jahr? Nur 9 Prozent der Wähler sehen laut CNN Terrorismus als das wichtigste Thema der Wahl - und von diesen Wählern haben 86 Prozent McCain gewählt. Das wiederum ist keine Überraschung


[23.23 Uhr] George W. Bush

Ich kann mich noch gut erinnern an jene Nacht vor acht Jahren, in der Al Gore die Präsidentschaft verlor, und ein Mann an die Macht kam, der so spektakulär unqualifiziert schien, dass man nur auf das Beste hoffen konnte: zum Beispiel, dass er sich als großer Präsident entpuppen würde.

Aber hoffen nützte nichts, es wurde schlimm. Viel schlimmer, als ich mir das je hätte vorstellen können. Und auch schlimmer, als die Amerikaner sich das wohl je vorstellen konnten: Bushs Beliebtheitswerte gehören zu den niedrigsten, die je gemessen wurde. Man kann getrost sagen, dass er der vielleicht schlechteste Präsident war, den das Land je hatte.

Wenn George W. Bush uns etwas gezeigt hat, dann dies: Man kann als Präsident der Vereinigten Staaten wirklich etwas bewirken.

Und sei es dies: Eine Supermacht wirtschaftlich ruinieren, ihre Militärmacht an den Rand einer Niederlage bringen und den Ruf eines Landes auf der ganzen Welt beschädigen.

Jane Mayer, die hervorragende Rechercheurin des New Yorker hat ein hervorragendes und beängstigendes Buch geschrieben: The Dark Side. Es beschreibt, wie Bush und Cheney nach dem 11. September in ihrer Paranoia den Rechtsstaat aushebelten und für Terrorverdächtige die Folter einführten. Es ist ein bedrückendes Zeugnis dafür, dass Bush Amerika auch moralisch an einen Abgrund geführt hat.

Und das ist der Grund dafür, dass auf der ganzen Welt heute so viele hoffen - mich eingeschlossen - dass Barack Obama Präsident wird.

Und dass er dieses malträtierte Land heilen kann.


[23.10 Uhr] Eine wichtige Wahl

Alles deutet auf eine Rekordwahlbeteiligung hin: In Florida, in Virginia, überall zeigen die Fernsehsender endlos lange Schlangen. CNN zeigt gerade Bilder aus Orlando. Die Wartezeit beträgt dort zur Zeit drei Stunden.

Immer noch besser als die zehn Stunden (!), die manche Wähler beim Early Voting in Atlanta warten mussten.


[23.05 Uhr] Die ersten Zahlen

Auf CNN kommen die ersten Exit-Polls:

62 Prozent der befragten Wähler sagen, das wichtigste Thema für sie sei die Wirtschaft. Nur 10 Prozent sagen Irak, 9 Prozent sagen Terrorismus.

Nicht gerade überraschend.


[22.57 Uhr] Ein Rückblick auf einen verrückten Wahlkampf

Während die Wahl noch in vollem Gang ist und wir atemlos auf die Resultate warten, gibt es schon einen wunderbaren Rückblick auf diesen verrückten Wahlkampf: This Fucking Election


[22.47 Uhr] Ein Typ aus der Nachbarschaft

Als Barack Obama heute morgen zur Wahl ging, in einer Grundschule in Chicago, wäre er fast William Ayers begegnet - jenem ehemaligen Terroristen und heutigen Hochschulprofessor, den John McCain zwischenzeitlich zu seinem zentralen Wahlkampfthema gemacht hatte. Ayers wohnt wie Obama im Stadtteil Hyde Park. Seinetwegen hatte Sarah Palin Obama beschuldigt, er würde "mit Terroristen rumkumpeln". Das war zwar weitgehend Unsinn, aber Obama war sicher dennoch froh, dass er Ayers nicht vor den Fernsehkamers über den Weg lief.


[22.39 Uhr] Dieser Black Panther in Philadelphia

Nach der alarmistischen Berichterstattung von Fox News und Drudge Report: Die Polizei hat einen gefährlichen schwarzen Mann aus dem Wahllokal gewiesen.


[22.31 Uhr] Wir haben eine Rakete

Wenn man CNN schaut, und Anchorman Wolf Blitzer hört, wie er sich und seine Redaktion dauernd vollmundig als das "beste politische Team im Fernsehen" anpreist, muss ich dauernd an diese großartige Verballhornung denken - aus der "Daily Show" mit Jon Stewart.


[22.21 Uhr] Die ersten Zahlen!

Wolf Blitzer auf CNN kündigt an: In einer Stunde gibt es die ersten Exit-Polls, das heißt: Umfragen unter Wählern nach der Abstimmung.

Aber Vorsicht: Erstens haben Exit-Polls eine besonders hohe Fehlerrate; zweitens fallen sie meistens zu positiv für die Demokraten aus.

Nate Silver nennt acht weitere Gründe, warum wir die Resultate mit Vorsicht genießen sollten.


[22.08 Uhr] Barack Wer?

Wie anders sah die Welt vor einem Jahr aus: Hillary Clinton galt als die unvermeidliche künftige Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, wenn nicht gar als künftige Präsidentin. Barack Obama war relativ unbekannt und galt weithin als unwählbar. Niemand kannte Sarah Palin. Und alle dachten, das wichtigste Wahlthema würde der Irak-Krieg.


[22.02 Uhr] Apropos Palin

Sarah Palin hat sich gerade zu Wort gemeldet, im Mocha Moose, einer Kaffeebar in ihrer Heimatstadt Wasilla, Alaska. Sie sagte, sie würde nach der Wahl "nicht so eine parteiliche Rolle" suchen und "sicherlich eine Art Brückenbauerin" sein. Außerdem beklagte sie "den heutigen Journalismus".

Urteilen Sie selbst.


[21.52 Uhr] Das Ende der Republikaner?

Deprimierend, was von der stolzen republikanischen Partei übriggeblieben ist, nach acht Jahren George W. Bush und am Ende dieses Wahlkampfs: Eine Vizepräsidentschaftskandidatin namens Sarah Palin, die so phänomenal unbedarft ist, dass sich ein großer Teil des Partei-Establishments mit Grausen abwandte. Und ein glatzköpfiger Mann namens Joe The Plumber (Joe, der Klempner), der Barack Obama auf der Straße anschnauzte, weil er dessen Steuerpläne für Sozialismus hielt.

Das sind also die neuen Helden der republikanischen Partei - zwei antiintellektuelle Figuren, die nichts als Ressentiment verkörpern. Und im Falle von Sarah Palin auch noch extremistisches Christentum. Wenn die Republikaner diese Wahl verlieren, haben sie verdient verloren: Sie sind ideell am Ende.


[21.30 Uhr] Das große amerikanische Wahlchaos (II)

Habe ich mich weiter unten über Wahlchaos lustig gemacht? Im Gegensatz zu den Jahren 2000 und 2004 scheint es in diesem Jahr bisher wenig Probleme zu geben.


[21.27 Uhr] Was Fox News gerade so berichtet

Der Anti-Obama-Sender "Fox News" und die konservative Website "Drudge Report" berichten von Black Panthern, die angeblich Wähler in Philadelphia einschüchtern - die Bilder sehen nicht sehr überzeugend aus. Offenbar tauchte ein einziger Panther in genau einem Wahlbezirk auf. Aber das ist natürlich ein toller Aufreger für die Republikaner.


[21.10 Uhr] BREAKING NEWS: DAS RESULTAT (okay, fast)

Der Satire-Sender Onion News Network hat als erster das Ergebnis der Wahl: Die Wahlmaschinen haben eine der ihren gewählt...




[ 21.01 Uhr] Wie wichtig ist Hautfarbe?

Wie sähe Obama als Weißer aus? Wie McCain als Schwarzer? Etwa so? Und ist es wirklich wichtig?


[20.54 Uhr] Was wir um 2 Uhr nachts wissen könnten

Um halb zwei schließen die Wahllokale in North Carolina und Ohio: North Carolina ist auch ein Red State, ein Republikanerstaat, den Obama in diesem Jahr gewinnen könnte. Ohio sollte er gewinnen: Mit seinen 20 Wahlmännerstimmen ist es einer der wichtigsten Swing States. In den Umfragen liegt Obama knapp vorne.


[20.43 Uhr] Was wir um 1 Uhr nachts wissen könnten

Okay, wann wissen wir, wie diese Nacht ausgehen könnte?

Um 1 Uhr unserer Zeit schließen die Wahllokale in Georgia, Indiana, South Carolina und Virgina.

Wichtig ist dabei vor allem Virginia. Es ist ein Staat, der traditionell republikanisch wählt, doch Obama hatte in den letzten Umfragen einen 5-Punkte-Vorsprung. Wenn die Umfrageinstitute Obama in Virginia schon kurz nach 1 Uhr zum Sieger ausrufen, dann könnte es eine große Nacht für die Demokraten werden. Falls das Rennen dort lange unentschieden bleibt, könnte es eine lange Nacht werden.

Falls Obama sogar tiefrepublikanische Staaten wie Indiana oder gar Georgia (mit seinen 30 Prozent afroamerikanischen Wählern) gewinnen würde, wäre es ein Zeichen für einen gewaltigen Sieg.


[20.33 Uhr] Nasse Zettel

Das übliche amerikanische Wahlchaos: In North Carolina konnten Wahlmaschinen vom Regen durchnässte Wahlzettel nicht lesen. Das Problem ist inzwischen gelöst werden: Die Zettel konnten mit Küchenpapier trockengetupft werden


[20.27 Uhr] Der Tag, der nie kommen sollte

Verrückt, diese endlosen Schlangen von Wählern, die stundenlang anstehen, um ihre Stimme abgeben zu können.

"Haben Sie gedacht, dass sie diesen Tag je sehen würden?" fragt ein Reporter von CNN einen schwarzen Wähler, der im Regen ansteht. "Nein", sagt er. "Aber er ist da. Er ist da."

In Virginia, einem traditionellen Republikaner-Staat, der dieses Jahr laut Umfragen an Obama gehen könnte, hält der Regen die Wähler nicht von den Urnen ab: Die Behörden melden eine absolute Rekordwahlbeteiligung.


[20.16 Uhr] Der Bradley-Effekt-Mythos

Was könnte also noch schief gehen?

Nate Silver zeigt, wie ein McCain-Siegaussehen könnte - McCain gewinnt neben den sicheren Republikaner-Staaten auch die Schlachtfeld-Staaten Virginia, Colorado, Nevada, Ohio, Missouri, North Carolina, Idaho und Florida - das ist laut Umfragen sehr unwahrscheinlich, aber es ist zumindest nicht ganz ausgeschlossen.

Mark Blumenthal von Pollster.com erklärt, was die Gründe sein könnten, falls sich am Ende herausstellt, dass die Umfragen trotz allem daneben lagen: Es war wohl nicht der sogenannte Bradley-Effekt, von dem alle dauernd reden (dass also weiße Befragte lügen, wenn sie aus rassistischen Gründen nicht für einen Schwarzen stimmen wollen). Es gibt sehr wenig Beweise dafür, dass der Bradley-Effekt heute noch eine Rolle spielt, falls es ihn überhaupt je gegeben haben sollte. Das schlimmste Szenario für die Demokraten: Dass Leute, die sich grundsätzlich weigern, an Umfragen teilzunehmen, überwiegend McCain-Anhänger sind.


[20.12 Uhr] Erdrutschsieg für Obama?

Wenn die Umfragen nicht völlig falsch liegen, wird Barack Obama Präsident der Vereinigten Staaten. Im Durchschnitt aller aktuellen nationalen Umfragen sieht ihn die Seite RealClearPolitics mit 7,5 Prozent vorne.

Der Star der amerikanischen Umfragen-Blogger, Nate Silver von FiveThirtyEight, prophezeiht ebenfalls einen klaren Sieg Obamas: Sein kompliziertes Computermodell hat alle Umfragen in allen Bundesstaaten ausgewertet. Das Resultat: Von den 538 Wahlmännerstimmen erhält Obama 348,6 - McCain nur 189,4. Das wäre ein Erdrutschsieg.

Und selbst Karl Rove, der berüchtigte Spin-Doctor von George W. Bush, glaubt an einen klaren Obama-Sieg: Er prophezeiht 338 Wahlmänner für Obama, 200 für McCain.


[20.03 Uhr] Barack Obama for President

Damit das gleich von Anfang an klar ist: Ich hoffe auf einen Sieg von Barack Obama. Ich glaube, dass Obama der Mann ist, der Amerika nach den verheerenden Bush-Jahren eine neue Richtung geben kann. Ich glaube, dass er ein hochintelligenter Politiker ist, ein Mann, der sich auszeichnet durch Pragmatismus, Führungsqualitäten und gleichzeitig durch eine Fähigkeit, Menschen zu begeistern. Er hat einen fantastischen Wahlkampf geführt und allein durch seine Person steht er schon für einen Neuanfang. Dass er uns als Präsident trotzdem enttäuschen wird, versteht sich von selbst: Die Erwartungen sind so enorm, dass er sie unmöglich erfüllen kann.

Den John McCain, den wir in diesem Wahlkampf gesehen haben, möchte ich nicht im weißen Haus sehen: Er hat in einer zynischen, geradezu absurden Kampagne versucht, Obama als gefährlichen, unamerikanischen "Anderen" darzustellen, als Terroristenfreund und Marxisten. Er hat mit der Wahl Sarah Palins als seiner Vizepräsidentschaftskandidatin eine unfassbar verantwortungslose Entscheidung getroffen. Ich halte ihn für einen Hitzkopf, der dazu neigt, Probleme militärisch lösen zu wollen. Außerdem hat er sich wenig Mühe gegeben, sich von George W. Bushs abzusetzen - vom "Maverick", vom Einzelgänger, der sich immer wieder von seiner Partei absetzt, ist wenig übriggeblieben. Trotzdem: Er wäre vermutlich ein besserer Präsident als Bush.



[20.01 Uhr]

Willkommen zu dieser Wahlnacht auf SPIEGEL ONLINE! Egal, ob sie kurz oder lang wird, ich bleibe hier bis zum Schluss - und wer weiß, vielleicht bleiben ja ein paar Leser mit mir wach, die genauso verrückt sind.

Mit Schokolade, Cola und Clementinen habe ich mich eingedeckt, um durchzuhalten. Ich bin leicht zittrig, aber eigentlich ganz zuversichtlich, dass Barack Obama irgendwann in den frühen Morgenstunden als Präsident der USA feststeht.

Was ich mache, wenn es anders kommt, habe ich noch nicht definitiv entschieden.

insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
juttasmeinung 04.11.2008
1. Wahlirrsinn
Das was mich an diesem amerikanischen Wahlirrsinn wirklich am meisten stört, sind die Milliarden die dort verschleudert werden, wo anderswo Leute hungern müssen oder im Krieg ihr Leben lassen für dieses ach so wohl und hochgelobte Amerika. Aber nichts desto trotz hoffe ich auch, dass Obama gewinnt. Einfach in der Hoffnung auf eine, ein klein wenig bessere Welt. Denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
fatih1453 04.11.2008
2. Was für Nächte sind das?
Ich habe mich schon immer gefragt, warum die halbe Welt sich mehr für die Amerikaner interessiert als die Amerikaner für sich selbst!? Jammert dann bitte nicht, wenn irgendwelche Krisenwellen am anderen Ufer eingespeist werden und ihr hier drüben nass werdet! Ich bin zwar auch hier, aber ich habe einen kräftigen Schirm aufgespannt und nähere mich diesem Ufer erst gar nicht. Sicher ist eben sicher!
Nygidda 04.11.2008
3. Auch ich...
Genauso wie Herr von Rohr "bleibe [Ich] hier bis zum Schluss" .. jedenfalls hoffe ich es. Bei mir ist es jedoch die andere Art von Koffein, die mich durchbringen soll: Kaffee. Bin auch für Obama und verfolge aber jedoch ARD, ZDF und RTL (ab 12 Uhr) Aber, es heißt wohl noch ein bisschen: Abwarten und Kaffee (oder Cola) trinken.
bulidza 05.11.2008
4. Hallihallo
Hallo an alle, wünsche euch eine spannende Wahlnacht, bin immer noch nicht ganz überzeugt dass Obama die Wahl gewinnt... Ich wünsche es mir von ganzem Herzen und hoffe dass ich dieses Mal nicht enttäuscht werde, vor allem die letzte Wahl hat mich am gesunden Menschenverstand der Amerikaner zweifeln lassen. Meine Infos beziehe ich durch Dauerzappen (ARD, ZDF, Phoenix, CNN, ABCNews) und das Netz (google news, reuters, den Spiegel Live Blog ;-). Wer in der Lage ist den ZDFInfo-Kanal zu empfangen, dem möchte ich Claus Klebers "Nacht im Netz" empfehlen, nähere Infos dazu unter http://nachtimnetz.zdf.de/ZDFheute/inhalt/10/0,3672,7395562,00.html?dr=1 Viel Spaß und bis später, bulidza P.S. Was hat eine Dax-Analyse mit dem Wahlergebnis in den USA zu tun?
Reziprozität 05.11.2008
5. Mathieu van Rohr als Blogger
Das kann doch wohl - mit Verlaub - nur ein superschlechter Witz sein! Inwiefern qualifiziert ihn das, nach den absolut grottenschlechten Schweiz-Berichten, für die Berichterstattung der "Nacht der Nächte"?? §VerwundertdieAugenbiszumExzessreib'§
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