Liveticker Regimetreue kämpfen um West-Libyen

In Tripolis feuern Regierungstreue willkürlich in den Straßen: In der Hauptstadt und nahe der Grenze zu Tunesien wehrt sich Gaddafis Regime gegen den drohenden Untergang. Die USA verurteilen die Gewalt. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker.

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AP

+++ Gaddafi-Sohn: "Vater spielt auch in Zukunft eine wichtige Rolle" +++

[00:10 Uhr] Während im Osten des Landes die Menschen schon ihre Befreiung von der Herrschaft Muammar al-Gaddafis feiern, sagte Saadi Gaddafi, ein Sohn des Staatschefs, etwa 85 Prozent Libyens seien "sehr ruhig und sehr sicher". Es gebe zwar Proteste gegen die Herrschaft seines Vaters. Das sei normal. Jeder dürfe seine Meinung frei äußern. Sein Vater werde seiner Ansicht nach auch in Zukunft eine wichtige Rolle in dem nordafrikanischen Land spielen. Allerdings werde "neues Blut" die direkte Kontrolle übernehmen und Reformen einführen müssen, sagte der Sohn Gaddafis im Telefon-Interview der "Financial Times". "Mein Vater würde als der große Vater bleiben, der berät", fügte er hinzu. Sein Bruder Saif al-Islam arbeite an einer neuen Verfassung und werde bald eine Erklärung abgeben.

+++ Obama: "Das Blutvergießen ist inakzeptabel und abscheulich" +++

[23.30 Uhr] US-Präsident Barack Obama hat sich erstmals öffentlich zu der Eskalation in Libyen geäußert. "Das Leiden und Blutvergießen ist abscheulich und inakzeptabel", sagte er am Mittwoch in Washington. Die Gewalt in dem Land müsse beendet werden, sie verletzte internationale Normen. Seine Regierung werde alle Optionen ausschöpfen, um darauf zu reagieren. Außenministerin Hillary Clinton wird am Freitag in Genf an dem Dringlichkeitstreffen des UN-Menschenrechtsrates teilnehmen. Obama kündigte an, die USA würden alles tun, um amerikanische Bürger in Libyen zu schützen. Wie bereits Außenministerin Clinton forderte Obama allerdings weder ausdrücklich den Rücktritt Gaddafis noch Sanktionen. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte jedoch zuvor, es gebe eine "Reihe von Schritten", zu denen er auch Sanktionen zählte.

+++ Kanzlermaschine fliegt über 70 Menschen von Libyen nach Köln +++

[23.00 Uhr] Die deutsche Luftwaffe hat weitere 74 Menschen aus Libyen ausgeflogen. Die Kanzlermaschine "Konrad Adenauer" mit 47 deutschen und weiteren Passagieren aus 15 Nationen landete am Mittwochabend auf dem Militärflughafen Köln. Die Heimkehrer berichteten von chaotischen Zuständen am Flughafen in Tripolis: Tausende Menschen wollten ausreisen und belagerten das Flughafengebäude, sagte der Passagier Roland Gehrmann nach der Landung in Köln. "Sie kommen nirgendwo da rein, Sie müssen sich durchprügeln", sagte er. Unter den Passagieren waren auch einige Kinder. Mit diesem Flug sei nun "die Masse der Deutschen aus Libyen ausgeflogen worden", sagte der Kommandant des Flugzeugs, Oberstleutnant Johannes Stamm.

+++ Ban Ki Moon will Verantwortliche bestrafen lassen +++

[22.50 Uhr] Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon will dafür sorgen, dass die Verantwortlichen für die derzeit in Libyen ausgeübte Gewalt vor einem internationalen Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. "Diejenigen, die das brutale Blutvergießen an Unschuldigen (anordnen), müssen bestraft werden", verlangte Ban am Mittwochabend vor Journalisten in New York. Die Berichte aus Libyen ließen nach Einschätzung seiner Völkermordexperten schwere Verstöße gegen die Menschenrechte vermuten, sagte Ban. Der Uno-Chef kündigte an, mehrere seiner Unter-Generalsekretäre nach Ägypten, Tunesien und andere Länder der Region zu entsenden.

+++ Hunderte US-Bürger mit Fähre evakuiert +++

[20.54 Uhr] Die von der US-Regierung angemietete Fähre hat Tripolis angelaufen, um US-Staatsbürger zu evakuieren. Das Schiff biete Platz für 575 Menschen und solle Libyen noch am Mittwoch in Richtung Malta verlassen, hieß es aus Washington. An Bord seien mindestens 35 US-Botschaftsmitarbeiter oder deren Angehörige. Zudem hätten rund 200 US-Bürger in Libyen um Hilfe bei der Ausreise gebeten. Man habe sich für eine Evakuierung auf dem Seeweg entschieden, da es Schwierigkeiten bei der Landegenehmigung für Charterflugzeuge gegeben habe.

+++ Gaddafis Tochter verliert Titel +++

[20.04 Uhr] Die Vereinten Nationen haben der Tochter Gaddafis den Titel einer Uno-Ehrenbotschafterin entzogen. Angesichts der "jüngsten Entwicklungen" in Libyen sei die Zusammenarbeit mit Aischa al-Gaddafi beendet worden, sagte ein Uno-Sprecher. Die Juristin war im Juli 2009 zur Ehrenbotschafterin des Uno-Entwicklungsprogramms (UNDP) ernannt worden. Zu ihren Aufgaben hatte das Eintreten gegen die Verbreitung von Aids und gegen die Unterdrückung von Frauen gezählt.

+++ Marineverband nimmt Kurs auf Libyen +++

[19.50 Uhr] Die Bundeswehr bereitet sich auf eine Evakuierung deutscher Staatsbürger aus Libyen vor. Laut "Kieler Nachrichten" ist ein Verband der Marine von Spanien aus Richtung Libyen unterwegs. Mit dabei seien auch Hubschrauber, um bei einem Ausfall des Flughafens von Tripolis notfalls Zivilisten auch von anderen Orten an der Küste zu evakuieren. Der Einsatzgruppenversorger "Berlin" befinde sich mit den beiden Fregatten "Brandenburg" und "Rheinland-Pfalz" derzeit vor der algerischen Küste. Der Verband mit fast 600 deutschen Marinesoldaten werde am Donnerstag gegen Mittag vor der libyschen Küste erwartet.

+++ Rückkehrer: "Kriegsähnliche Zustände" +++

[19.34 Uhr] Von China bis Kanada arbeiten zahlreiche Länder mit Hochdruck daran, ihre Bürger aus dem Land zu holen, die Rückkehrer berichten von kriegsähnlichen Szenen. Eine britische Lehrerin etwa erzählt von "mindestens 20 Explosionen", über Tripolis kreisten ständig Flugzeuge. "Es ist furchtbar. Vor dem Flughafen sitzen Tausende Menschen herum", sagte ein anderer Augenzeuge.

+++ AU verurteilt Brutalität der Milizen +++

[19.23 Uhr] Der Kommissionspräsident der Afrikanischen Union Jean Ping hat die "unverhältnismäßige Gewalt gegen Zivilisten" kritisiert. Er beobachte die Lage in Libyen mit "großer Sorge" und beklage den Tod vieler Menschen.

+++ USA geißeln Gaddafis Gewalt +++

[19.07 Uhr] Die USA prüfen nach Angaben des Weißen Hauses Optionen, Libyen zur Einstellung der Gewalt gegen die Protestbewegung zu zwingen. Dazu gehörten auch Sanktionen. Präsident Barack Obama verurteile das Blutvergießen in dem nordafrikanischen Land scharf und werde sich zu der Lage dort am Mittwoch oder Donnerstag äußern. Die Gewalt sei "völlig inakzeptabel" und müsse aufhören. Obama hat sich seit Beginn der Unruhen noch nicht öffentlich zur Lage in Libyen geäußert. Seit Mittwoch versuchen die USA wie andere Staaten auch, ihre Staatsbürger aus dem Land zu evakuieren.

Nacht in Tripolis: Bewaffnete Truppen patrouillieren auf der Straße. SPIEGEL ONLINE konnte Inhalt und Herkunft nicht überprüfen.


+++ Israel lässt Palästinenser aus Libyen einreisen +++

[19.02 Uhr] Israel wird 300 Palästinensern aus Libyen die Einreise in die Palästinensergebiete erlauben. Dies werde in den kommenden Tagen geschehen, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

+++ Berichte: Zufahrtswege in der Hand von Gaddafi-Getreuen +++

[18.50 Uhr] Der BBC zufolge gibt es Hinweise darauf, dass Anhänger des Gaddafi-Regimes wichtige Zufahrtsstraßen zwischen der libysch-tunesischen Grenze und der Hauptstadt Tripolis kontrollierten. Einwohner von Tripolis sagten, Milizen Gaddafis feuerten willkürlich in den Straßen. Einer Augenzeugin zufolge seien die Straßen menschenleer. Verletzte könnten keine Krankenhäuser aufsuchen, aus Angst, erschossen zu werden.

Im Online-Netzwerk Facebook tauchten neue Videos auf, die Regierungsgegner in Sawija, außerhalb von Tripolis, beim Hissen der Flagge der Monarchie zeigten. In anderen Videos waren Aktivisten zu sehen, die Zementblöcke errichteten und Reifen anzündeten, um ihre Position auf einem Platz der Hauptstadt zu verteidigen. Eine Bestätigung der Bilder von unabhängiger Seite gab es nicht.

+++ Uno erwägt Flugverbot +++

[18.27 Uhr] Die Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay fordert die Verhängung eines Flugverbots über dem libyschen Luftraum, sollten sich die Hinweise auf Luftangriffe des Regimes gegen Zivilisten erhärten.

+++ Libysches Flugzeug muss umkehren +++

[18.20 Uhr] Malta hat einem libyschen Flugzeug die Landeerlaubnis auf dem internationalen Flughafen in Valetta verweigert. Die Turboprop-Maschine der Fluglinie Libyan Arab Airlines mit 14 Menschen an Bord sei unerwartet in maltesischem Luftraum aufgetaucht und habe daher nicht landen dürfen. Der Pilot habe daraufhin erklärt, die Landung sei bereits für Dienstag vorgesehen gewesen, und er habe dafür eine Erlaubnis gehabt. Ihm fehle Treibstoff. Nach erfolglosen 20-minütigen Verhandlungen musste das Flugzeug schließlich wieder nach Libyen umdrehen.

+++ Öl-Sorgen: Dax bricht ein +++

[18.15 Uhr] Wegen der chaotischen Zustände in Libyen ist der deutsche Aktienmarkt erneut eingebrochen. Der Aktienindex Dax verlor 1,7 Prozent und ging bei 7195 Punkten aus dem Handel.

+++ Organisation: 640 Tote +++

[18.05 Uhr] Die Internationale Menschenrechtsliga (FIDH) schätzt die Zahl der bei den Unruhen in Libyen ums Leben gekommenen Opfer auf mindestens 640 Menschen. Unter ihnen seien 130 Soldaten, die sich geweigert hätten, auf Demonstranten in Bengasi zu schießen, teilte die Organisation mit. Allein in Tripolis habe es 275 Opfer gegeben. Nicht mitgezählt seien mögliche Tote in Tobruk, wo es ebenfalls Unruhen gab. Die libysche Regierung spricht offiziell von insgesamt 300 Toten.

+++ Fahnenwechsel in Rom +++

[17.50 Uhr] Dutzende Gaddafi-Gegner haben vor der libyschen Botschaft in Rom protestiert. Unter Rufen wie "Mörder, Mörder" und "Freiheit für Libyen" überwand ein Teil der Demonstranten die Absperrungen vor dem Botschaftsgebäude, berichteten italienische Medien. Es gelang ihnen, vorübergehend die offizielle Fahne Libyens gegen die des früheren Königreichs auszutauschen, hieß es. Die 1969 von Gaddafi eingeführte Fahne sei von der Menge verbrannt worden.

+++ Barroso für Kollektivverantwortung +++

[17.40 Uhr] Im Fall eines Ansturms von Flüchtlingen aus Libyen soll Europa nach Ansicht von Kommissionspräsident José Manuel Barroso gemeinsam handeln. Einer solchen Situation müsse auf eine "europäische Art" begegnet werden, sagte er Brüssel.

Ein Transport-Helikopter fliegt über Tripolis. Augenzeugen berichten, dass bewaffnete Truppen Hubschrauber zur Fortbewegung nutzen. Dieses Video wurde auf YouTube veröffentlicht. SPIEGEL ONLINE konnte Inhalt und Herkunft nicht überprüfen.


+++ Strafgerichtshof kann Verbrechen in Libyen nicht nachgehen +++

[17.28 Uhr] Der Internationale Strafgerichtshof ICC in Den Haag kann in Libyen begangene Verbrechen vorerst nicht untersuchen. Das Büro des ICC-Staatsanwalts Luis Moreno-Ocampo gibt eine entsprechende Erklärung ab. Nur wenn das betroffene Land die Autorität des Gerichts anerkenne oder aber der Uno-Sicherheitsrat das Gericht mit der Untersuchung beauftragt, könnten die Ermittler tätig werden. "Die Entscheidung, dass Recht gesprochen werden muss, sollte vom libyschen Volk ausgehen", heißt es in der Erklärung.

+++ Syrien schickt Schiffe zum Evakuieren +++

[17.24 Uhr] Auch Syrien will Schiffe an die libysche Küste entsenden. Die Marine soll die dort festsitzenden syrischen Landsleute aufnehmen. Auf Anordnung von Präsident Baschar al-Assad sollten die Schiffe Bengasi anlaufen, die zweitgrößte libysche Stadt, berichtet das syrische Staatsfernsehen.

+++ Britischer Ölarbeiter berichtet von "Alptraum" in der Wüste +++

[17.05 Uhr] James Coyle, ein Ölarbeiter aus Großbritannien, erzählt der BBC, er sei mit rund 300 anderen Menschen - unter anderem auch Deutsche und Österreicher - in einem Camp in der Wüste Ostlibyens gestrandet. Man habe nur noch Wasser und Vorräte für "vielleicht" einen Tag, bewaffnete Vandalen kämen zum Plündern. "Sie haben das deutsche Camp nebenan geplündert, alle Fahrzeuge mitgenommen", berichtet Coyle. "Das Ganze ist ein Alptraum."

+++ Noch 10.000 EU-Bürger in Libyen +++

[16.47 Uhr] Die noch festsitzenden EU-Bürger sollen notfalls auf dem Seeweg aus Libyen gebracht werden. Die EU sei bereit, dafür zusätzliche Transportkapazitäten bereitzustellen, sagt ein Sprecher der Europäischen Kommission in Brüssel. Noch rund 10.000 EU-Bürger sollen im Land sein.

Straßenszene in Bengasi: Sicherheitskräfte dringen unter dem Protest von Anwohnern in mehrere Häuser ein. Dieses Video wurde auf YouTube veröffentlicht. SPIEGEL ONLINE konnte Inhalt und Herkunft nicht überprüfen.


+++ Demo und Festnahmen vor Botschaft in Berlin +++

[16.41 Uhr] Protest gegen Gaddafi auch in Berlin: Bei einer Demo vor der libyschen Botschaft stürmen zwei Teilnehmer auf das Gelände der Residenz. Es gelingt ihnen nach Angaben der Polizei, vorübergehend die offizielle Fahne Libyens gegen die des Königreichs auszutauschen. Verletzt wird dabei niemand. Die beiden Männer werden von der Polizei festgenommen.

+++ Autokorso in Tobruk +++

[16.27 Uhr] SPIEGEL-ONLINE-Reporter Mathias Gebauer aus Tobruk: In einem langen Auto-Konvoi ziehen Tausende Gegner des Regimes von Gaddafi neben den Autos durch die Hafenstadt im Osten Libyens, Die Fahrzeuge sind mit rot-grün-roten Fahnen, den Farben des alten Königs, geschmückt. "Sieg oder Tod", skandieren die Massen, "wir werden Gaddafi unsere Stadt nie wieder überlassen". Seit etwas drei Tagen haben die Armee und alle anderen Sicherheitskräfte die Stadt verlassen, Milizen haben nun die Macht. Viele der Männer auf den Autos sind bewaffnet, schwenken mit Pistolen und Maschinengewehren herum.

Jubel in Tobruk. Bewohner mehrerer Städte im Osten Libyens feiern die "Befreiung" ihrer Region. Dieses Video wurde auf YouTube veröffentlicht. SPIEGEL ONLINE konnte Inhalt und Herkunft nicht überprüfen.


+++ Ex-Protokollchef nennt Gaddafis Verhalten "diabolisch" +++

[16.21 Uhr] In einem Interview mit dem arabischen Fernsehsender al-Dschasira erklärt der ehemalige Protokollchef von Gaddafi, warum er seinem einstigen Chef den Rücken gekehrt hat. "Diesen Irrsinn gab es vorher nicht", sagte er. Doch nun habe sich der Machthaber gegen das eigene Volk gewandt. "Das ist Massenmord", sagte der einstige Vertraute, der sich derzeit in Paris aufhält. "Man kann sich dann entscheiden, ob man Teil dieses diabolischen Tuns ist - oder ob man sich wie ein menschliches Wesen verhält und dem Ganzen den Rücken kehrt."

+++ Kampfflugzeug abgestürzt - Pilot wollte Bengasi nicht angreifen +++

[16.06 Uhr] Dramatische Szenen an Bord eines libyschen Kampfflugzeuges. Pilot und Co-Pilot der Maschine sprangen mit einem Fallschirm kurz vor dem Absturz in der Nähe der Stadt Adschdabija ab. Beide hätten den Befehl zum Angriff auf die Stadt Bengasi verweigert, berichtet die libysche Zeitung "Qurina" auf ihrer Website unter Berufung auf Militärkreise. Adschdabija liegt 160 Kilometer südwestlich von Bengasi. Aus gut unterrichteten Kreisen in Tripolis hieß es, einen solchen Angriffsbefehl könne nur Gaddafi selbst gegeben haben. Es soll sich um eine russische Maschine vom Typ Suchoi SU-22 gehandelt haben.

+++ Österreicher planen Rettungs-Konvoi +++

[15.42 Uhr] Österreich will seine Bürger möglicherweise mit einem Fahrzeugkonvoi aus Libyen retten. Man wolle 20 Österreicher aus dem Raum Tripolis über den Landweg in Sicherheit bringen, kündigt Außenminister Michael Spindelegger nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA an: "Ich hoffe, das gelingt." Die genaue Route sei noch unklar, in Richtung Ägypten gebe es aber praktisch kein Durchkommen mehr.

+++ Siegesfeiern in Bengasi und Tobruk +++

[15.35 Uhr] Vorfreude ist die schönste Freude. Noch hat Muammar al-Gaddafi nicht aufgegeben, aber in Teilen Libyens wird schon gejubelt. Die Bewohner mehrerer Städte im Osten des Landes feiern bereits die "Befreiung" ihrer Region. Augenzeugen berichten, in den Städten Bengasi und Tobruk seien die Vertreter der Staatsmacht entweder verschwunden oder hätten sich den Aufständischen angeschlossen.

+++ Leere Straßen in Tripolis +++

[15.21 Uhr] In Tripolis ist es auffallend ruhig. Sonst volle Straßen in der libyschen Hauptstadt sind leer. "Viele Menschen in Tripolis haben Angst, ihre Häuser zu verlassen", sagt der Tunesier Marwan Mohammed, als er die Grenze zu seiner Heimat überquert. Bewaffnete Anhänger von Gaddafi zögen umher und bedrohten alle, die in einer Gruppe zusammenkämen.

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Proteste gegen Gaddafi: Libyen erhebt sich
+++ Wintershall stellt Ölproduktion ein +++

[15.13 Uhr] Die BASF-Tochter Wintershall muss auf die Unruhen in Libyen reagieren. Die Ölproduktion von 100.000 Fass am Tag sei aus Sicherheitsgründen eingestellt worden, sagte ein Sprecher der Kasseler Öl- und Gastochter des Chemieriesen. Libyen ist für Wintershall ein wichtiger Standort. Der Konzern hat 453 Beschäftigte in dem Land, darunter 30 deutsche Staatsangehörige sowie Niederländer, Kanadier, Briten und andere. Die BASF-Tochter betreibt derzeit acht Ölfelder in dem Land.

+++ Menschen in Tripolis verbarrikadieren sich +++

[15.06 Uhr] Ein Augenzeuge namens Sebastian, der gerade aus Libyen ausgeflogen worden ist, berichtet laut BBC: "Ich allein kenne um die 30 Leute, die in ihren Wohnungen festsitzen, die sich nicht zum Flughafen trauen." Auf den Straßen von Tripolis trieben sich plündernde und marodierende Soldaten herum, "da traut sich keiner mehr raus". Die Situation in der Hauptstadt sei "wirklich schrecklich".

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insgesamt 86 Beiträge
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backfeed 23.02.2011
1. unsere Werte
Wer heute noch zu dem alten Mann hält (scheinbar die gesamte EU), braucht sich hinterher nicht zu wundern, wenn die Nachfolgeregierung nichts mehr mit uns zu tun haben will. Vielleicht mit China oder Indien. Wir sollten mit den beschi... Apellen aufhören und endlich mal Zivilcourage zeigen: Keine Ausfuhr von Rüstungsgütern und vielleicht einige Zeit keine Einfuhr von Öl, dafür aber Menschlichkeit und Flagge zeigen für Werte, für die es sich lohnt, hier Steuern zu zahlen. Für Öl kann sich in dieser Welt jeder alles leisten, aber wir haben Dosenpfand und trennen den Müll - lächelich.
Koana 23.02.2011
2. Zahlen
Die Zahl von dreihundert Toten ist ein Euphemismus hoch x! (Wobei ja schon ein willkürlich erschossener Mensch, nur um Terror auszuüben, nicht akzeptabel sein sollte.) Wir, die wir in unserem Denken, in der Tat nur noch um das Ökonomische im Sinne einer völlig absurden Wachstumsideologie, perfide Gedankentänze aufführen, handeln sofort reflexartig die Resourcenthematik ab, lassen unsere Entscheidungsträger über mögliche Sanktionen fabulieren und hoffen innigst, dass möglichst keine Menschen in Not den Weg in unsere Nester finden. Ich kann mich da nicht ausgrenzen, und kann nur Menschen wie eine Julia Kümmel, die aktiv für Asyl kämpft meine Bewunderung aussprechen. Leider würden Menschen wie eine Frau Kümmel in welcher Partei auch immer, einen Listenplatz jenseits der Nummer 100 erhalten. Und doch ist sie mehr wert, als 1000 heuchelnde, hellleuchtende, Guttgottis.
Hubert Rudnick, 23.02.2011
3. Die Welt verändert sich?
Zitat von sysopRund 300 Menschen sollen bei den Protesten in Libyen bereits getötet worden sein. Die Uno ächtet Muammar al-Gaddafi, doch der Diktator klammert sich an seine Macht. Gastarbeiter aus Tunesien und Ägypten werden von seinen Soldaten misshandelt. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,747173,00.html
Die arabische Welt ist in Bewegung geraten und alle Länder sind nur Kopflos, sie haben nur Angst um die Erdölieferung und ihre Pfründe. Wer jahrzehnte lang nur zugeschaut hat und auf auf diktaorische Regierungen gebaut hat, der sieht nun seine Felle wegschwimmen.
theresia 23.02.2011
4. UNO-Mandat
Natürlich bringen Appelle und Mahnungen nichts,aber wie soll ein UNO-Mandat denn aussehen ? Militärische Intervention wie damals in Ex-Jugoslawien ?Alle,die vom libyschen Öl abhängig sind,werden es weiterhin bei Worten lassen und wenn der Irre an der Macht bleiben sollte,wird niemand bereit sein,einen internationalen Haftbefehl gegen ihn auszustellen.Wirtschaftliche Interessen waren und bleiben immer wichtiger als die Moral.Gilt für die EU-Länder ebenso wie für die USA-Russland und China.
redundant 23.02.2011
5. Gadaffis "Getreue" ...
Gibt es die noch? Er hat sich doch eine Menge Schwarzlybier aus den Armengebieten im Süden gekauft (Söldner) ... der SPIEGEL sollte solche Ausdrücke möglichst vermeiden!
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