Minutenprotokoll: Uno verlängert Beobachtermission um 30 Tage

Die Uno-Beobachtermission in Syrien wird ein letztes Mal verlängert - um 30 Tage. Darauf hat sich der Sicherheitsrat einstimmig in New York geeinigt. Bedingungen sind damit nicht verknüpft - Russland hatte gedroht, andernfalls nicht zuzustimmen. Die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll.

+++ Sicherheitsrat: Uno-Mission in Syrien wird um 30 Tage verlängert+++

[17.10 Uhr] Einstimmig hat der Uno-Sicherheitsrat beschlossen, die Beobachtermission in Syrien ein letztes Mal zu verlängern - um 30 Tage. Die Arbeit der Mission war wegen der Gefahren für die Mitarbeiter vor Ort am 16. Juni eingestellt worden. Russland hatte zuvor gedroht, die Verlängerung zu blockieren, wenn diese an Bedingungen geknüpft ist.

+++ Irak schickt Truppen zur syrischen Grenze +++

[15.21 Uhr] Das irakische Militär hat eine komplette Division an die Grenze zu Syrien verlegt. Die al-Dschasira-Reporterin Jane Arraf berichtet von der irakischen Seite der Grenze. Demnach ist die 77ste Armee Division nun an der Landesgrenze stationiert.

+++ Rebellen brennen Milizen-Baracken nieder +++

[14.55 Uhr] Nach zwei Tagen Belagerung haben syrische Rebellen eigenen Angaben zufolge ein Trainingsgelände der Schabiha-Milizen zerstört. Die Saiqa-Baracken stünden in Flammen, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Augenzeugen. 80 regierungstreue Kämpfer hätten das Gelände verteidigt und sich aber nun nach zwei Tagen Kampf zurückgezogen.

+++ Tote in den Straßen im Zentrum von Damaskus +++

[14.41 Uhr] Nach Angaben von syrischen Aktivisten sollen im Zentrum von Damaskus Sicherheitskräfte auf Demonstranten geschossen haben. Ein Youtube-Video soll die Khalid bin Walid Straße im Zentrum von Damaskus zeigen. Auf dem Asphalt liegen zwei Tote. Niemand scheint sich zu trauen, die Männer von der Straße zu ziehen. Immer wieder sind Schüsse zu hören. Die Umstehenden bleiben im Schutz der Häuser und rufen immer wieder "Gott ist größer" in Richtung der Schießenden. SPIEGEL ONLINE kann die Aufnahmen nicht verifizieren.

+++ Gegenoffensive der Regierungstruppen +++

[14.36 Uhr] Ein AFP-Korrespondent berichtet über heftige Kämpfe im Zentrum von Damaskus. Die Armee habe nicht nur die Kontrolle über das Viertel Midan zurück erlangt. Es gebe auch Kämpfe in den Vierteln Dschobar und Kabun. Der Reporter berichtet von zerschossenen Gebäuden, geplünderten Läden und Munitionsresten auf der Straße. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder gefesselter Kämpfer und beschlagnahmter Waffen.

+++ Beerdigung in Damaskus +++

[14.24 Uhr] Drei ranghohe Regierungsmitglieder, die am Mittwoch bei einem Anschlag ums Leben kamen, sind beerdigt worden. Bei der Rebellen-Attacke auf den Sitz der syrischen Sicherheitskräfte kamen Assads Schwager, der Verteidigungsminister und ein hoher ehemaliger General ums Leben.

+++ Ranghohe Militärs flüchten in die Türkei +++

[14.10 Uhr] Immer mehr hohe Offiziere der syrischen Armee flüchten aus dem Land. Türkischen Angaben zufolge flüchteten allein in der Nacht zum Freitag ein Brigadegeneral, vier Oberste und 16 weitere Offiziere. Damit seien inzwischen 22 Generäle der syrischen Armee in die Türkei gekommen.

+++ Moskau setzt Lieferung von Kampfhubschraubern aus +++

[14.01 Uhr] Russland wird eine Lieferung von Kampfhubschraubern vorerst nicht an Syrien übergeben. Hintergrund sei die eskalierte Lage, meldet die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Militärkreise. Wenn sich "die Lage normalisiert" habe, würden die drei Helikopter und ein Luftabwehrsystem aber wie geplant geliefert. Der Vertrag war bereits 2008 - lange vor dem Aufstand - geschlossen worden. Russland war im Juni mit dem Versuch gescheitert, die Kampfhubschrauber mit einem Frachter nach Syrien zu bringen.

+++ Aleppo unter Regierungskontrolle +++

[13.51 Uhr] Fadi Salem, der an der Dubai School of Government lehrt, twittert, er sei in Aleppo. Er sei gerade durch die Stadt gefahren. Es habe Demonstrationen "an den üblichen Orten" gegeben. Vor allem sei die Stadt voller regierungstreuer Schabiha-Milizen. Berichte von Aktivisten, Teile der Stadt seien in Rebellenhand, seien Blödsinn. https://twitter.com/fadisalem

+++ Großbritannien erwägt Waffenlieferungen an die Rebellen +++

[13.44 Uhr] Nach dem Scheitern von Syrien-Sanktionen im Weltsicherheitsrat erwägt Großbritannien, das Assad-Regime auch ohne Uno-Mandat mehr unter Druck zu setzen. "Wir werden alle mehr außerhalb des Sicherheitsrates tun und unsere Unterstützung für die syrische Opposition forcieren", sagte der britische Außenminister William Hague dem Radiosender BBC 4. Dabei bezeichnete er selbst Waffenlieferungen an die Rebellen als Möglichkeit. Der Sicherheitsrat werde seiner Verantwortung nicht gerecht, indem er sich selbst blockiere.

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1. vorher nachher
lebenslang 20.07.2012
nach dem krieg ging es deutschland materiell gesehen auch schlechter als vor dem krieg - kein wirklich brauchbares argument wenn man die überwindung einer diktatur als geschehen aussen läßt, als sei da nichts gewesen. wichtig ist, dass demokratische basics gelegt wurden, die den weg in eine zukunft in freiheit und selbstbestimmung ermöglichen. was die libyer daraus machen wird man sehen.
2. ...
keyoz 20.07.2012
und nochmal: es heisst libyen. gaddhafis' libyen konnte sich nur auf grund seines ölreichtums und seiner geringen bevölkerungsdichte seine sozialen errungenschaften leisten. die raffinerien funktionieren zum grössten teil bereits wieder und die libyer haben liberal gewählt. warum alles immer schwarz sehen?
3.
kjartan75 20.07.2012
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEIn Syrien überschlagen sich die Ereignisse. Gerüchten aus Russland zufolge könnte Präsident Assad bald zurücktreten. Der Anschlag vom Mittwoch kostete ein weiteres hohes Regierungsmitglied das Leben. Der Flüchtlingsstrom hat dramatische Ausmaße angenommen. Verfolgen Sie das Geschehen im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,845482,00.html
Ich glaube, man sollte vorsichtig sein, wenn man den Syrienkonflikt in ein klassisches Gut-Böse-Schema einordnet. Assads Regime ist mörderisch, die Rebellen sind aber ebensowenig Heilige und Friedensstifter. Das Ausland sollte sich zurückhalten, wenn es darum geht sich auf eine Seite zu stellen. Die Syrer müssen ihren Weg selbst finden.
4. optional
chalchiuhtlicue 20.07.2012
Eine Schande ist das Verhalten der Russen, die im UN-Sicherheitsrat alles per Veto blockierten, was die Situation in Syrien für die Aufständischen hätte bessern können. Aber auch die Arabische Liga hätte viel mehr Druck auf die Herrscher in Damaskus machen müssen. Einfach nur traurig, wie die Weltpolitik hier versagt.
5. Ddr
seeheimer02 20.07.2012
Die DDR hatte auch kostenlose Bildung und Gesundheitssystem. Und ist doch nur Geschichte...
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Syriens Präsident Assad: Diktator in der Defensive

Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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