Fernsehduell der US-Vizes Kämpferischer Biden versucht die Trendwende

Angriffe und Gegenangriffe von Anfang an: US-Vizepräsident Joe Biden und Romney-Vize Paul Ryan haben sich im TV-Duell einen Schlagabtausch zu Streitthemen wie Terrorismus, Abtreibung und Steuerpolitik geliefert. Obamas Stellvertreter trat besonders kämpferisch auf. Das Minutenprotokoll zur Debatte.

REUTERS

Danville/Berlin - Diese Debatte hatte spürbar mehr Substanz und Feuer als das vorangegangene TV-Duell zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney - diese Einschätzung teilten Kommentatoren und Beobachter am Donnerstag einhellig, obwohl diesmal lediglich die Stellvertreter zum Schlagabtausch angetreten waren.

Doch knapp vier Wochen vor der Präsidentschaftswahl in den USA werden die Gelegenheiten zum öffentlichen Wahlkämpfen immer weniger, und so geriet das Rede-Duell zwischen den Vizepräsidentschaftskandidaten Joe Biden und Paul Ryan zu einem spannenden 90-Minuten-Wortgefecht. Terrorismus, Abtreibung und Steuerpolitik - die Rivalen wurden zu wichtigen innen- und außenpolitischen Themen befragt, schenkten sich gegenseitig nichts. Lesen Sie die Höhepunkte der Debatte im Minutenprotokoll nach.

+++ Zum Schluss die volle Dosis Eigenlob +++

[4.27 Uhr] Die Schlussstatements besiegeln die Debatte: Ryan gibt zunächst den flapsigen Kämpfer: "Wir Republikaner halten, was wir versprechen", sagt er. "Wir treten an, um die Probleme unseres Landes zu lösen". Biden demonstriert Demut. "Ich trete an, um mich voll und ganz der Mittelklasse zu widmen", sagt er. Die letzte Minute gehört allerdings seinem Rivalen Ryan - und der geht aufs Ganze: Er richtet seinen Blick in die Kamera und setzt zu einem Monolog an. Die Amerikaner hätten die Wahl, wiederholt er immer wieder mit weit aufgerissenen Augen. "Sie haben die Wahl - zwischen wachsender Armut und Arbeitslosigkeit - oder jemandem, der endlich Verantwortung übernimmt."

+++ Kontroverses Thema Abtreibung +++

[4.21 Uhr] Gegen Ende der Debatte bringt die Moderatorin ein "emotional extrem besetztes Thema" aufs Tapet: Schwangerschaftsabbrüche. Beide Kontrahenten sind gläubige Katholiken. Ryan gilt als radikaler Abtreibungsgegner, bekräftigt seine Haltung in der Debatte, erzählt von seinen persönlichen Erfahrungen als Vater und bringt legale Schwangerschaftsabbrüche indirekt mit der Ein-Kind-Politik in China in Verbindung. Biden wirbt für Differenzierung. "Ich respektiere die Haltung meiner Kirche", sagt er, "aber ich würde diese Haltung nicht jedem Menschen aufzwingen wollen. Frauen müssen das Recht haben, über ihren Körper entscheiden zu dürfen."

+++ Ryan für Truppenabzug aus Afghanistan +++

[4.18 Uhr] Seltene Einigkeit: Ryan sagt, er unterstütze Obamas Pläne, die US-Truppen 2014 aus Afghanistan abzuziehen. Sowohl Biden als auch Ryan bekräftigen, die USA müssten ihr militärisches Engagement am Hindukusch Schritt für Schritt zurückschrauben.

+++ Biden spricht etwas länger als Ryan +++

[4.12 Uhr] Der Vizepräsident antwortet ausführlicher auf die Fragen als Ryan, unterbricht häufiger. Bisher hat Biden 33 Minuten und 56 Sekunden gesprochen, Ryan 32 Minuten und 18 Sekunden.

+++ Republikaner spotten über Bidens Mimik +++

[4.04 Uhr] Biden nennt Ryan immer wieder altväterlich "mein Freund", grinst breit, wenn der Romney-Vize spricht - und riskiert damit, überheblich zu wirken. Seine Gegner bei Twitter versuchen das auszunutzen. "Ryan: ernsthaft, nüchtern, beständig. Biden: einfältig, spöttisch, unreif", schreibt etwa der republikanische Medienstratege und Berater Eric Fehrnstrom in einem Tweet. Der frühere Sprecher von George W. Bush. Ari Fleischer, wirft Biden vor, Ryan zu oft zu unterbrechen. "Biden riskiert, dass seine Lacher wirken wie Gores Seufzer", notiert Fleischer mit Bezug auf eine berühmte TV-Debatte von 2000, in der Bush bei den Fernsehzuschauern höhere Sympathiewerte erreichte als der spätere Wahlverlierer Al Gore.

+++ Biden aggressiv, Ryan hämisch +++

[3.47 Uhr] Schwierig zu sagen, welcher der beiden Kontrahenten nach etwa der Hälfte des Duells vorne liegt. Echte Fehltritte hat sich bislang keiner der beiden geleistet. Die Mimik der Rivalen spricht Bände - Ryan lehnt sich mit leicht mitleidigem Grinsen zurück, wenn Biden spricht. Der wiederum lacht breit und laut, bei jeder Gelegenheit. Wir Demokraten haben das Heft in der Hand, soll das wohl ausstrahlen. Doch man merkt Biden an, dass er Obamas schwache Performance von vergangener Woche wieder wettmachen will: Punktuell ist er ungewohnt aggressiv, will die Steuerpolitik des republikanischen Teams als "Feind der Mittelschicht" in Grund und Boden reden. Ryan bleibt bei demonstrativer Überlegenheit: "Wir wollen nur die Wirtschaft ankurbeln und Jobs schaffen".

+++ Ätzen beim Arbeitsmarkt +++

[3.32 Uhr] Beim Thema Arbeitslosigkeit reden sich beide Kontrahenten endgültig in Fahrt: "Der Vizepräsident weiß, dass seine Worte manchmal unbedacht aus seinem Mund kommen", lästert Republikaner Ryan über Demokrat Biden und erntet Publikumslacher - Obamas Stellvertreter ist berüchtigt für seine verbalen Patzer. Biden spart nicht mit Spott über die geplanten Arbeitsmarktreformen von Mitt Romney. "Hören Sie auf, darüber zu schwadronieren, wie sehr Sie sich um das amerikanische Volk sorgen. Sie haben doch nicht mal ein richtiges Konzept in der Tasche."

+++ Biden warnt vor Hysterie im Nahost-Konflikt +++

[3.23 Uhr] Libyen, Irak, Iran: Die ersten 20 Minuten im Fernsehduell stehen im Zeichen der Außenpolitik. "Was ist schlimmer: Ein neuer Krieg im Nahen Osten oder ein nuklear bewaffnetes Land Iran?", fragt Moderatorin Raddatz. Während Ryan in der Aufrüstung von Iran die größte Gefahr im Nahen Osten sieht, wirbt Biden für Vernunft und warnt vor überstürzten Schritten. Iran sei noch ein gutes Stück vom Atomwaffenbesitz entfernt. "Wir müssen uns alle ein Stück beruhigen", sagt er, "Krieg sollte immer die letzte Option sein."

+++ "Was für ein Schwachsinn" +++

[3.06 Uhr] Romneys Stellvertreter verliert keine Zeit, geht unmittelbar auf Angriff. Er erklärt die Außenpolitik von US-Präsident Obama für gescheitert - der Demokrat verharmlose Sicherheitslücken, so der Republikaner. Zum tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Libyen sagt Ryan: "Wenn wir von Terroristen angegriffen werden, müssen wir es nennen, wie es ist: Eine Attacke von Terroristen." Biden kontert, die diplomatischen Beziehungen hätten sich in Obamas Amtszeit massiv verbessert. "Kein einziges Wort, das Sie sagen, ist wahr", wirft er Ryan an den Kopf. "Was ein Haufen Schwachsinn."

+++ Das Duell beginnt +++

[3.02 Uhr] Die TV-Debatte startet, beide Kontrahenten betreten das Fernsehstudio, schütteln sich staatsmännisch die Hand. Das Los hat entschieden, dass Obamas Vize Joe Biden die erste Frage beantworten wird. "Es ist eine Ehre, Sie beide hier zu haben", sagt Moderatorin Martha Raddatz zur Begrüßung.

+++ Im Vorfeld der Debatte +++

Nach der Debatten-Schlappe von Präsident Barack Obama steht ein weiteres Rededuell im US-Wahlkampf an: Seit 3.00 Uhr MEZ treffen Vize-Präsident Joe Biden und der republikanische Vize-Kandidat Paul Ryan zusammen. Die Redeschlacht steht ganz im Zeichen steigender Umfragewerte für den Obama-Herausforderer Mitt Romney. US-Kommentatoren erwarten einen harten Schlagabtausch. Insgesamt 90 Minuten werden beide Rede-Duellanten aufeinander treffen. Im Zentrum der der Debatte werden die hohe Arbeitslosigkeit, die schlechte Konjunktur und die hohen amerikanischen Schulden stehen.

Die Kontrahenten könnten unterschiedlicher kaum sein: Biden ist 69 Jahre alt, gehört seit 36 Jahren dem Senat an und gibt sich gerne als Anwalt der kleinen Leute. Ryan ist lediglich 42 Jahre alt, ist aber bereits seit 14 Jahre Kongressabgeordneter und gilt als Liebling der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung. Er hat sich bisher vor allem durch knallharte Sparpläne profiliert, die heftige soziale Einschnitte vorsehen. Biden hat allerdings den Ruf eines rhetorischen Hitzkopfes, der immer wieder über das Ziel hinausschießt und Obama mit Patzern in Bedrängnis bringt. Ryan wiederum gilt als begabter Redner und "Einpeitscher".

amz/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
linoberlin 12.10.2012
1. optional
Starker Auftritt, Herr Biden!
martin-gott@gmx.de 12.10.2012
2. etwas zurück denken
Zitat von sysopREUTERSEs sind noch knapp vier Wochen bis zur US-Wahl - nun treffen die Stellvertreter von US-Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney im TV-Duell aufeinander. Die Kontrahenten Joe Biden und Paul Ryan könnten unterschiedlicher kaum sein. Verfolgen Sie die Debatte im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/liveticker-zum-tv-duell-paul-ryan-gegen-joe-biden-a-860854.html
die Republikaner tragen die Hauptverantwortung dafür wie es den USA heute geht. Wenn man überlegt in welchen Zustand sie das Land von Clinton übernommen haben und wie sie es an Obama übergeben haben denn kann man nur sagen das sie nicht regieren können.
Peet89 12.10.2012
3. .
Zitat von sysopREUTERSEs sind noch knapp vier Wochen bis zur US-Wahl - nun treffen die Stellvertreter von US-Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney im TV-Duell aufeinander. Die Kontrahenten Joe Biden und Paul Ryan könnten unterschiedlicher kaum sein. Verfolgen Sie die Debatte im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/liveticker-zum-tv-duell-paul-ryan-gegen-joe-biden-a-860854.html
Ich weiß gar nicht, wieso man diese Republikaner überhaupt noch ernst nehmen kann, nach allem was diese sich in acht Jahren Regierung und vier Jahren völliger Blockade alles geleistet haben...Ganz abgesehen vom bisherigen Wahlkampf, wo noch ein gutes Stück draufgelegt wurde...Aber wer das meiste Geld im Koffer hat, kann damit seine Spuren gut vermischen - ich bin auf das zweite Duell von Obama und Romney gespannt und hoffe einfach auf das kleinere Übel im November; Obama.
hussain 12.10.2012
4.
Zitat von sysopREUTERSEs sind noch knapp vier Wochen bis zur US-Wahl - nun treffen die Stellvertreter von US-Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney im TV-Duell aufeinander. Die Kontrahenten Joe Biden und Paul Ryan könnten unterschiedlicher kaum sein. Verfolgen Sie die Debatte im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/liveticker-zum-tv-duell-paul-ryan-gegen-joe-biden-a-860854.html
ich nehme an der schreiber hier hat eine andere debate gesehen. Biden war staendig auf defense, unterbrechungen, rude, luegen. Obama got NO record to run on.....
pauerkraut 12.10.2012
5. Offenere Schladabtausch
wobei Biden zu aufgegesetzt und damit ueberheblich wirkte. Er unterbrach Ryan zu oft und zu ungestuem und unterminierte sein Amt als VP dieser Nation. Der lauteste Arguentiere hat nicht unbdingt die besten Argumente...Die Moderatorin hatte Muehe diese Debatte fair duchzufuehren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.