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Logbuch al-Qaida: Bin Ladens Truppen beklagen Blackout im Cyber-Space

Von Yassin Musharbash

Der "Medienminister" des "Islamischen Staates Irak" hat sich über die "Angriffe der Kreuzfahrer" auf dschihadistische Internetmedien beschwert. Nicht ohne Grund: Seit über einem Monat funktioniert kaum noch eine Terror-Webseite - die Propaganda kommt nicht mehr durch.

Normalerweise würde man über dieses Communiqué der irakischen Qaida-Filiale nicht berichten. Schon dass die Truppe im April überhaupt ein "Kabinett" für ihr Phantasie-Land namens "Islamischer Staat Irak" (ISI) benannte, war ein einziger Propaganda-Akt mit wenig praktischer Bedeutung. Warum also sollte man sich mit einer Erklärung des "Medienministers" befassen?

Der Medienminister beklagt sich: Die Propaganda klemmt

Der Medienminister beklagt sich: Die Propaganda klemmt

Nun, heute ist das etwas anderes. Denn der "Minister" beschwert sich über die "Angriffe der Kreuzfahrer" auf das dschihadistische Internet. Er gesteht damit im Prinzip ein, dass der seit nunmehr fast zwei Monaten andauernde Blackout im dschihadistischen Cyber-Space die Terroristen zu nerven beginnt. Die Zugriffszahlen auf ihr Terrormaterial sinken, die Propaganda stockt.

Der Hintergrund des Ganzen: In den USA haben sich im Juli einige Internet-Aktivisten zusammengetan, um Terror-Websites aus dem Netz zu verbannen. Sie schrieben massenhaft an die Provider und Hoster dieser Seiten, sofern es sich um amerikanische Unternehmen handelte.

Bislang größter Blackout

Mit einigem Erfolg: Etliche der eher zentralen dschihadistischen Internetforen sind seitdem offline. Etwas despektierlich hatte ich im August noch von einem "Großangriffchen" geschrieben. Aber mittlerweile hat sich das Ganze per Domino-System zu einem ernsthaften Problem für al-Qaida und Co. ausgewachsen. Es ist deutlich schwieriger geworden, Bekennerschreiben, Terrorvideos und Ansprachen von Dschihad-Führern zu finden.

Der "Medienminister" des ISI erinnert in seinem Communiqué daran, dass es so etwas "schon in der Vergangenheit gegeben" habe und man sich nicht einschüchtern lassen dürfe. Tatsächlich jedoch hat es einen Blackout dieses Ausmaßes noch nicht gegeben, seit al-Qaida das Internet für sich entdeckt hat.

Hat al-Qaida doch nicht genügend Webmaster?

Man kann den Beitrag des "Ministers" aber ohnehin besser verstehen, wenn man ihn als eine in Lob verpackte Aufstachelung liest, als Aufforderung an die Cyber-Aktivisten, sich ein bisschen mehr anzustrengen. "Tag und Nacht" säßen die Brüder der elektronischen Front schließlich an ihren Rechnern! Und die Betreiber der dschihadistischen Internetforen - "Gott beschützt sie!" - seien doch das Bindeglied zwischen den Mudschahidin und den anderen Muslimen! Eure Medienarbeit, Brüder, treibt uns auf dem Feld doch erst so richtig an!

Es wird sich zeigen, ob und wie die Brüder reagieren. Im Moment drängeln sich in den wenigen noch funktionierenden Foren die ratlosen Nutzer und posten Fragen nach dem Motto: Wohin ist diese Seite umgezogen? Warum geht jene nicht mehr? Was ist aus meinem Lieblingsforum geworden?

Alle Versuche, neue Foren zu etablieren, verliefen bis dato eher schleppend und waren wenig nachhaltig. Man könnte schon fast den Eindruck bekommen, dass es doch nicht so viele kompetente Webmaster und Administratoren in der Sympathisantenszene von al-Qaida und Co. gibt wie befürchtet. Das wäre in der Tat eine interessante Erkenntnis aus dem Blackout.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
Eimsbüttler 23.09.2007
Zitat von sysopDer "Medienminister" des "Islamischen Staates Irak" hat sich über die "Angriffe der Kreuzfahrer" auf dschihadistische Internetmedien beschwert. Nicht ohne Grund: Seit über einem Monat funktioniert kaum noch eine Terror-Webseite - die Propaganda kommt nicht mehr durch. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,506744,00.html
na also, klappt doch auch ohne das Durchschnüffeln unserer Festplatten!
2. Behördenunfähigkeit und -grössenwahn
descartes101, 23.09.2007
Zitat von Eimsbüttlerna also, klappt doch auch ohne das Durchschnüffeln unserer Festplatten!
Ist ja auch privat organisiert. Der Schäuble könnte mit hundert Änderungen im Grundgesetz plus Terroristendatenbank keinen vergleichbaren (wahrscheinlich sogar überhaupt keinen) Erfolg vorweisen.
3.
Andre232 23.09.2007
Köstlich ! Das nenne ich doch mal eine gelungene, konstruktive Anti-Terror Aktion in einem schon fast "ghandischen" Sinne und ganz ohne martialisches Säbelrasseln und propagandistisches Motto (Enduring Freedom)oder "Krieg gegen den (Terror)Krieg" (was immer das im 21.Jh. als ernstzunehmende Reaktion sein soll).... Schätze die Aktivisten haben auf ihre Weise mehr erreicht als manch im Irak verzweifelnd herumballerndes US-Batallion :).
4.
ossi_aktuell 23.09.2007
Diese Nachricht zeigt, daß es also funktionieren kann, die islamistische Propaganda im Internet wirksam zu unterdrücken. Voraussetzung dafür ist der Willen dazu! Alle möglichen Bedenkenträger dagegen werden Lügen gestraft. Aber vielleicht empfehlen diese den Islamisten nun, aus datenschutzrechtlichen Gründen zu klagen, um weiterhin ungestört hetzen zu können?
5.
Eimsbüttler 23.09.2007
Zitat von descartes101Ist ja auch privat organisiert. Der Schäuble könnte mit hundert Änderungen im Grundgesetz plus Terroristendatenbank keinen vergleichbaren (wahrscheinlich sogar überhaupt keinen) Erfolg vorweisen.
Die Datenbank gibt's ja bereits - Effekt gleich null
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