Logbuch al-Qaida Sawahiri preist Selbstmordattentäter aus Bayern

In seiner neuesten Botschaft ruft al-Qaidas Nummer Zwei Aiman al-Sawahiri die Türken auf, sich dem militanten Dschihad anzuschließen. Als Vorbild soll unter anderem ein Deutsch-Türke dienen, der in Afghanistan vier Menschen tötete.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Am 3. März 2008 sprengte sich in der afghanischen Stadt Khost vor einem Armee-Camp ein Selbstmordattentäter in die Luft. Er tötete zwei Afghanen und zwei US-Soldaten. Sein Kampfname war Saad Ebu Furkan, sein Geburtsname lautete Cüneyt Ciftci. Letzter Wohnort, bevor sich der zum Zeitpunkt seines Todes 28-jährige Türke im April 2007 an den Hindukush absetzte: Ansbach in Bayern.

Ciftci starb im Namen der Islamischen Dschihad-Union (IJU), die auch die Sauerland-Gruppe ausbildete und mit der Planung von Anschlägen beauftragte. Er war der erste und ist bislang der einzige Selbstmordattentäter, der aus Deutschland kam.

Heute, zweieinhalb Jahre nach dem Anschlag von Khost, veröffentlichte Aiman al-Sawahiri, die Nummer Zwei des Terrornetzwerks al-Qaida, eine neue Propaganda-Botschaft. So wie er es alle paar Wochen oder Monate tut, zuletzt am 19. Juli. Sawahiris Ansprachen sind oft sehr redundant und meistens eher langatmig und -weilig. Das war heute nicht viel anders: Er schwadronierte darüber, dass die Türkei von heute sich doch lieber wieder verhalten sollte wie das Osmanische Reich von einst und die Muslime gegen die Kreuzfahrer verteidigen möge, anstatt sie anzugreifen oder den Ungläubigen auszuliefern.

Es ist nicht der erste Aufruf al-Qaidas an die Türken, sich bittesehr mehr am militanten Dschihad zu beteiligen; eine gewisse Frustration ist durchaus vernehmbar. Am deutlichsten war dies bei al-Qaidas mittlerweile getöteten Schatzmeister Mustafa Abu al-Yazid zu spüren, der sich über die Passivität der Türken regelrecht beschwerte.

Mangelt es al-Qaida an Türken?

Kein Wunder also, dass Aiman al-Sawahiri sich besonders viel Mühe gibt. Und die Qaida-Propagandisten, die seine Tonbänder zu Videos aufpeppen, indem die die Tonspur mit Bildern unterlegen, haben sich offenbar gedacht, es schadet sicher nicht, wenn wir ein paar Beispiele einblenden.

Hier nun kommt Cüneyt Ciftci alias Saad Ebu Furkan ins Spiel. Denn unter anderem wird er als Vorbild eingeblendet. (Oder ganz genau: Der von al-Qaida eingeblendete Kämpfer ist auf jeden Fall ein IJU-Mann mit dem Namen Saad Ebu Furkan, und ein Fotovergleich legt extrem nahe, dass dieser Saad Ebu Furkan auch wirklich Cüneyt Ciftci ist; siehe Bildergalerie). Dieser Vorgang ist insofern interessant, als Terrorgruppen nur sehr selten die "Märtyrer" anderer Gruppen preisen. Zwar kooperieren al-Qaida und die IJU offenbar lose miteinander. Aber sie nehmen praktisch nie Bezug aufeinander.

Es ist eigentlich sogar verwunderlich, dass die Qaida-Propagandisten Saad Ebu Furkan kennen. Aber vielleicht hat al-Qaida selbst nicht genug türkische "Märtyrer" in den eigenen Reihen, um Eindruck zu schinden, und so hat man sich bei der IJU ein paar geborgt. Die IJU ist, ebenso wie die gleichfalls im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aktiven Islamische Bewegung Usbekistan und die Taifatul Mansura, als turksprachige Gruppierung für Türken vermutlich attraktiver. Das könnte den Mangel bei al-Qaida erklären - und zugleich, wieso ein Deutsch-Türke von der IJU über zwei Jahre nach seinem Tod in einer Sawahiri-Botschaft auftaucht.

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Kugelsicher, 16.08.2010
1. Sawahiri beruft sich auf einen IJU Mann? Bitte?
Moment mal... die Qaida Nummer 2 beruft sich auf einen IJU Mann?? Wo doch jeder weiß, dass die IJU ein Konstrukt der Geheimdienste ist. Das sollte der feine Herr Sawahiri doch eigentlich wissen. Ich gehöre wirklich nicht zu den Hardcore Verschwörungstheoretiker, aber das stinkt doch wirklich. Bisher habe ich zumindest die al-Qaida für "echt" gehalten, aber nach diesem Video bekomme ich dabei langsam meine Zweifel. Die IJU ist nun mal nachweislich eine Erfindung der GD, hier nachzulesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Dschihad-Union Wenn man dann noch weiß, dass zB. der pakistanische GD mit der CIA Hand in Hand arbeitet, ja quasi von ihr gesteuert wird, und genau dieser massiv die Taliban unterstützt, sich dann noch vor Augen hält, in wievielen unzähligen s.g. "Terroranschlägen" die GD ihre dreckigen Finger in Wahrheit im Spiel hatten, (ich sage nur Aldo Moro und Gladio, die ersten Waffen der RAF kamen vom Verfassungsschutz, Sauerlandzelle etc. pp) fragt man sich doch, ob nicht sogar die ganze Qaida ein Konstrukt der Mächtigen bzw. ihrer GD ist?! Die Qaida, die doch als super vorsichtig und misstrauisch gilt, hat keine Berührungsängste mit einer von den GD erfundenen Terrorgruppe?? Das sollte einem doch nun wirklich zu denken geben. Wenn man sich dann noch die Verbindungen der Familie Bin Laden mit den Amis vor Augen hält, so wie es Michael Moore in seinem Film dargelegt hat, kann man sich schon fragen, ob nicht die Qaida bzw. Teile des islamischen Terrors eine massiv von den GD geförderte Aktion ist, die sicher mehrere Interessen vereint, aber sicher auch ein weiteres Schreckgespenst bzw. Legitimation für so manches nach Wegfall des kalten Krieges ist.
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