Tokio - Taiga Ishikawa hat zwar nur einen Sitz in einer Bezirksversammlung von Tokio errungen, doch er wird schon in US-Klatschblogs bejubelt. Er ist der erste japanische Politiker, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt und eine Wahl gewonnen hat. Es ist ein wichtiges Signal, findet Ishikawa.
Er hoffe, dass sein Wahlsieg anderen Hoffnung für die Zukunft gebe: "Viele können sich nicht akzeptieren, sie fühlen sich einsam und isoliert und begehen sogar Selbstmord", sagte er der Agentur AFP. In einem Interview mit der "Japan Times" hatte er vor einigen Wochen erklärt, ein Coming-Out sei in Japan noch immer nicht leicht. Die Gesellschaft setzte Heterosexualität voraus, so Ishikawa. "Schwule werden als sonderbar wahrgenommen, aber ich glaube, die Gesellschaft ist sonderbar."
Mit seinem jetzigen Erfolg will der 36-Jährige die Rechte Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen in seinem Heimatland stärken. "Viele werden sich ihrer Sexualität bewusst, wenn sie noch in der Grundschule oder der Mittelstufe sind. Als Mitglied der Bezirksversammlung möchte ich mich dafür einsetzen, dass sie an den Schulen unterstützt werden." So sollen Lehrer und Betreuer besser ausgebildet werden.
"Wo ist mein Freund?"
Bereits vor seinem Wahlsieg hatte er angekündigt, sich dafür einzusetzen, dass unverheiratete Paare - auch gleichgeschlechtliche Paare - gleiche Rechte wie verheiratete erhalten sollten.
Ishikawa ist seit 2002 in Japan bekannt, als er ein autobiografisches Buch veröffentlichte und für Aufsehen sorgte. "Boku No Kareshi Wa Doko Ni Iru", lautete der Titel, "Wo ist mein Freund?" Viele Leser hätten ihm erzählt, sie fühlten sich einsam, und ihre Situation sei der in dem Buch beschriebenen sehr ähnlich, erklärt Ishikawa gegenüber AFP. "Also fing ich an, Veranstaltungen ins Leben zu rufen, um sich untereinander auszutauschen." Er gründete die gemeinnützige Organisation "Peer Friends", die in Städten in ganz Japan Treffen für junge Schwule organisiert.
Seit Februar 2010 arbeitete Ishikawa als Assistent für Mizuho Fukushima, den Chef der Sozialdemokratischen Partei, einer kleinen Oppositionsgruppe. Dann ließ er sich als Kandidat für die Lokalwahlen am Sonntag aufstellen - und gewann.
Die regierende Demokratischen Partei Japans von Regierungschef Naoto Kan dagegen verlor - viele Japaner sind offenbar mit dem Krisenmanagement der Regierung nach dem Erdbeben, dem Tsunami und der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima unzufrieden. Kan will nun Konsequenzen aus dem Reaktordesaster ziehen - doch gerade wurde bekannt, dass die Wirtschaft des Landes stärker gelitten hat als erwartet. Die Industrieproduktion ging im März um 15,3 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück, erklärte die Regierung am Donnerstag. Kan sagte, die Niederlagen müssten ernst genommen werden. Ishikawa dagegen will seinen Sieg nutzen.
kgp
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