Terror in London Das ist Mays Vier-Punkte-Plan

Es ist der dritte Anschlag in drei Monaten: Die Terrorattacke von London erschüttert Großbritannien. "Genug ist genug", sagt Premierministerin May - und antwortet mit vier Maßnahmen.

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Der schnelle Überblick
    • Auf der London Bridge sind am Samstagabend drei Attentäter mit einem Transporter in eine Menschengruppe gefahren. Danach liefen sie zum nahe gelegenen Borough Market weiter. Dort griffen sie Menschen in Bars und Restaurants an.
  • • Bewaffnete Polizisten erschossen im Borough Market drei Attentäter. Die Angreifer hatten zuvor sieben Menschen getötet, mindestens 48 wurden verletzt, darunter zwei Deutsche.
• Premierministerin Theresa May spricht von islamistischem Terror. Das britische Antiterrorkommando hat die Ermittlungen übernommen. Die Fakten im Überblick.

"Genug ist genug", sagte die britische Premierministerin Theresa May, als sie am Sonntagvormittag vor die Presse trat. Der Anschlag am Samstagabend in London sei nach Manchester und Westminster der dritte islamistische Angriff, der Großbritannien seit März getroffen habe.

Die Regierung werde darauf mit einem Vier-Punkte-Plan reagieren, sagte May nach einer Krisensitzung des höchsten britischen Sicherheitsgremiums in London.

Erstens: Man müsse den islamistischen Extremismus, diese "Perversion des Islam und der Wahrheit", besiegen - aber nicht durch militärische Einsätze allein. Das könne nur gelingen, wenn man es schaffe, auch die Gedanken der Menschen von dieser Ideologie abzubringen. Wie das genau geschehen solle, sagte May nicht.

Zweitens: Die Islamisten fänden zu viele "Rückzugsorte" im Internet, auch wegen "großer Firmen", die Internetdienstleistungen anböten. Gemeinsam mit verbündeten demokratischen Regierungen wolle man den Kampf gegen diese Ideologie auch online verschärfen.

Drittens: Die Militäreinsätze in Syrien und dem Irak gegen die Terrormiliz IS sollen laut May weitergeführt werden. Doch es gebe auch "viel zu viel Toleranz für Extremismus in unserem Land". Diesen müssen man in der Gesellschaft und im öffentlichen Sektor konsequenter identifizieren und ausmerzen. "Das wird schwieriger und oft unangenehmer Gespräche bedürfen."

Briten dürften nicht länger in verschiedene Gruppen nebeneinanderher leben, sondern müssten zu einem "wahrhaft vereinten Königreich" zusammenwachsen, sagte May. Konkreter wurde die Regierungschefin auch in diesem Punkt allerdings nicht.

Viertens: Die Terrorabwehr der Sicherheitskräfte und der Polizei solle überdacht werden, sagte May. Außerdem müssten die Freiheitsstrafen für islamistischen Extremismus erhöht werden.

Die drei Anschläge der vergangenen Wochen seien "nicht verbunden durch ein gemeinsames Netzwerk", wohl aber durch eine gemeinsame Ideologie, sagte die Premierministerin.

Wer hinter der Attacke vom Samstagabend steckt, sagte sie nicht (alle Fakten hier im Überblick). May bestätigte lediglich, dass rund um die London Bridge und den Borough Market sieben Menschen ums Leben kamen und drei Angreifer von Polizisten erschossen wurden.

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Terroranschlag: Großeinsatz in der Londoner Innenstadt

48 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, nachdem ein weißer Transporter um kurz nach zehn Uhr abends auf der London Bridge in Fußgänger gefahren war. Danach fuhren die Attentäter weiter in Richtung Borough Market. Dort attackierten sie Menschen in Bars und Restaurants mit Messern.

Die Angreifer seien acht Minuten nach dem ersten Notruf von Polizisten getötet worden, bestätigte May. Sie dankte der Polizei für ihre Tapferkeit.

Zu den Spekulationen, ob am Donnerstag wie geplant ein neues Parlament gewählt werden könne, äußerte sich May klar: "Die Wahl findet wie geplant statt."

lov/dpa

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eagle2014 04.06.2017
1. Plan?
Klingt eher alles genauso planlos wie bei uns..
monro 04.06.2017
2. Typisch May
Unkonkret bis zum letzten Satz. Sie hat während ihrer Zeit als Innenministerin die Polizei dezimiert und die Ausführung des Anti-Terror-Gesetztes verschleppt. Bomben im Irak, Syrien, Libyen etc ohne nachfolgende Hilfe beim Aufbau eines friedlichen Staatssystem haben verheerende Folgen wie man sieht. Einfallen ohne anschließen aufzuräumen. Waffenhandel mit dem mittleren Osten. Das alles ist Wasser auf die Mühlen des Terrors. Mein Beileid gilt den Angehörigen der Opfer. London ist stark, London ist stur.
mcpoel 04.06.2017
3. Konsequenzen
GB ist jetzt schon bestes Beispiel für Big Brother Land: Kameras überall, kleine schwarze Kameras auf Ampeln und Laternenpfosten lesen Kennzeichen vorbeifahrender Fahrzeuge- ohne Verdacht oder Anlaß, gespeichert für 2 Jahre, Vorratsdatenspeicherung im Internet gibt es auch. All das hat nichts verhindert. Nun will sie das Internet mehr überwachen? Viel Glück! Recht hat sie aber mit der Integration: Es gibt viele Parallelgesellschaften in GB, viele sprechen nicht einmal richtig Englisch. Da sollte man anfangen. Leider aber spricht sie auch von "britischen Werten", nicht von europäischen oder demokratischen. Nicht sehr glaubwürdig.
rambazamba1968 04.06.2017
4. Alle Punkte zeigen ihre Inkompetenz
aber bei Punkt 4 musste ich fast lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Die Attentäter von gestern sind tot und der von Manchester hat sich in die Luft gesprengt. Die Leute länger in den Knast zu stecken ist genauso unwirksam wie nach mehr Polizei zu schreien, wie hier in Deutschland. Kluge Konzepte sind langfristige. Es kann nicht sein, dass Leute in unseren Gesellschaften aufwachsen und sich radikalisieren. Bessere Bildungschancen, soziale Gerechtigkeit und gerechte Löhne usw. bringen mehr Erfolg als jede einzelene Kamera auf öffentlichen Plätzen.
orage 04.06.2017
5. Unglaubwürdig ist May
und der 4-Punkte-Plan ist schwach und viel zu wenig spezifisch. Und überhaupt: Wie kann man, nachdem man zuvor gegen den Brexit war, sich plötzlich dafür stark machen? Und warum wurde die Terrorwarnstufe kurz nach der letzten Attacke wieder zurückgesetzt? Möglicherweise wären die Anschläge von gestern verhindert worden. Wie kann man so jemanden wählen?
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