Politik

Anschlag auf Londoner Moschee

"Dieser Hass wird sich nicht durchsetzen"

Erneut muss Theresa May zu einem Angriff in London Stellung nehmen: Ein Lieferwagen raste nahe einer Moschee in eine Menschenmenge. Die umstrittene Premierministerin bemüht sich um eine versöhnliche Botschaft.

Montag, 19.06.2017   16:25 Uhr

Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat den Angriff auf Muslime in London verurteilt. Es sei der zweite Terroranschlag in der britischen Hauptstadt binnen eines Monats - und er sei genauso widerwärtig wie die vorherigen.

Der Terroranschlag sei ein kranker Versuch, die Freiheiten zu zerstören, die Großbritannien einten, so May. Das Land werde sich durch die Tat aber nicht spalten lassen. "Hass und Böses dieser Art werden sich nicht durchsetzen."

Londons Bürgermeister Sadiq Khan hatte zuvor bereits von einem "fürchterlichen Anschlag auf gemeinsame Werte" gesprochen. Nach Angaben der Polizei war ein Lieferwagen in der Nacht zu Montag in eine Menschenmenge in der Nähe einer Moschee im Londoner Stadtteil Finsbury Park gefahren.

Zehn Menschen wurden verletzt, ein Mann kam ums Leben. Allerdings war zunächst unklar, ob er an den Folgen des Angriffs starb - nach Angaben der Polizei brauchte er schon vorher Erste Hilfe. "Es ist zu früh zu sagen, ob der Tod auf die Attacke zurückzuführen ist", sagte Neil Basu, Sprecher von Scotland Yard.

Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Die Polizei geht derzeit davon aus, dass der 48-Jährige alleine handelte. Er werde auf seine geistige Zurechnungsfähigkeit hin untersucht, teilte die Polizei mit. Man habe keine Waffen wie etwa Messer bei dem Fahrer des Lastwagens gefunden. Es handele sich um einen "Anschlag auf alle Londoner", sagte Neil Basu von Scotland Yard.

DPA

Premierministerin Theresa May

Ziel des Angriffs seien erneut unschuldige Menschen gewesen, so May. Die Attacke erinnere daran, dass "Terrorismus, Extremismus und Hass viele Formen annehmen", sagte die Premierministerin. "Unsere Entschlossenheit, sie zu bekämpfen, muss dieselbe sein, wer auch immer verantwortlich ist."

Die kompletten Details seien noch nicht bekannt, "aber das war klar ein gezielter Angriff auf unschuldige Londoner, von denen viele gerade die Gebete während des heiligen Monats Ramadanbeendeten", schrieb auch Bürgermeister Khan. Seine "Gedanken und Gebete" seien bei allen Betroffenen.

Nach Angaben des Britischen Rats der Muslime ereignete sich der Vorfall vor einem muslimischen Gemeinschaftshaus in der Nähe einer Moschee im Stadtteil Finsbury Park - nicht direkt vor der Moschee, wie es der Rat zunächst mitgeteilt hatte. "Da kam dieser große Lieferwagen angefahren und raste in uns rein", berichtete ein Zeuge, Abdulram Saleh Alamoudi, im Gespräch mit "BuzzFeed News". "Der Fahrer schrie 'Ich werde alle Muslime töten'".

Die Organisation forderte Polizeischutz für Moscheen. Die Behörden müssten nicht nur den aktuellen Vorfall aufklären, sondern auch etwas gegen die "in höchstem Maße beunruhigende Zunahme des Islamhasses" tun. Die Polizei hatte zuvor mitgeteilt, dass Anti-Terror-Spezialisten die Ermittlungen übernommen hätten.

"Von den Augenzeugenberichten her scheint es, als wäre der Täter von Islamhass motiviert gewesen", schrieb der Rat am frühen Montagmorgen auf Twitter. Muslime hätten in den vergangenen Wochen und Monaten oft Islamhass erleben müssen, der nächtliche Vorfall nahe einem muslimischen Gemeinschaftshaus sei dessen "gewalttätigste Manifestation" bislang.

Der Fahrer soll Augenzeugen zufolge gerufen haben: "Ich habe meinen Teil getan". Das berichtete Toufik Kacimi, der Leiter des Gebetshauses, vor dem der Zwischenfall passierte, im britischen Sender Sky News. Der Imam der benachbarten Moschee haben den 48-Jährigen vor einem wütenden Mob Umstehender geschützt, nachdem er den Lieferwagen verlassen hatte. "Menschen hielten ihn fest und begannen, ihn zu schlagen. Unser Imam Mohammed Mahmoud kam hinzu und rettete ihn, rettete quasi sein Leben", sagte er Sky News.

Am 3. Juni hatten auf der London Bridge und am Borough Market drei islamistische Terroristen mindestens acht Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Die Täter wurden kurz darauf von Polizisten erschossen.

als/brk/dpa/Reuters

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