Anti-Terror-Einheit ermittelt Russischer Exilant in London tot aufgefunden

Mysteriöser Todesfall: In London ist ein russischer Exilant tot aufgefunden worden. Es gebe keine Hinweise auf eine Verbindung zum Fall Skripal, heißt es. Die Todesursache des Mannes ist ungeklärt.

Haus des toten Russen in London
AP

Haus des toten Russen in London


In London ist ein russischer Exilant tot aufgefunden worden. Bei dem Mann handele es sich um einen früheren Geschäftspartner des russischen Milliardärs, einstigen Putin-Förderers und späteren Putin-Widersachers Boris Beresowski, der seinerseits 2013 nahe London tot aufgefunden worden war. Das berichteten britische und russische Medien.

Die britische Anti-Terror-Polizei leitete nach eigenen Angaben eine Untersuchung zu dem neuerlichen Todesfall ein. Britische Medien gaben den Namen des Toten mit Nikolai Gluschkow an.

Die Moskauer Tageszeitung "Kommersant" berichtet unter Berufung auf Angehörige Gluschkows, der 69-Jährige sei am Montagabend von seiner Tochter Natalija gefunden worden. Den Angehörigen zufolge "waren am Hals Gluschkows Spuren einer Strangulierung zu erkennen", schreibt der "Kommersant". Ob es sich um Mord oder Selbstmord handele, sei derzeit unklar.

Ein Sprecher der britischen Anti-Terror-Polizei sagte, eine Untersuchung sei eingeleitet worden "wegen der Verbindungen, die der Mann gehabt haben soll". Zur Todesursache wollte er sich nicht äußern, der Fall werde als "ungeklärt" eingestuft. Der Sprecher betonte, es gebe "keine Hinweise auf eine Verbindung zu dem Vorfall in Salisbury".

Gluschkow entstammt nicht den russischen Geheimdiensten

In Salisbury, einer Stadt südwestlich von London, war am 4. März der ehemalige russische Geheimdienstler Sergej Skripal mit Verdacht auf Vergiftung aufgefunden worden. Offenbar war er Opfer eines Anschlags mit dem Nervengift Nowitschok geworden. Die Beziehung zwischen Russland und Großbritannien ist deshalb aktuell sehr angespannt.

Die britische Regierung macht Moskau verantwortlich, hat Russland ein Ultimatum für eine Erklärung gesetzt und könnte anschließend gegen Moskau vorgehen. Moskau wiederum bestreitet die Vorwürfe und droht London mit Gegenmaßnahmen. Der Fall Skripal weckt Erinnerungen an die Ermordung des ehemaligen russischen Geheimdienstlers Alexander Litwinenko - er war 2007 mit radioaktivem Polonium vergiftet worden.

Anders als Litwinenko und Skripal entstammt der nun tot aufgefundene Gluschkow allerdings nicht den russischen Geheimdiensten. Gluschkow gehörte in den Neunzigerjahren zur Mannschaft des Oligarchen Boris Beresowski. Der promovierte Mathematiker Beresowski war damals binnen weniger Jahre vom Universitätsdozenten zum reichsten Mann des Landes aufgestiegen. 1999 half Beresowski, Wladimir Putin als Ministerpräsident zu installieren - überwarf sich bald darauf aber mit dem neuen starken Mann im Kreml und siedelte über ins Londoner Exil.

Gluschkow war für Beresowski im Topmanagement der Fluglinie Aeroflot aktiv. 1999 wurde er in Russland verhaftet und verbrachte mehrere Jahre im Gefängnis. Sowohl Beresowski als auch Gluschkow gaben später an, mit der Inhaftierung habe der Kreml Beresowski dazu zwingen wollen, seinen einflussreichen TV-Sender ORT zu verkaufen.

Beresowski starb im Jahr 2013 in seinem Haus nahe London. Er wurde stranguliert aufgefunden. Die Polizei konnte keine Hinweise auf Fremdverschulden feststellen und bewertete den Tod als Selbstmord.

beb/aev/dpa/AFP

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