Londoner Terroranschläge Richter beenden Prozess ohne Urteil

Das bislang einzige Verfahren zu den Londoner Terroranschlägen vom Juli 2005 ist beendet - ergebnislos. Die Jury konnte sich nicht auf ein Urteil einigen. Im Gerichtssaal wurden erstmals grausame Details der Attentate aus Überwachungsvideos gezeigt.


London - 15 Tage lang hatten die Geschworenen beraten, am Ende gingen sie ergebnislos aus dem Gerichtssaal: Der Prozess zu den Selbstmordanschlägen in London im Juli 2005 ist am Freitag ohne Urteil abgeschlossen worden. Die Geschworenen konnten sich bei ihren Beratungen nicht auf einen Beschluss einigen. Die Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, ob sie ein neues Verfahren gegen die drei Angeklagten anstrengt. Er gehe davon aus, dass es zu einem neuen Prozess im nächsten Jahr kommen werde, sagte Richter Peter Gross.

Zerbombter Londoner Bus am 7. Juli 2005: Neues Verfahren im nächsten Jahr?
AP

Zerbombter Londoner Bus am 7. Juli 2005: Neues Verfahren im nächsten Jahr?

Den Angeklagten wurde vorgeworfen, sich mit den Attentätern verschworen zu haben. Sie sind die einzigen, die bislang wegen der Anschläge vor Gericht standen. Mohammed Shakil, Sadeer Saleem und Waheed Ali sollen die britische Hauptstadt gemeinsam mit zwei der vier Selbstmordattentäter nach möglichen Anschlagszielen abgesucht haben. Sie waren mit den vier muslimischen Attentätern befreundet und teilten nach Angaben der Polizei deren extremistische Überzeugungen.

Die Männer besuchten auch dieselbe Moschee im Stadtteil Beeston in der nordenglischen Stadt Leeds. Eine direkte Beteiligung an der Ausführung der Anschläge wurde den drei Angeklagten jedoch nicht vorgeworfen. Bei den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn und einen Bus am 7. Juli 2005 wurden 52 Fahrgäste und die vier Täter getötet.

Videos zeigen Bomben im U-Bahn-Schacht

Während des Verfahrens wurde der Jury erstmals Videomaterial der Anschläge gezeigt. Ein Teil der Aufnahmen, welche der britische "Guardian" auf seiner Internetseite veröffentlichte, dokumentiert den Moment, an dem zwei der Bomben in einem U-Bahn-Schacht detonierten. Andere Szenen zeigen höchstwahrscheinlich die Vorbereitungen der Attentäter in einem U-Bahn-Waggon, wenige Tage vor den Attentaten.

Die Überwachungskameras zeichneten unter anderem auf, wie ein Selbstmordattentäter einen Sprengsatz im Londoner Bus der Linie 30 am Tavistock Square im Zentrum der Stadt zündet. Auf dem Film sieht man Menschen, die sich in Todesangst zusammenkauern. Ein anderer Film zeigt, wie eine Bombe an einer Station der Circle Line gezündet wird. Der vollbesetzte Zug verlässt die Station, etwa eine halbe Minute später füllt sich der Schacht mit einer Wolke aus Rauch und Staub.

amz/Reuters/AP



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