Losgelöst von Serbien Montenegro erklärt Unabhängigkeit

Die Union mit Serbien ist offiziell beendet: Das Parlament von Montenegro erklärte die Unabhängigkeit des kleinen Balkanlandes.  Damit setzten die Politiker ein Votum des Volkes um. 


Podogorica - Ausgelassen feierten hunderte Menschen in Montenegro am Samstagabend ihre Unabhängigkeit von Serbien. Trotz Regens versammelten sich vor dem Parlament zahlreiche Anhänger der Lossagung und begrüßten stürmisch das Hissen der neuen Staatsflagge und die Klänge der Nationalhymne. Anschließend wurde ein großes Feuerwerk veranstaltet.

Feuerwerk und Flagge: Montenegro begrüßt seine Unabhängigkeit
AP

Feuerwerk und Flagge: Montenegro begrüßt seine Unabhängigkeit

Das Parlament in der Hauptstadt Podogorica hatte kurz vorher eine Deklaration über die Unabhängigkeit von Montenegro verabschiedet. Die Abgeordneten bestätigten damit das Ergebnis eines Referendums vom 21. Mai, in dem sich 55,5 Prozent der Wähler für die Loslösung von Serbien aussprachen. Das Parlament verabschiedete auch eine Deklaration über die Grundsätze des souveränen Staates. Darin wird Montenegro als unabhängiger, demokratischer und ziviler Staat bezeichnet, der eine Mitgliedschaft in NATO und Europäischer Union anstrebt.

Während die einen die neue Unabhängigkeit ihres Landes feierten, demonstrierten andere ganz klar ihre ablehnende Haltung zu der Entscheidung. Die pro-serbischen, oppositionellen Parteien waren der feierlichen Sitzung des Parlaments ferngeblieben. Sie erkennen das Ergebnis der Volksabstimmung nicht an. Auch kein offizieller Vertreter Serbiens war den Einladungen aus Podgorica gefolgt. Serbiens Präsident Boris Tadic schickte jedoch ein Glückwunschtelegramm und wünschte dem neuen Staat "Frieden, Stabilität und Wohlstand"..

Mit der Entscheidung zur Unabhängigkeit löst sich auch die letzte ehemalige jugoslawische Teilrepublik aus dem Verbund mit Serbien. Die EU hatte sich lange gegen eine weitere Aufspaltung auf dem Balkan gewehrt und vor drei Jahren auf den losen Staatenbund zwischen Serbien und Montenegro gedrungen, der nun zu Ende geht. Durch die Balkankriege der 90er Jahre waren schon die Republiken Bosnien, Kroatien und Mazedonien unabhängig geworden.

Mit rund 650.000 Einwohnern hat Montenegro weniger Bürger als etwa Frankfurt am Main. Es strebt auch unabhängig von Serbien in die EU und erhofft sich nun sogar eine Beschleunigung des Verfahrens. Serbien steht mit den Verhandlungen über die Zukunft seiner Provinz Kosovo möglicherweise der Verlust eines weiteren Landesteils bevor - rund 15 Jahre, nachdem Slobodan Milosevic dafür angetreten war, die Dominanz seines Volkes in Jugoslawien auszubauen.

fok/AP/Reuters



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