Damaskus - Die USA sollen über Syrien bereits mehrere unbemannte Flugzeuge im Einsatz haben. Von "einer ganzen Reihe" von Drohnen beobachteter Angriffe der syrischen Armee auf die Oppositionsbewegung und Zivilisten berichtete NBC News unter Berufung auf einen Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums. Außerdem solle die Kommunikation innerhalb des syrischen Militärs und der Regierung aufgezeichnet werden. Die Luftüberwachung sei aber keine Vorbereitung für einen Militäreinsatz der USA gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.
NBC News zufolge gab es innerhalb der US-Regierung auch Debatten über humanitäre Hilfseinsätze für Syrien. Allerdings gebe es die Befürchtung, dass solche Missionen das Leben der daran Beteiligten gefährden oder die USA letztlich in einen militärischen Einsatz drängen könnten.
Video von Angriff auf Trauerzug als Fälschung bezeichnet
Die Gewalt in Syrien erfasst inzwischen auch immer mehr Viertel der Hauptstadt Damaskus. Aktivisten berichteten, am Samstag hätten Angehörige der Sicherheitskräfte im bürgerlichen Stadtteil Mezze das Feuer eröffnet, als Tausende von Menschen drei am Vortag getötete Regimegegner zu Grabe trugen. Ein Teilnehmer der Trauergemeinde sei erschossen worden. Es habe mehrere Verletzte gegeben. Der regimetreue TV-Kanal al-Dunja behauptete, ein von Aktivisten bei der Beerdigung in Mezze gedrehtes Video sei eine in Katar hergestellte Fälschung.
In Damaskus und Aleppo, den beiden größten Städten des Landes, war es in den ersten Monaten des Aufstands gegen Assad, der im März 2011 begonnen hatte, relativ ruhig geblieben. Erst in den vergangenen Wochen nahmen die Protestaktionen und Zusammenstöße in beiden Städten zu.
Aktivisten veröffentlichten unterdessen ein Video, das angeblich eine in Damaskus neu gegründete Brigade von Deserteuren mit dem Namen "Märtyrer der Hauptstadt" zeigt. Der Anführer der komplett vermummten kleinen Gruppe sagt in dem Video, sein Trupp sei Teil einer größeren Brigade, die sich dem Kommando der Freien Syrischen Armee unter Oberst Riad al-Asaad unterstellt habe.
Assad traf am Samstag mit dem chinesischen Vizeaußenminister Zhai Jun zusammen, der ihn aufforderte, echte Reformen einzuleiten. Das für kommenden Freitag geplante Verfassungsreferendum könne ein erster Schritt sein, erklärte der chinesische Gast nach dem Gespräch. Er forderte beide Konfliktparteien auf, ihre Angriffe einzustellen - fast zeitgleich sollen in Damaskus Soldaten auf Anti-Assad-Demonstranten gefeuert haben. Vor seiner Abreise traf Zhai noch mit Vertretern der sogenannten legalen Opposition in Damaskus zusammen.
Sieben Tote bis zum Samstagnachmittag
Syrische Aktivisten berichteten, die Armee habe am Samstag erneut die Stadt Homs unter Beschuss genommen. Razzien und Festnahmen wurden unter anderem aus Damaskus, Deir al-Sor und Daraa gemeldet. Es hieß, bis zum Nachmittag seien landesweit sieben Menschen getötet worden. Das syrische Staatsfernsehen strahlte derweil kurze Spots aus, in denen einzelne Paragrafen des Verfassungsentwurfs vorgestellt wurden. Er sieht unter anderem ein Ende der Monopolstellung der regierenden Baath-Partei vor.
In Syrien lässt die Führung um Präsident Assad seit fast einem Jahr eine Protestbewegung blutig unterdrücken. Dabei kamen nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen bisher mehr als 6000 Menschen ums Leben. Bei landesweiten Protesten gegen die Regierung wurden am Freitag erneut mindestens 30 Menschen getötet.
cis/dpa/AFP
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