Lukaschenko beim Spitzentreffen Die schönste Nacht des Diktators

Er ist der letzte Diktator Europas - jetzt strahlt er als Gastgeber beim Ukraine-Gipfel in Minsk zwischen Merkel und Co. Bilder zeigen Weißrusslands Präsidenten Lukaschenko und Kreml-Chef Putin bestens gelaunt in der Verhandlungsnacht.

AP/dpa

Minsk - Der Westen hat das Regime von Alexander Lukaschenko mit Sanktionen belegt. Als letztes Land des Kontinents wird in Weißrussland die Todesstrafe vollstreckt, Verurteilte werden durch Genickschüsse hingerichtet. Aber in dieser Nacht von Minsk, bei den Verhandlungen zur Ukraine-Krise, scheint alles anders.

Der "letzte Diktator Europas" strahlt, als er die deutsche Kanzlerin begrüßt. Bilder zeigen, wie Lukaschenko den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko umarmt. Mit Kremlchef Putin wirkt er sehr vertraut, die beiden sondern sich immer wieder von der Gruppe ab, lachen, reden, die Köpfe zueinander gebeugt. Als der Gipfel an diesem Donnerstagvormittag endet, verabschiedet sich Lukaschenko von den Teilnehmern. Er wirkt gelöst und fröhlich.

Lukaschenko und seine Staatsmedien werden diese Bilder ausschlachten: Der Despot plötzlich in der Rolle eines Friedensmittlers. Schon vor dem Treffen gingen Beobachter davon aus, dass der Besuch von Merkel und Frankreichs Staatschef François Hollande, die sonst einen Bogen um das Land machen, von Minsk auch als Unterstützung der EU für Weißrussland gewertet werden würde. Lukaschenko will sich in diesem Jahr erneut im Amt bestätigen lassen.

Auch wenn etwa die Bundesregierung betont hat, dass sich durch die Gastgeberrolle Lukaschenkos nichts an der Haltung Berlins zu seinem Regime ändere - Kritiker fürchten, dass die Bilder aus Minsk jetzt Lukaschenkos Repressionen in den Hintergrund rücken. Anatoli Lebedko, einer der bekanntesten weißrussischen Gegner Lukaschenkos, der wegen Protesten gegen dessen Wiederwahl im Jahr 2010 mehr als drei Monate im Gefängnis saß, ist überzeugt: Lukaschenko ist womöglich nicht länger der Paria des Westens. Denn diese Rolle habe mittlerweile Putin übernommen.

In der Ukraine-Krise hat Lukaschenko bislang eine gemäßigte Rolle gespielt. Die Eingliederung der Schwarzmeerhalbinsel Krim in die Russische Föderation im vergangenen Frühjahr hatte er im Fernsehsender Euronews im Oktober demonstrativ kritisiert. Zu sagen, die Krim habe schon immer zu Russland oder der Sowjetunion gehört und sei 1954 zu Unrecht der Ukraine zugeschlagen worden, sei die "falsche Herangehensweise". Der 60-Jährige hat einen guten Draht zu Poroschenko. Wirtschaftlich aber ist Belarus von Russland abhängig.

anr/AFP/dpa

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