Lupenreine Inszenierung Putin und die Schummel-Vase

Russlands Premier Wladimir Putin ließ sich kürzlich feiern, als er bei einem Tauchgang eine alte griechische Amphore auf dem Meeresboden fand. Alles nur inszeniert, sagt sein Sprecher jetzt - und macht sich darüber lustig, dass man die Putin-Bilder tatsächlich für echt halten konnte.

DPA / RIA Novosti

Moskau - Man hätte es wohl ahnen können, doch nun herrscht Klarheit. Wer immer noch an das Wahre bei Fotos von Russlands Premier Wladimir Putin geglaubt hatte, bekam jetzt von Putins Sprecher deutlich gesagt, wie naiv man doch sei.

Alles begann im August: Putin ging im Asowschen Meer tauchen, mehr als 1100 Kilometer südlich von Moskau. Dabei entdeckte er auf dem Meeresboden zwei beschädigte Amphoren aus dem sechsten Jahrhundert. Offenbar stammen die Vasen aus der damaligen griechischen Kolonie Phanagoria, lagen gute 1500 Jahre unbehelligt auf dem Meeresboden, bis Putin kam.

Im Taucheranzug entstieg Putin dem Wasser, ließ locker die Amphoren baumeln. Wie hatte er das geschafft? Er hatte an dem Tag klare Sicht, vermeldete die Agentur Interfax. Klang einleuchtend.

Doch jetzt muss die Geschichte neu geschrieben werden.

Putins Sprecher Dmitrij Peskow meldete sich zu Wort. Er sagte, dass die Vasen extra für Putin abgelegt worden waren. Kritische Geister hatten es wohl schon geahnt, doch nun herrscht Klarheit. "Putin hat die Amphoren nicht auf dem Grund gefunden, wo sie seit vielen tausend Jahren lagen, das ist offensichtlich", sagte sein Sprecher in einem Fernsehinterview in der Nacht zum Mittwoch, "noch dazu in einem bis zur Sterilität gesäuberten Zustand."

Beschämt? Kleinlaut? Keineswegs. Peskow machte sich eher darüber lustig, dass man die Bilder für bare Münze habe nehmen können. Die Inszenierung sei offensichtlich gewesen, sagte er: "Das ist völlig normal."

Auf die Frage, warum die Amphoren dort abgelegt worden seien, sagte Peskow, wenn Putin schon selbst tauche, "dann will man doch, dass er selbst sieht, wie das aussieht".

Peskows Aussage wirft natürlich einen Schatten auf alle anderen Bilder, die Putin als Helden zeigen. Allein in diesem Sommer wurden Fotos veröffentlicht, die Putin als Naturburschen beim Angeln mit Präsident Dmitrij Medwedew zeigen, als harten Biker auf dem Rocker-Treffen, tapfer beim Arztbesuch, während eine Judoverletzung des Premierministers untersucht wird. Angeblich.

Putin, der eine Amtszeit als Premier abgetaucht war, erklärte Ende September, dass er wieder Russlands Präsident werden wolle.

fab/dapd

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