Machtkampf Dutzende Tote bei Gewalt in der Elfenbeinküste

In der Elfenbeinküste eskaliert der Machtkampf um das Präsidentenamt: In den vergangenen drei Tagen sind bei Kämpfen mehr als 50 Menschen getötet worden, Hunderte wurden verletzt. Die Uno wirft den Getreuen des selbsternannten Präsidenten Gbagbo Entführungen vor.

AFP

Genf/Abidjan - Die Menschen in der Elfenbeinküste fürchten einen neuen Bürgerkrieg: Nach Uno-Angaben sind innerhalb von drei Tagen mehr als 50 Menschen getötet worden. Die Uno-Truppe in der Elfenbeinküste (Unoci) habe auch Informationen über Entführungen von Menschen durch bewaffnete Männer in Armee-Kleidung erhalten, so Menschenrechtskommissarin Navi Pillay. Die Opfer würden an geheimen Orten gefangen gehalten, einige seien unter verdächtigen Umständen tot aufgefunden worden. Es gebe "massive Menschenrechtsverletzungen". Erst am Donnerstag vergangener Woche waren bei Zusammenstößen mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen.

Die Uno prangert die Gewalt im Land an - der selbsternannte Staatschef Laurent Gbagbo forderte die Blauhelmsoldaten zum sofortigen Verlassen des Landes auf. Die Staatsführung sei der Auffassung, dass die Uno-Mission ihren Auftrag nicht erfülle und nicht gemäß ihres Mandats handele, hieß es in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung der von Gbagbo eingesetzten Regierung. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon wies Gbagbos Aufforderung zurück. Die Uno-Mission werde "ihr Mandat erfüllen und weiterhin jede Menschenrechtsverletzung, jede Anstiftung zu Hass und Gewalt oder Angriffe auf Uno-Blauhelm-Soldaten dokumentieren" erklärte Ban in New York.

Die Uno haben rund 10.000 Blauhelmsoldaten in dem Land. Die frühere Kolonialmacht Frankreich hat etwa 900 Soldaten in der Elfenbeinküste stationiert. Laut Resolution des Uno-Sicherheitsrates läuft das Mandat für die Blauhelm-Soldaten in der Elfenbeinküste bis zum 31. Dezember. Das höchste Uno-Gremium sollte am Montag über eine Verlängerung des Mandats entscheiden. Die EU hatte schon vor Tagen Sanktionen gegen die frühere französische Kolonie beschlossen. Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas hat die Zusammenarbeit mit der Elfenbeinküste ausgesetzt.

Das Lager um den selbsternannten Machthaber Gbagbo wirft den ausländischen Soldaten vor, Rebellen der Opposition zu unterstützen. Gbagbo hatte sich erneut als Staatschef vereidigen lassen, obwohl nach den Präsidentschaftswahlen Ende November der Oppositionskandidat Alassane Ouattara von der Wahlkommission zum Sieger erklärt worden war. Die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft sehen in Ouattara den neuen rechtmäßigen Präsidenten. 800 Blauhelm-Soldaten bewachen derzeit das Hotel, in das sich Ouattara zurückgezogen hat. Dagegen stehen die Sicherheitskräfte des Landes hinter Gbagbo.

anr/AFP/dpa/Reuters

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