Machtkampf im Irak: Maliki geht auf Konfrontationskurs zur Türkei

Der Machtkampf im Irak führt zu Spannungen zwischen den Regierungen in Ankara und Bagdad. Iraks Premier Maliki warf der Türkei vor, eine gefährliche Rolle in der Region zu spielen. Sie könne einen Bürgerkrieg in der Region auslösen, warnte Maliki die türkische Regierung.

Iraks Premier Maliki: Scharfe Kritik an der türkischen Regierung Zur Großansicht
REUTERS

Iraks Premier Maliki: Scharfe Kritik an der türkischen Regierung

Istanbul/Bagdad - Im Streit um die türkische Einmischung in den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak verschärfen die Regierungen in Ankara und Bagdad den Ton.

Der schiitische Ministerpräsident des Irak, Nuri al-Maliki, kritisierte die Rolle der Türkei in der Region ungewohnt deutlich. "Das Verhalten der Türkei kann Katastrophen und Bürgerkrieg in die Region bringen. Die Türkei selbst wird darunter leiden, weil sie aus verschiedenen Glaubensgemeinschaften und Volksgruppen besteht", sagte er.

Maliki reagierte auf Mahnungen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dieser hatte vor einer drohenden Spaltung Iraks nach dem Abzug der US-Truppen gewarnt und die Regierung in Bagdad an ihre "historische Verantwortung" erinnert.

Die Außenministerien in beiden Hauptstädten bestellten die Botschafter des jeweils anderen Staates ein, um gegen jüngste Äußerungen zu protestieren, wie türkische Medien am Dienstag berichteten.

Hintergrund ist der eskalierende Machtkampf zwischen den Parteien der Schiiten, Sunniten und Kurden im Irak. Maliki versucht in den Augen der Sunniten, seine Macht auf Kosten der Vertreter der sunnitischen Minderheit auszubauen.

Zu den zwischen Ankara und Bagdad umstrittenen Themen gehört ein Haftbefehl gegen den sunnitischen irakischen Vizepräsidenten Tarik al-Haschimi, der sich in den von den Kurden kontrollierten Norden des Landes zurückgezogen hat, um der Verhaftung zu entgehen. Haschimi lebt inzwischen im kurdischen Autonomiegebiet unter dem Schutz von Staatspräsident Dschalal Talabani. Er behauptet, der schiitische Regierungschef Maliki benutze die Justiz, um politische Rivalen loszuwerden.

In der Türkei ist zuletzt die Sorge gewachsen, dass Politiker der schiitischen Mehrheit im Irak nach dem Abzug der US-Truppen mit Unterstützung Irans auf eine Spaltung hinarbeiten könnten. Vor einem Besuch in Iran hatte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu Anfang Januar gewarnt: "Es gibt einige Kreise, die einen kalten Krieg zwischen Sunniten und Schiiten beginnen wollen. Die Auswirkungen wären auf Jahrzehnte hin zu spüren."

fab/dpa

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1. Erdogan pass auf
law1964 17.01.2012
Erdogan treibt es immer weiter, es muss aufpassen, dass er es nciht überteibt. Den Kurden im Irak geht es besser als in der Türkei.
2. Von der Türkei aus wird auch der Aufstand in Syrien geleitet
beebo1 17.01.2012
Der Syrische General, der den Aufstand gegen Assad organisiert, wohnt in der Türkei. Rebellenkämpfer finden in der Türkei auch unterschlupf. So ganz ohne Hilfe der Türkei wird der General den Aufstand nicht organisieren können. Nicht das Erdogan so etwas auch im Irak unterstützt. Da kann man sehr leicht Suniten, Kurden und Schiiten aufeinander hetzen.
3. 123
eagle1903 17.01.2012
Zitat von sysopDer Machtkampf im Irak führt zu Spannungen zwischen den Regierungen in Ankara und Bagdad.*Iraks Premier Maliki warf der Türkei vor, eine gefährliche Rolle in der Region zu spielen.*Sie könne einen Bürgerkrieg in der Region auslösen, warnte Maliki die türkische Regierung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809559,00.html
Ich Denke im Irak ziehen eher die USA, Israel und der Iran die strippen. Die Türkei hat einzig ein Intresse an der Einheit des Landes und diese Position wird auch seit dem Einmarsch der USA vertreten. Unter dem Machtvakuum im Irak leidet am stärksten die Türkei, der Irak ist das hauptrückzugsgebiet der PKK. Die wirtschaftliche Seite lassen wir mal ganz aussen vor. Das Land steuert nicht wegen der Türkei in ein Bürgerkrieg sondern wegen der Instabilität die die USA dort hinterlassen haben.
4. Warnung an Erdogan
robert.haube 17.01.2012
Der Statthalter des Iran im Irak, Maliki, warnt Erdogan unverblümt vor einem Einmarsch in Syrien. Das Thema "Krieg gegen Syrien" kann man so langsam abhaken.
5. 123
eagle1903 17.01.2012
Zitat von beebo1Der Syrische General, der den Aufstand gegen Assad organisiert, wohnt in der Türkei. Rebellenkämpfer finden in der Türkei auch unterschlupf. So ganz ohne Hilfe der Türkei wird der General den Aufstand nicht organisieren können. Nicht das Erdogan so etwas auch im Irak unterstützt. Da kann man sehr leicht Suniten, Kurden und Schiiten aufeinander hetzen.
nicht nur die Türkei unterstützt den Aufstand in Syrien sondern auch die USA, EU. Wenn man sieht wie die Rebellen in Libyen unterstützt wurden und wer heute in Libyen wieder seine Geschäfte machen darf wäre es unverantwortlich wenn die Türkei in Syrien und dem Irak kein Intresse haben dürfte, zumal sie direkte Nachbarstaaten sind und der Südosten generell als Krisenregion angesehen wird. Bei einer Neuordung der Region sollten türkische Intressen gewahrt bleiben zumindest sollten diese Einfluss finden. Staaten die tausende km entfernt liegen haben schließlich das selbe Intresse.
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Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 34,776 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Nuri al-Maliki (zurückgetreten); Haider al-Abadi (designiert)

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