Machtkampf in Ägypten: Der Hass auf die Muslimbrüder

Aus Kairo berichtet

REUTERS

Weltweit herrscht Entsetzen über das Blutvergießen in Ägypten. Im Land selbst gibt es kaum Bedauern über die Opfer - Anhänger und Gegner von Ex-Präsident Mursi beschuldigen sich gegenseitig. Selbst der Liberale ElBaradei hält sich mit Kritik an dem brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte zurück.

Wie groß das Unverständnis zwischen Ägyptens Säkularen und dem Westen geworden ist, illustriert ein Schlagabtausch auf Twitter. Schwedens Außenminister Carl Bildt schrieb am Samstagabend: "Ich bin entsetzt über die große Zahl der Toten bei den Demonstrationen in Ägypten. Die Sicherheitskräfte können sich ihrer Verantwortung nicht entziehen."

Ägyptens Botschafter in Schweden, Osama Elmagdoub, antwortete prompt: "Das ist entsetzlich, aber das waren keine friedlichen unschuldigen Zivilisten, sondern ein bewaffneter Mob. Wahrscheinlich ist das für die Schweden schwer zu verstehen." Bildt twitterte zurück: "Das heißt, sie haben sich alle selbst erschossen? Versuchen Sie es noch mal."

International nimmt die Kritik am brutalen Vorgehen der ägyptischen Sicherheitskräftezu. Die USA, EU und Uno verlangen von der Armee und Regierung Mäßigung. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft den Behörden die "kriminelle Missachtung von Menschenleben" vor. Die Zahl der Toten wiese auf die "schockierende Bereitschaft der Polizei und einiger Politiker hin, die Gewalt gegen Mursi-Anhänger zu verstärken", erklärten die Menschenrechtler.

Mindestens 72 Menschen starben bei Straßenschlachten zwischen Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi und Sicherheitskräften, Hunderte erlitten Verletzungen.

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Straßenkämpfe in Ägypten: Mauern als Barrikaden, Steine als Waffen
Doch in Ägypten schweigen die Nichtreligiösen - auch solche, die international renommiert sind. Mohamed ElBaradei, einst Leiter der internationalen Atomaufsichtsbehörde und nun Chef der "Nationalen Rettungsfront", einem Bündnis Liberaler, meldete sich Samstagnacht zu Wort. Er verurteile die "exzessive Gewalt", schrieb der Friedensnobelpreisträger und jetzige Vizepräsident Ägyptens. Dabei erwähnte er jedoch mit keinem Wort die Sicherheitskräfte. Für seine Anhängerschaft ist die Botschaft klar: Die Mursi-Unterstützer, ein angeblich bewaffneter und aggressiver Mob, ist selbst schuld an dem Blutvergießen.

Am krassesten spiegelte sich diese Haltung in den Worten von Ägyptens Innenminister Mohammed Ibrahim wider. Der ließ am Samstag durchklingen, die Muslimbrüder hätten ihre Unterstützer selbst umgebracht, um die Sicherheitskräfte in ein schlechtes Licht zu rücken.

Hetzkampagne gegen US-Botschafterin

Ägypten ist seit Mursis Entmachtung extrem polarisiert. Es herrscht ein Klima, in dem kaum einer die Toten des anderen Lagers bedauert. Wer Mitgefühl für die Demonstranten in Rabaa, dem Protestlager der Anhänger von Mursi im Osten Kairos, äußert, wird sofort verdächtigt, ein Muslimbruder zu sein - nach dem Motto: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

So nimmt man auch die Kritik aus dem Ausland auf. Die USA haben die Brutalität der ägyptischen Sicherheitskräfte kritisiert. Außenminister John Kerry forderte die ägyptische Führung auf, das "Land vom Abgrund wegzuziehen". Es sei ein entscheidender Moment für Ägypten. Prompt wettern die Anhänger von Armeechef Abdel Fattah al-Sisi auf dem Tahrir-Platz, US-Präsident Barack Obama sei ein Islamisten-Fan. Sie zeigen ein manipuliertes Bild von ihm mit langem weißen Bart.

Das Plakat wäre lustig, wenn die Lage nicht so gefährlich wäre. Gegen die US-Botschafterin in Kairo, Anne Patterson, läuft eine regelrechte Hetzkampagne. Man wirft ihr vor, hinter der Gewalt zu stecken - in einer Verschwörung mit den Muslimbrüdern und der radikalislamistischen Hamas.

Verachtung für die Muslimbruderschaft

Noch schlimmer trifft es die syrischen Flüchtlinge, die sich nicht wehren können. Die Staatsmedien und Sicherheitskräfte behaupten, dass die Syrer die Gewalt in Ägypten angezettelt hätten, und gängeln sie regelmäßig. Die Vorwürfe sind absurd. Die Menschen, die gerade vor der Gewalt in ihrem Land geflohen sind und nun versuchen, sich eine neue Existenz aufzubauen, haben andere Sorgen als den Machtkampf der Ägypter. Auf den Demonstrationen ist kein einziger Syrer zu finden.

Vereint sind Militärchef und Säkulare in ihrer Verachtung für die Muslimbruderschaft. Die islamistische Bewegung, die jahrzehntelang im Untergrund operierte, hat es nach den Aufständen 2011 nicht geschafft, Fuß zu fassen in den säkularen Kreisen von Kairo. Mit ihrer Inkompetenz und Rücksichtslosigkeit im Amt haben die Islamisten das Misstrauen der Säkularen noch weiter vergrößert.

Für die Säkularen sind die Mursi-Anhänger in Rabaa keine Mitbürger, sondern in ihren Worten "dreckige, folternde Ungebildete", "ausländische Terroristen" oder ein "bewaffneter Mob". So haben sie es irgendwo gehört und verbreiten es weiter. Doch niemand macht sich selbst ein Bild und fährt die 20 Minuten vom Tahrir-Platz zum Rabaa-Lager. "Das geht nicht, die würden uns angreifen", so ihre Begründung.

"Uns ist es egal, was die EU oder Amerika sagen"

Ägyptens Liberale haben die Armee um Hilfe gerufen, um das Land von Mursi zu befreien. Nun sitzen sie mit den Militärs in einem Boot. Überall weht auf dem Tahrir-Platz die ägyptische Fahne. Der im Vergleich zu Deutschland ohnehin schon überbordende Nationalismus in Ägypten kocht in diesen Tagen hoch.

Im Camp der Mursi-Anhänger wird genauso gehetzt. Dort wollen die Menschen Militärchef Sisi hängen sehen und fordern lautstark den islamistischen Staat in Ägypten. Auf beiden Seiten beschimpft man sich gegenseitig als Faschisten und versteht sich selbst als wahrer Retter der Revolution, Freiheit und Demokratie.

"Uns ist es egal, was die EU oder Amerika sagen", erklärt die 47-jährige Anwältin Amal Attia mit langen, offenen Haaren. Sie unterstützt Militärchef Sisi, demonstriert für ihn auf dem Tahrir-Platz. "Wir machen uns keine Sorgen über unsere Armee. Im Gegenteil, wir sind sehr zufrieden, dass sie uns von den Islamisten befreit." Kritik aus dem Ausland verbittet sie sich: Das sei eine Einmischung in Ägyptens innere Angelegenheiten.

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insgesamt 256 Beiträge
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1. Mursi=Dschihadist
kannmanauchsosehen 28.07.2013
Zitat von sysopWeltweit herrscht Entsetzen über das Blutvergießen in Ägypten. ... [/url]
Erstens, die US Administration ist nicht die Welt, Frau Salloum. Zweitens, ich war entsetzt, dass der vom Westen hofierte Mursi Ägypten in einen Heiligen Krieg (Dschihad) gegen Syrien führen wollte. Dies ist einer der Hauptgründe für seine Absetzung, Mursi ist ein potentieller Massenmörder und Kriegstreiber, daher gehört er hinter Gitter.
2. Mal so mal so
frenjes 28.07.2013
Zitat von sysopWeltweit herrscht Entsetzen über das Blutvergießen in Ägypten. Im Land selbst gibt es kaum Bedauern über die Opfer - Anhänger und Gegner von Ex-Präsident Mursi beschuldigen sich gegenseitig. Selbst der Liberale ElBaradei hält sich mit Kritik an dem brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte zurück. Machtkampf in Ägypten: Der Hass auf die Muslimbrüder - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/machtkampf-in-aegypten-der-hass-auf-die-muslimbrueder-a-913535.html)
Und in Syrien sprach man bei gleicher Verhaltensweise vom Krieg gegen das Volk wie sich die Dinge ändern können, ist Assad in Syrien unpopulär, sind es hier die Muslimbrüder, die gleichen Muslimbrüder übrigens die die sog. FSA in Syrien unterstützen.
3. "die Ägypter"
atech 28.07.2013
Zitat von sysopWeltweit herrscht Entsetzen über das Blutvergießen in Ägypten.
im Ausland hat man immer noch nicht verstanden, dass "die Ägypter" kein homogenes Volk sind. Dass dort durch die Militärdiktatur jahrzehntelang zwei Teile zusammengehalten wurden, die nicht zusammen passen: die liberalen Intellektuellen, die ein modernes Ägypten wollen und die Religiösen, die zurück in die Zeit des Propheten wollen. Beide Streitparteien wollen zudem kein Mischmodell für ihre Gesellschaft, kein friedliches Nebeneinander, sondern jede Partei will der anderen ihr Gesellschaftsmodell aufzwingen. Das kann nicht gut gehen. Die Liberalen wehren sich gegen religiöse Bevormundung und Unterdrückung ebenso wie die Religiösen eine Zwangssäkularisierung ablehnen. Daher wird es in absehbarer Zeit keinen Frieden in Ägypten geben, denn selbst wenn man die Muslimbrüder in die nächsten Wahlen einbindet, werden diese jeden Wahlerfolg als Mandat verstehen, den Islamstaat durchzusetzen. Bindet man sie nicht in die Wahlen mit ein, werden sie den säkularen Staat Ägypten mit allen Mitteln bekämpfen. Ein Eingreifen von assen bringt auch nichts. Den Kampf um die Seele ihres Landes müssen die ägyptischen Bürger unter sich ausmachen.
4. Auch wenn sie jetzt Opfer sind
schaeff5 28.07.2013
die Islamisten haben sich durch ihr eigenes, kompromissloses und intolerantes Verhalten an diesen punkt gebracht. Leider dürfte diese Gewalt noch auf andere arabische Staaten übergreifen und in den nächsten 5-10 Jahren dort die Politik bestimmen. Die Fundamentalisten werden Opfer der gewalt, die sie mmer gegen Andersdenkende gepredigt haben. Es liegt an Ihnen, sich zu mässigen.
5. Gewalt und Gegengewalt
juliettebrown 28.07.2013
Zitat von sysopWeltweit herrscht Entsetzen über das Blutvergießen in Ägypten. Im Land selbst gibt es kaum Bedauern über die Opfer - Anhänger und Gegner von Ex-Präsident Mursi beschuldigen sich gegenseitig. Selbst der Liberale ElBaradei hält sich mit Kritik an dem brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte zurück. Machtkampf in Ägypten: Der Hass auf die Muslimbrüder - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/machtkampf-in-aegypten-der-hass-auf-die-muslimbrueder-a-913535.html)
Die Muslimbruderschaft ist nun nicht eine sakrale Religionsgemeinschaft und hat nicht die "Feindesliebe" oder ähnliches verinnerlicht. Das waren immer Rücksichtslose Menschenschlächter und Tod und Gewalt gehören zum "usual business". Auch die Lebensmittelspenden und die medizinische Versorgung für die Ärmsten geschah nicht aus "Nächstenliebe", sondern zur Rekrutierung und zur Schaffung einer Basis von Kämpfern. Da haben wohl viele Ägypter noch viele Rechnungen offen. Mitgefühl und Mitleid wurden in der Vergangenheit mit Füssen getreten - wo soll so etwas jetzt plötzlich herkommen?. Ein wenig kann ich die Wut der Menschen verstehen.
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Fläche: 1.002.000 km²

Bevölkerung: 81,121 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Abd al-Fattah al-Sisi

Regierungschef: Ibrahim Mahlab

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Air Berlin: www.airberlin.com oder per Telefon unter +49-1805-737 800
Condor: www.condor.com oder per Telefon unter +49-180-5767757