Machtkampf in der Elfenbeinküste Tausende fliehen aus dem Land

Der Streit um das Präsidentenamt erschüttert die Elfenbeinküste. Nach Angaben der UN sind bereits etwa 14.000 Menschen wegen des Konflikts in das Nachbarland Liberia geflüchtet. Eine internationale Delegation soll den umstrittenen Amtsinhaber Laurent Gbagbo zur Aufgabe bewegen.

UN-Patrouille in Abidjan: Machtkampf um das Präsidentenamt eskaliert
AFP

UN-Patrouille in Abidjan: Machtkampf um das Präsidentenamt eskaliert


Abidjan - Die Lage in der Elfenbeinküste spitzt sich zu. Wegen des blutigen Machtkampfs um das Präsidentenamt zwischen den Anhängern des umstrittenen Amtsinhabers Laurent Gbagbo und denen seines Kontrahenten Alassane Ouattara fliehen tausende Menschen nach Liberia. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben bisher etwa 14.000 Menschen Zuflucht in dem Nachbarland gesucht. Die große Mehrheit der Flüchtlinge seien Frauen und Kinder. Trotz der Anstrengungen der liberianischen Regierung und von Hilfsorganisationen würden die Lebensmittel knapp.

Unterdessen wies Gbagbos Regierung am Samstag die Gewaltandrohungen der Gruppe westafrikanischer Staaten (Ecowas) zurück. "Wir sind überrascht, dass es wegen eines Wahlkonflikts zu einer Verschärfung der Sanktionen und der Drohungen gegen die Elfenbeinküste gekommen ist", sagte ein Sprecher Gbagbos im französischen Rundfunk. "Das ist ungerecht."

Ein Ecowas-Gipfel hatte am Freitag in Nigeria die Entsendung eines Sonderbeauftragten an die Elfenbeinküste beschlossen, der Gbagbo zur Aufgabe bewegen soll. Wie der Außenminister von Benin, Jean Marie Ehouzou, am Samstag sagte, wollen die Staatschefs von Benin, Sierra Leone und Cap Verde am Dienstag gemeinsam nach Abidjan reisen. Gbagbo hat bisher nicht signalisiert, ob er zu einem Treffen bereit ist.

Ecowas hatte "legitime Gewalt" für den Fall angedroht, dass Gbagbo nicht friedlich abtritt. Gbagbos Regierungssprecher bezeichnete die angedrohten Ecowas-Maßnahmen als "inakzeptabel". Er warnte am Samstag für den Fall einer Intervention des Auslands vor Gewalt gegen Migranten. So könnte es dem Sprecher zufolge zur gewaltsamen Vertreibung der zahlreichen Arbeitsmigranten aus den Nachbarländern kommen. "Ist Burkina Faso bereit, drei Millionen Migranten in ihrem Heimatland zurück zu begrüßen?", fragte er.

Die USA, die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union und die Ecowas erkennen Gbagbos Herausforderer Ouattara als Wahlsieger an. Nach der Präsidentschaftswahl am 28. November hatte die Wahlkommission den Oppositionskandidaten Ouattara zum Sieger erklärt. Der Verfassungsrat, das höchste Gericht des Landes, erklärte das Ergebnis der Kommission aber für nichtig und kürte Amtsinhaber Gbagbo zum Sieger. Sowohl Gbagbo als auch Ouattara ließen sich als Staatschef vereidigen. Seither liefern sich Anhänger beider Lager gewaltsame Auseinandersetzungen. Dabei sind bisher etwa 200 Menschen ums Leben gekommen.

ulz/Reuters/AFP/dpa

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Koltschak 26.12.2010
1. Ja und? Sollen sich unsere Soldaten dort totschießen lassen?
Nichts Neues aus Afrika seit 1960!! Und mal sehen, wie es im Sudan weitergeht, wenn Darfur sich per Abstimmung als unabhängig erklärt! Sofortige Einstellung jeglicher Entwicklungshilfe, da diese eh nur von den Mächtigen missbraucht wird. Afrika braucht noch einige hundert Jahre. Und da können wir auch nichts dran drehen! So leid es einem auch tun mag. Afrika kann immerhin eine Weltmeisterschaft ausrichten. Ansonsten - vierte Welt!
MichaelHabersaath, 26.12.2010
2. Historische Hypothek
Da zeigt sich mal wieder eine Spätfolge der Berliner Konferenz zur Aufteilung der Kolonien und damit auch einer Grenzziehung, die bis heute nicht den in Afrika beheimateten Volksgruppen entspricht. Demokratische Mehrheitsentscheidungen können in Staaten nicht wirklich funktionieren, in denen verschiedene Stämme, Ethnien oder wie man es auch nennen will, darauf bedacht sind, ureigene Interessen wahrzunehmen. Der von den "modernen" Europäern immer negierte Tribalismus - man könnte es fast Rassismus nennen - in den afrikanischen Staaten ist so stark ausgeprägt, daß Demokratie in unserem Sinne nur scheitern kann. Aus diesem Grund ist die Korruption auch kaum auszumerzen, weil sie im afrikanischen Sinn nichts anderes ist als eine gutgemeinte und angemessene Interessenvertretung für die jeweilige Volksgruppe. Dieser Aspekt findet leider in der Berichterstattung - auch des SPIEGEL - über solche Konfliktsituationen wie der jetzt besprochenen keine Berücksichtigung. Eine Generalverantwortung der ehemaligen Kolonialmächte soll damit nicht unterstellt werden. Die afrikanischen Regierungen hatten seit der Entlassungen in die Unabhängigkeit in den 60er und 70er Jahren genügend Zeit, diesen Zustand zu ändern.
mitbestimmender wähler 26.12.2010
3. Bitte mehr Infos
Liebe journalisten. Sind das jetzte Christen oder Moslems? Sonst ist es ja für euch am wichtigsten die Glaubensrichtung gross an die Glocke zu hängen, erst dann kommt der Mensch.
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