Machtkampf in Honduras: Zelaya und Micheletti offenbar zum Dialog bereit

Die Konkurrenten im Honduras-Konflikt bewegen sich aufeinander zu. Der gestürzte Präsident Manuel Zelaya und Übergangs-Staatschef Roberto Micheletti signalisierten erstmals ihre Bereitschaft zum direkten Dialog. Zuvor sollen die Proteste im Land ein Todesopfer gefordert haben.

Gestürzter Präsident Zelaya: "Den Frieden des Landes anstreben" Zur Großansicht
dpa

Gestürzter Präsident Zelaya: "Den Frieden des Landes anstreben"

Tegucigalpa - "Wenn ihm noch ein Stück Herz oder Bewusstsein geblieben ist, sollte er in erster Linie den Frieden des Landes anstreben, und nicht sein persönliches Wohlergehen", sagte Zelaya dem costa-ricanischen Sender "Radio Monumental" am Mittwoch. Zuvor hatte Micheletti bereits am Dienstagabend erstmals seine Bereitschaft zu einem Gespräch mit Zelaya geäußert. Die Regierung lockerte unterdessen die am Montag verhängte Ausgangssperre.

Unmittelbar danach verließen die Einwohner ihre Wohnungen, um sich vor allem mit Lebensmitteln einzudecken. Vor den Supermärkten und sonstigen Geschäften in den Städten bildeten sich lange Schlangen. Die Regierung rief die Menschen zur Ruhe auf und bat sie, von Hamster- oder Panikkäufen abzusehen. Auch vor den Tankstellen warteten die Menschen in langen Autoschlangen darauf, ihr Fahrzeug volltanken zu können.

Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern des gestürzten Präsidenten und der Polizei wurde nach Angaben aus Justizkreisen ein Mensch erschossen worden. Der Vorfall habe sich am Dienstagabend in einem Armenviertel der Hauptstadt Tegucigalpa ereignet, erklärte ein Vertreter der Gerichtsmedizin am Mittwoch. Fünf weitere Zelaya-Anhänger wurden nach Angaben eines Arztes in einem anderen Stadtviertel durch Schüsse verwundet.

Brasilianische Regierung beantragt Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats

Der am 28. Juni gestürzte Zelaya war überraschend am Montag nach Honduras zurückgekehrt, wo er seither in der brasilianischen Botschaft Zuflucht gefunden hat. Dort ist er zunehmend isoliert. Zahlreiche seiner Anhänger und auch Botschaftsmitarbeiter verließen die Vertretung, nachdem die Interimsregierung, die Zelaya gestürzt hatte, den Druck deutlich erhöhte. Zeitweise wurden der Botschaft Wasser und Strom abgestellt, mit Lautsprechern wurde die Vertretung beschallt. Die brasilianische Regierung zeigte sich besorgt und beantragte eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats.

Mit der Ausgangssperre wollen die Machthaber verhindern, dass es zu einer offenen Rebellion seiner Anhänger in dem mittelamerikanischen Land kommt. Zelaya rief seine Parteigänger in dem Telefonat am Mittwoch erneut auf, ihren Widerstand gegen die Übergangsregierung aufrecht zu erhalten. "Das ist wichtiger als zuvor, da wir jetzt in der finalen Offensive hier in der Hauptstadt sind, um den Dialog aufzunehmen, von dem der Frieden der Republik ausgehen wird", sagte er.

Zelaya wird von der internationalen Staatengemeinschaft als rechtmäßiger Präsident des mittelamerikanischen Landes anerkannt. Er will die Präsidentschaft zurückerobern. Seine reguläre Amtszeit würde mit dem Amtsantritt eines neuen Präsidenten enden, der am 29. November gewählt werden soll.

"Ich bin bereit, mit Herrn Zelaya zu sprechen"

Micheletti sagte am Dienstagabend in einer von Außenminister Carlos López Contreras im Fernsehen verlesenen Erklärung: "Ich bin bereit, mit jedem, an jedem Ort, zu jeder Stunde zu sprechen, einschließlich mit Ex-Präsident Manuel Zelaya." Die Krise müsse zu einem Ende kommen. Deshalb wolle die Regierung auch Gespräche mit der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) aufnehmen.

Micheletti bestand aber darauf, dass der politische Konflikt im Rahmen der Verfassung beigelegt werden müsse. "Ich bin bereit, mit Herrn Zelaya zu sprechen, immer und unter der Bedingung, dass er ausdrücklich die durch unsere Verfassung für den 29. November autorisierten Wahlen anerkennt", sagte Micheletti.

Zelaya war am 28. Juni gestürzt worden, weil ihm unterstellt wurde, mit Hilfe einer Verfassungsänderung eine weitere Amtszeit angestrebt zu haben. Nach der geltenden Verfassung darf Zelaya bei der bevorstehenden Präsidentenwahl nicht kandidieren.

wit/dpa/Reuters/AP

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