Tripolis/Wamis - Der libysche Übergangsrat hat Mühe, für Sicherheit und Frieden zwischen den verschiedenen "Revolutionstruppen" zu sorgen. Bei Gefechten zwischen rivalisierenden Milizen in Libyen sind am Montag Anwohnern zufolge mehrere Menschen getötet worden.
Auslöser des jüngsten Gewaltausbruchs südlich der Hauptstadt Tripolis sei der Tod eines Milizenanführers aus der ehemaligen Rebellenhochburg Sintan, berichteten Bewohner. Danach sei es zu Kämpfen zwischen Einheiten aus Sintan und Mitgliedern des El-Maschascha-Stamms in der Stadt Wamis gekommen. Mindestens drei Menschen seien dabei ums Leben gekommen. Bereits am vergangenen Wochenende hatte es Schießereien in der Nähe des internationalen Flughafens Tripolis gegeben.
Der Sprecher der Brigaden aus der Stadt Misurata, Mohammed Ibrahim, sagte der Nachrichtenagentur dpa in einem Telefoninterview, die meisten ehemaligen Kämpfer aus Misurata hätten die Hauptstadt Tripolis in den vergangenen Tagen verlassen. Einige noch verbliebene "Revolutionäre" hätten am Sonntag auf Befehl des Übergangsrats in der Ortschaft Sadada, rund 150 Kilometer westlich von Sirte, den Kommandeur Chalifa Haftar und seine Einheit aufgehalten. Diese habe vorgehabt, nach Tripolis vorzudringen, um dort "die Kontrolle zu übernehmen". Er fügte hinzu: "Wir werden unsere Waffen erst dann abgeben, wenn es Sicherheit und Polizisten auf den Straßen gibt."
Brüchiger Frieden
Mohammed al-Ghannai, ein Kommandeur der Brigaden aus der Stadt Sintan, die für die Sicherheit im Gebiet um den Flughafen zuständig sind, erklärte, Haftar habe sich selbst zum "Kommandeur der Bodentruppen der libyschen Armee" erklärt. Er sei aber nur der Kommandeur einer Brigade. Aus dem Umfeld von Haftar war am Wochenende berichtet worden, dieser habe einen "Attentatsversuch" überlebt. Insgesamt soll es in Libyen derzeit noch 120 Brigaden geben, die mehr oder weniger intensiv an den Kämpfen zum Sturz von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi beteiligt gewesen waren.
Zwischen dem El-Maschascha-Stamm und der Bevölkerung in Sintan existiert eine lange Feindschaft, die sich während des sieben Monate andauernden Bürgerkriegs noch verschärft hatte. Während sich die Kämpfer in Sintan am Aufstand gegen den ehemaligen Machthaber Muammar al-Gaddafi beteiligt hatten, stellten sich die Einheiten des El-Maschascha-Stamms mehrheitlich hinter die Truppen des Diktators.
Der jüngste Gewaltausbruch zeigt, wie brüchig der Frieden nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs ist. Die Stämme feilschen um Einfluss und Privilegien.
bos/Reuters/dpa
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