Machtwechsel in Nordkorea Kim Jong Ils Tod stürzt Asien in Krisenangst

Der Tod von Kim Jong Il beunruhigt Nordkoreas Nachbarn und den Westen. Schon zu Lebzeiten des Diktators agierte das Regime in Pjöngjang unberechenbar. Jetzt herrscht Besorgnis, dass Nachfolger Kim Jong Un innenpolitische Schwäche mit außenpolitischer Aggressivität überdeckt.

Von , Bangkok

Parade in Pjöngjang 2010: Nordkorea macht Politik mit Säbelrasseln und Provokationen
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Parade in Pjöngjang 2010: Nordkorea macht Politik mit Säbelrasseln und Provokationen


Es sah aus, als habe sich Kim Jong Il von seinem Schlaganfall 2008 wieder völlig erholt. Rundlicher und bei Kräften machte er sich zu seinen Inspektionstouren im Lande auf, 2010 besuchte er China. Fotos zeigten einen gutgelaunten "Großen Führer". Doch jetzt machte er seine letzte Fahrt: Im Sonderzug durch Nordkorea brach er am Samstag zusammen - Herzinfarkt. Zwei Tage später gab das staatliche Fernsehen die Nachricht bekannt.

Sein Tod stürzt die Region in große Nervosität. Peking, Tokio und Seoul schienen von seinem Ableben überrascht. Die Südkoreaner verstärkten Patrouillen an der Grenze und sperrten Beamten den Urlaub. Japans Sicherheitsrat trat zu einer Sondersitzung zusammen. "Wir möchten hoffen, dass diese plötzliche Entwicklung keine negativen Folgen für den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel hat", sagte Osamu Fujimura, Japans Kabinettssekretär. Tokio werde sich "gut auf unvorhergesehene Ereignisse vorbereiten", kündigte Finanzminister Jun Azumi an.

Immer wenn ein kommunistischer Herrscher stirbt, gerät die Welt ein wenig aus den Fugen, da nicht klar ist, ob die Genossen die Nachfolge friedlich regeln. In Ostasien ist der Tod Kims besonders prekär, denn

  • Süd- und Nordkorea befinden sich seit 1953 offiziell noch im Krieg;
  • das unberechenbare Kim-Regime verfügt über die Atombombe;
  • die Armeen der Region haben in den letzten Jahren stark aufgerüstet, Nordkoreas Truppe gehört zu den zahlenmäßig stärksten der Welt;
  • das ausgepowerte Land kann seine Menschen nur mit der Hilfe Chinas und der Uno ernähren.

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Tod von Kim Jong Il: Staatstrauer in Nordkorea
Nun müssen Nordkoreas Funktionäre und Militärs das Machtvakuum füllen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass innerhalb der Kim-Clique Machtkämpfe um Pfründe und Privilegien ausbrechen oder es gar innerhalb des Militärs zu Brüchen kommt - etwa über die Frage, wie weit die Führung in Verhandlungen mit den USA über das Atomprogramm nachgeben darf. Fest steht, dass die neue Führung um Kim-Sohn Kim Jong Un Zeit braucht, um sich zu festigen.

Politiker in der Region fürchten deshalb, dass in solch unsicheren Zeiten die Versuchung der nordkoreanischen Nomenklatura groß sein könnte, innenpolitische Schwäche mit außenpolitischer Aggressivität zu überdecken und so das Volk hinter sich zu scharen. Säbelgerassel und blutige Provokationen gehören ohnehin zu den außenpolitischen Werkzeugen Pjöngjangs wie diplomatische Noten zu denen anderer Staaten.

"Unsere erste Sorge ist die Möglichkeit zusätzlicher nordkoreanischer Provokationen", hatte der Kommandant der südkoreanisch-amerikanischen Truppen, James Thurman, schon im Juni dem US-Senat für den Fall des Todes Kim Jong Ils erklärt.

Die chinesische Führung stützt die Kim-Dynastie

Unvergessen ist der (von Nordkorea bestrittene) Torpedoangriff auf die südkoreanische Korvette "Cheonan" im März 2010 (48 Tote) und die Artillerieattacke wenige Wochen darauf auf die Insel Yeonpyeong, bei der vier Menschen ums Leben kamen.

Doch möglich ist auch, dass die Region friedlicher wird. In den letzten Monaten hatte das Kim-Regime bereits signalisiert, es könne die Sechser-Gespräche in Peking wieder aufnehmen, die eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel zum Ziel haben. Als Gegenleistung wollen die Nordkoreaner Öl und Lebensmittel von der internationalen Gemeinschaft.

Der unerfahrene Kim Jong Un und die alten Frauen und Männer um ihn herum müssen nun dem Land Trauer verordnen und dem Sohn Glaubwürdigkeit im Volk verschaffen. Sie brauchen in diesen schweren Zeiten innenpolitische Stabilität. "Ironischerweise könnte Kim Jong Ils Tod aus Korea für wenigstens ein Jahr das Land der Morgenruhe machen...", spekulieren die Wissenschaftler Peter Hayes, Scott Bruce und David von Hippel vom auf Nordkorea spezialisierten Nautilus-Institut in Washington.

Eine Schlüsselrolle kommt dabei China zu, das starke wirtschaftliche Interessen beim Nachbarn hat, wie etwa den Abbau von Kohle, Eisenerz und anderer Mineralien. Es ist an einem Zusammenbruch Nordkoreas nicht interessiert, weil ein Bürgerkrieg die wirtschaftliche Entwicklung des Nordostens gefährden könnte. Deshalb scheint die chinesische Führung die Kim-Dynastie zu stützen.

Und sie hofft, dass der junge Kim im Gegensatz zu seinem Vater eines Tages doch die strenge Planwirtschaft reformiert.

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Xircusmaximus 19.12.2011
1. Aha, Wir wissen jetzt Bescheid
Zitat von sysopDer Tod von Kim Jong Il beunruhigt Nordkoreas Nachbarn und den Westen. Schon zu Lebzeiten des Diktators agierte das Regime in Pjöngjang unberechenbar. Jetzt herrscht Besorgnis, dass Nachfolger Kim Jong Un innenpolitische Schwäche mit außenpolitischer Aggressivität überdeckt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804635,00.html
Ohne Kim keine Krise. Schön das wir drüber gesprochen haben.
Atheist_Crusader 19.12.2011
2. ...
Zitat von sysopDer Tod von Kim Jong Il beunruhigt Nordkoreas Nachbarn und den Westen. Schon zu Lebzeiten des Diktators agierte das Regime in Pjöngjang unberechenbar. Jetzt herrscht Besorgnis, dass Nachfolger Kim Jong Un innenpolitische Schwäche mit außenpolitischer Aggressivität überdeckt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804635,00.html
Es ist aber noch sehr fraglich, ob sie über geeignete Trägersysteme verfügen. Die besten Einschätzungen gehen dahin, dass sie die Bombe aus einem Transportflugzeug abwerfen müssten. ...abgesehen natürlich von denen, die sie vor Jahren in südkoreanische, japanische und US-amerikanische Hafenstädte eingeschmuggelt haben könnten. Den Geheimdienst dafür haben sie. Ja. Aber in puncto Technologie und Doktrinen ist die nordkoreanische Armee vor allem dazu geeignet, den Koreakrieg mit den Mitteln der 80er und 90er Jahre nachzuspielen. Die Südkoreaner und ihre US-Verbündeten haben da wesentlich mehr drauf. Und deshalb würden sie auch einige Schwierigkeiten haben, ihre Armee unter Gefechtsbedingungen auch vernünftig zu versorgen. Nicht mit allem - Ausrüstung, Munition und Treibstoff lassen sich lange lagern - aber gerade Verpflegung, Ersatzteile...
Sabi 19.12.2011
3. Kinder
Zitat von sysopDer Tod von Kim Jong Il beunruhigt Nordkoreas Nachbarn und den Westen. Schon zu Lebzeiten des Diktators agierte das Regime in Pjöngjang unberechenbar. Jetzt herrscht Besorgnis, dass Nachfolger Kim Jong Un innenpolitische Schwäche mit außenpolitischer Aggressivität überdeckt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804635,00.html
Deshalb gehören Atomwaffen und Raketen nicht in die Hände von Schmuddel-Diktaturen à la Nordkorea, Pakistan, Iran, etc.
cogitoergobum 19.12.2011
4. In Ostberlin sah es damals auch so aus.
Zitat von sysopDer Tod von Kim Jong Il beunruhigt Nordkoreas Nachbarn und den Westen. Schon zu Lebzeiten des Diktators agierte das Regime in Pjöngjang unberechenbar. Jetzt herrscht Besorgnis, dass Nachfolger Kim Jong Un innenpolitische Schwäche mit außenpolitischer Aggressivität überdeckt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804635,00.html
[QUOTE=sysop;9323561]Der Tod von Kim Jong Il beunruhigt Nordkoreas Nachbarn und den Westen. Schon zu Lebzeiten des Diktators agierte das Regime in Pjöngjang unberechenbar. Jetzt herrscht Besorgnis, dass Nachfolger Kim Jong Un innenpolitische Schwäche mit außenpolitischer Aggressivität überdeckt. Machtwechsel in Nordkorea: Kims Tod stürzt Asien in Krisenangst - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804635,00.html)[/QUOT Man könnte die doch beim nächst Karneval der Kulturen nach Berlin einladen.
willlie 19.12.2011
5.
Zitat von sysopDer Tod von Kim Jong Il beunruhigt Nordkoreas Nachbarn und den Westen. Schon zu Lebzeiten des Diktators agierte das Regime in Pjöngjang unberechenbar. Jetzt herrscht Besorgnis, dass Nachfolger Kim Jong Un innenpolitische Schwäche mit außenpolitischer Aggressivität überdeckt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804635,00.html
Schon wieder Krise und Angst.... Das Defätistenjournal SPIEGEL verbreitet schon wieder Angst. Liebe Redaktion, man kann zwar mit Sensationsaufbauschung Geld verdienen, sollte aber auf dem Teppich bleiben,.... bitte......
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