Machtwechsel in Nordkorea: Kim Jong Un wird "oberster Führer"

"Anführer von Partei, Staat und Armee": Der Sohn des gestorbenen Diktators Kim Jong Il ist vor Zehntausenden Menschen in Pjöngjang zum neuen Herrscher ausgerufen worden. Offizielles Staatsoberhaupt ist der junge Kim aber noch nicht.

Kim Jong Un bei Zeremonie in Pjöngjang: "Geachteter Genosse" Zur Großansicht
AP/ KRT

Kim Jong Un bei Zeremonie in Pjöngjang: "Geachteter Genosse"

Seoul/Pjöngjang - Am letzten Tag der Staatstrauer für den gestorbenen Alleinherrscher Kim Jong Il ist dessen Sohn und Nachfolger Kim Jong Un zum obersten Führer ausgerufen worden. "Der geachtete Genosse Kim Jong Un ist der oberste Führer unserer Partei und des Militärs", rief das protokollarische Staatsoberhaupt des kommunistischen Landes, Kim Yong Nam, am Donnerstag vor Zehntausenden von Menschen bei einer Militärparade im Zentrum Pjöngjangs.

Auch die amtliche Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete Kim Jong Un als "obersten Führer der Partei, des Staates und der Armee". Wann der noch nicht 30-Jährige auch formal oberster Machthaber des Landes wird, war zunächst unklar. Dazu müsste er nach der Verfassung wie sein Vater Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission - des höchsten Entscheidungsgremiums - werden.

Der Militärvertreter Kim Jong Gak versicherte dem neuen Führer die Treue des Militärs. Die Armee spielt mit 1,2 Millionen Soldaten eine wichtige Rolle in der Politik Nordkoreas.

Kim Jong Un überblickte nach Berichten des Staatsfernsehens bei der zentralen Gedenkfeier für seinen Vater in Pjöngjang an der Seite von ranghohen Militärs und Parteifunktionären von einem Balkon aus die Menge. Mit auf dem Balkon stand Kim Jong Ils jüngere Schwester, Kim Kyong Hui. Es wird erwartet, dass auch sie zukünftig eine wichtige Rolle spielen wird.

Während der Veranstaltung verharrten die Menschen drei Minuten lang in Schweigen. Danach waren den Berichten zufolge im ganzen Land Schiffssirenen und Signalhörner von Zügen zu hören. Mit der Zeremonie endete offiziell die 13-tägige Trauerzeit.

Kim Jong Il hatte seinen jüngsten Sohn schrittweise auf die Nachfolge vorbereitet. Der Diktator, der das Land 17 Jahre lang mit eiserner Faust regiert hatte, war nach offizieller Darstellung am 17. Dezember infolge eines Herzinfarkts gestorben. Am Mittwoch hatte Nordkorea mit einer pompös inszenierten öffentlichen Beisetzungsfeier in Pjöngjang Abschied von Kim genommen.

fab/dpa/AFP/dapd

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1. Staatsoberhaupt
rainer_daeschler 29.12.2011
Staatsoberhaupt wird Kim Jong-un auch nie werden, nicht mal Regierungschef. Das war auch auch der Vater nicht. Staatsoberhaupt bleibt Kim Il-sung als "ewiger Präsident". Die Macht des "Geliebten Führers" basierte auf der Führung der Partei und des "Nationalen Verteidigungsrats". Der Sohn muss also die selben Positionen einnehmen. Die Position des "obersten Führers" ist also durch Einfluss definiert, nicht durch die Position im Staatsapparat. Bei einem Staatsbesuch müsste das Gastgeberland eigentlich erst mal rätseln, wie viel Schuss Salut der Position eine "obersten Führers" protokollarisch angemessen wären.
2. verstehe nicht...
derlabbecker 29.12.2011
... warum die da jetzt alle diesem Milchbubi hinterherrennen. Selbst gestandene Generäle machen diesen Unsinn mit. Immer wieder faszinierend wie ein paar Leute ihre Macht zementieren... Wie selbstverständlich wird der jüngste Sohn der Nachfolger, und keiner muckt auf. OK, das geht mit kleinen Geschenken (mal wieder ein paar Leute zum General machen etc.).. aber wie hält man die breite Masse hinter sich? Nur mit ein paar tausend Stasi Leuten? Immer wieder faszinierend.
3. "Heldenvererbung"
rainer_daeschler 29.12.2011
Zitat von derlabbeckerverstehe nicht... ... warum die da jetzt alle diesem Milchbubi hinterherrennen. Selbst gestandene Generäle machen diesen Unsinn mit..
Er braucht sie und sie brauchen ihn.Schon Kim Jong-il profitierte von der völlig überhöhten Heldengestalt seines Vaters. Der wirkte mit seinen Plateauschuhen und der hoch toupierten Frisur eigentlich lächerlich gegenüber der für koreanische Verhältnisse vergleichsweise hühnenhaften Statur seines Vaters. Es kostete einen enormen Propagandaaufwand auch aus ihm einen Abglanz der Heldengestalt seines Vaters zu machen. Mit jeder Generation wird diese "Heldenvererbung" schwieriger und damit auch für die alten Generäle sich ihrer zu bedienen.
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