Berichte über angebliche CIA-Beteiligung Überfall auf Nordkoreas Botschaft - doch wer steckt dahinter?

Unbekannte dringen in Nordkoreas Botschaft in Madrid ein, fesseln mehrere Personen, nehmen Computer mit. Berichte spanischer Medien legen eine Verbindung zur CIA nahe. Die Polizei schweigt.

Nordkoreanische Botschaft in Madrid
REUTERS

Nordkoreanische Botschaft in Madrid


Ein rätselhafter Angriff auf die nordkoreanische Botschaft in Madrid beschäftigt spanische Ermittler.

Wenige Tage vor dem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un am 27. Februar in Hanoi war eine Gruppe von zehn Personen in die Vertretung in der spanischen Hauptstadt gestürmt.

Berichte spanischer Zeitungen legen eine Verbindung mehrerer Beteiligter zum US-Auslandsgeheimdienst CIA nahe. Der Vorfall könnte zu erneuten Spannungen zwischen den USA und Nordkorea führen, aber auch die Beziehungen der Amerikaner zum Nato-Verbündeten Spanien belasten.

Worum geht es im Einzelnen? Ein Überblick.

Was geschah in der Botschaft?

Am 22. Februar gegen 15 Uhr brach eine Gruppe von zehn Personen in die nordkoreanische Botschaft im Stadtteil Aravaca der spanischen Hauptstadt Madrid ein. Berichten zufolge fesselten und knebelten sie mehrere Personen und nahmen Computer mit. Eine Frau habe sich befreien und durch ein Fenster fliehen können.

Nachbarn hörten demnach ihre Hilferufe und alarmierten die Polizei. Die Streifenbeamten seien aber zunächst am Eingang der Botschaft abgewiesen worden. Ein "asiatisch aussehender Mann" hätte den Beamten gesagt, es sei nichts geschehen. Noch während die Polizei sich in unmittelbarer Nähe befand, flüchteten die Angreifer den Angaben zufolge in Botschaftsautos. Letztere wurden später in einer nahe gelegenen Straße leer aufgefunden.

Im Inneren der Botschaft hätten die Beamten die verängstigten Nordkoreaner gefunden, berichtet die Tageszeitung "El País". Diese seien zwei Stunden lang von den Angreifern festgehalten worden. Zwei Personen mussten demnach ärztlich versorgt werden.

War die CIA beteiligt?

Dem SPIEGEL gegenüber verweigerte die spanische Polizei jede Stellungnahme. Es würden derzeit weder Informationen zu dem Fall herausgegeben noch sei eine öffentliche Mitteilung geplant, sagte eine Sprecherin der Behörde. Das spanische Verteidigungsministerium war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Zum Verantwortungsbereich des Verteidigungsministeriums gehört unter anderem der Geheimdienst CNI, der in der Sache ebenfalls ermittelt.

Laut "El País" haben Ermittler inzwischen mindestens zwei der zehn mutmaßlichen Angreifer identifiziert; beide hätten "Verbindungen zu US-Geheimdiensten". Zu diesem Schluss seien die Ermittler nach einer Auswertung der Aufnahmen von Sicherheitskameras, der Befragung der Geiseln und einer Untersuchung der Fluchtautos gekommen. Bei der Mehrzahl der Angreifer handele es sich zwar um Koreaner, zwei Beteiligte seien aber von spanischen Geheimdienstlern als Personen mit Verbindungen zur CIA identifiziert worden.

CIA-Hauptquartier in Langley, Virginia
DPA

CIA-Hauptquartier in Langley, Virginia

Die Operation war demnach perfekt geplant, vergleichbar der eines Militärkommandos. Die Angreifer hätten genau gewusst, wonach sie suchten: weder Geld noch Wertsachen, sondern Computerarchive und Mobiltelefone. Es gebe ferner Hinweise, die eine Zusammenarbeit der CIA mit dem südkoreanischen Geheimdienst wahrscheinlich erscheinen lassen.

Zuvor hatte schon die Digitalzeitung "El Confidencial" berichtet, dass die Polizei und Spaniens Geheimdienst die US-Geheimdienste verdächtigen. Es gebe mehrere Fährten, die die Polizei gerade verfolge. Keine Theorie sei zum derzeitigen Zeitpunkt auszuschließen. Anonymen Quellen zufolge gilt es als immer wahrscheinlicher, "dass die Geheimdienste der USA die Aktion geplant haben, wahrscheinlich in Zusammenarbeit mit anderen Geheimdiensten oder anderen Partnern".

Wonach suchten die Angreifer?

Sowohl "El País" als auch "El Confidencial" berichten, dass Ermittler von einem Zusammenhang zur Person des Ex-Botschafters Nordkoreas in Spanien, Kim Hyok Chol, ausgehen. Der Angriff könnte demnach dazu gedient haben, Informationen über ihn zu bekommen - obwohl sich Kim schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr in Madrid befindet.

Der frühere Botschafter musste nach Nukleartests des nordkoreanischen Regimes im Jahr 2017 als unerwünschte Person Spanien verlassen. Er ist nun aber eine zentrale Figur bei den Abrüstungsgesprächen zwischen Nordkorea und den USA. In dieser Funktion half er auch, den Gipfel in Vietnam zwischen Kim und Trump vorzubereiten.

Was bedeutet der Vorfall für die Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea?

Der Vorfall trug sich fünf Tage vor dem zweiten Gipfel zwischen Trump und Kim in Hanoi zu. Das Treffen wurde ohne Ergebnis abgebrochen. Nordkorea bestand auf dem Ende der Sanktionen. Die USA willigten nicht ein. Der Vorfall könnte die Beziehungen der beiden Länder weiter belasten.

Kim Jong Un und Donald Trump
KCNA/AFP

Kim Jong Un und Donald Trump

Was sind die mögliche Folgen für das spanisch-amerikanische Verhältnis?

Die Hinweise auf eine Beteiligung von US-Spionagediensten seien so solide, dass spanische Verantwortliche die CIA kontaktiert und nach einer Erklärung gefragt hätten, berichtet "El País" unter Berufung auf Regierungsquellen. Der US-Geheimdienst habe verneint, die Antwort sei aber "wenig überzeugend" gewesen.

Es wäre spanischen Regierungsvertretern zufolge ein "unzumutbarer" Akt eines verbündeten Staates, sollte sich die Urheberschaft des US-Auslandsgeheimdienstes nachweisen lassen. Letzterer hätte in dem Fall nicht nur ohne Erlaubnis oder Benachrichtigung des Gastlandes gehandelt, sondern auch völkerrechtliche Konventionen zum Schutz diplomatischer Vertretungen verletzt.

Es sei laut denselben Quellen aber nicht wahrscheinlich, dass eine Beteiligung der CIA sich werde nachweisen lassen. Weder die Botschaft noch die angegriffenen Mitarbeiter haben, soweit bekannt, Anzeige erstattet.

asa



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