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Madrider Anschläge: Regierung Aznar versuchte Presse zu manipulieren

In Spanien sind weitere Einzelheiten der Informationspolitik von Ministerpräsident Aznar ans Licht gekommen. Nach den Anschlägen von Madrid versuchte die Regierung mit gezielten Telefonanrufen die Berichterstattung zu beeinflussen. Von höchster Stelle wurde Journalisten mitgeteilt, dass die Eta hinter den Terrorattacken stecke.

Aznar: "Es war die Eta. Haben sie daran nicht den geringsten Zweifel"
EPA/DPA

Aznar: "Es war die Eta. Haben sie daran nicht den geringsten Zweifel"

Madrid - Der Foreign Press Club erklärte am Dienstag in Madrid, mehrere ausländische Journalisten seien von ranghohen Regierungsmitarbeitern angerufen worden. Dabei habe man ihnen die baskische Separatistenorganisation Eta als Verantwortliche für die Bombenanschläge ans Herz gelegt.

Der Leiter des Presseclubs für ausländische Journalisten, Steven Adolf, teilte mit, bei Korrespondenten seien Anrufe aus dem Büro von Ministerpräsident José María Aznar eingegangen - "mit der ausdrücklichen Bitte, in unseren Berichten und Sendungen darauf hinzuweisen, dass die Eta Urheber der Madrider Anschläge sei. Einige Telefonate seien sogar noch geführt worden, nachdem bereits ein verdächtiger Lieferwagen mit einer auf arabisch besprochenen Kassette gefunden wurde.

Der Herausgeber der Zeitung "El Periódico" behauptet ebenfalls eine versuchte Einflussnahme der Regierung auf Reporter. Er sei sei von Aznar persönlich angerufen worden, als die Zeitung eine Sonderausgabe zu den Anschlägen vorbereitete. In dieser Ausgabe wurde die Eta für die Taten verantwortlich gemacht. Dies gehe auf eine Aussage Aznars zurück, so Franco. Der Ministerpräsident habe ihm wörtlich gesagt: "Es war die Eta. Haben sie daran nicht den geringsten Zweifel."

Eine Täterschaft der Eta hätte Aznars konservativer Volkspartei bei der Parlamentswahl drei Tage nach den Anschlägen genützt, eine vermutete Beteiligung islamischer Extremisten dagegen geschadet. Aznar hatte sich gegen den Widerstand eines Großteils der Bevölkerung am Irak-Krieg beteiligt; viele sahen in den Anschlägen einen Racheakt für die Irak-Politik des Regierungschefs. Die Spanier stimmten bei der Parlamentswahl für einen Regierungswechsel.

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