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Märsche in Myanmar: Junta ruft protestierende Mönche zur Ordnung

Bislang hat Myanmars Regierung zurückhaltend auf die Protestbewegung im Land reagiert. Eine Woche nach Beginn der Demonstrationen ruft die Junta die Mönche nun über staatlich kontrollierte Religionsführer zur Ordnung. Doch die Geistlichen marschieren weiter - und es werden immer mehr.

Rangun - Tag sieben der Mönchsmärsche in Myanmar: Auch zum Wochenauftakt geht die Protestbewegung gegen die Militärregierung weiter. Vor der Shwedagon-Pagode in der größten Stadt Rangun versammelten sich heute nach Augenzeugenberichten erneut rund 30.000 buddhistische Mönche, um gegen die Junta zu demonstrieren. Es war die größte Kundgebung gegen die Führung seit Beginn der friedlichen Proteste durch buddhistische Mönche vor mehr als einer Woche. Mindestens 15.000 Geistliche nahmen am Montag an dem Protestzug teil, begleitet wurden sie von 15.000 einfachen Bürgern.

Shwedagon-Pagode in Rangun: Die Mönche in Myanmar marschieren weiter
REUTERS

Shwedagon-Pagode in Rangun: Die Mönche in Myanmar marschieren weiter

Nach dem bislang größten Protest gegen das Regime seit fast 20 Jahren hatten in der Nacht zu heute etwa 600 Mönche vor dem buddhistischen Heiligtum ausgeharrt. Sie wurden von der Bevölkerung, darunter zwei prominente Schauspieler, mit Lebensmitteln und Wasser versorgt. "Wir sind alle Buddhisten", sagte der Schauspieler Kyaw Thu. "Wir werden alles für die Versorgung der Mönche tun." Die Mönche protestierten im Namen des Volkes, betonte er.

Nach tagelanger Zurückhaltung meldete sich heute auch erstmals die Regierung zu Wort. Über die von ihr kontrollierten Religionsführer in Birma rief sie die protestierenden Mönche zur Ordnung. Der Sangha Nayaka-Rat forderte die Klöster in Rangun öffentlich auf, alle zu Besuch verweilenden Mönche aus dem Umland nach Hause zu schicken. Bislang hatte das Militärregime den Demonstrationen tatenlos zugesehen.

Die Proteste hatten sich zunächst an drastischen Preiserhöhungen entzündet, die das Leben für viele in dem armen Land unerschwinglich gemacht haben. Eine Untergrundgruppe von Mönchen soll inzwischen aber den Sturz der Regierung anstreben. Die Gruppe soll auch Bürger aufgerufen haben, an den Demonstrationen teilzunehmen.

Mehr als 200 Festnahmen

Am Sonntag hatten 20.000 Menschen zusammen mit den Mönchen in Rangun demonstriert. Tags zuvor hatten es die Protestler sogar geschafft, an einer Straßensperre vorbei bis zum Haus der unter Hausarrest eingesperrten Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi zu ziehen. Größere Zusammenstöße gab es bisher nicht. 1988 hatte die Militärregierung die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen.

Trotz der öffentlichen Zurückhaltung kommt es offenbar dennoch zu Festnahmen. Die birmanische Menschenrechtsbewegung "Hilfsverein für politische Gefangene" teilte in Bangkok mit, seit Beginn der Proteste seien 218 Menschen von den Militärs inhaftiert worden. Oppositionelle würden "geschlagen und extremer körperlicher und seelischer Folter ausgesetzt", sagte der Chef der in Thailand ansässigen Gruppe, Bo Kyi, am Montag in der thailändischen Hauptstadt.

Nach Einschätzung eines südostasiatischen Diplomaten toleriert die Junta die Proteste weitgehend auch aus Rücksichtnahme auf China. China übe als wichtigster Wirtschaftspartner Myanmars starken Druck auf die Junta aus, vor den Olympischen Spielen im kommenden Jahr Konfrontationen zu vermeiden. "Jeder weiß, dass China der größte Unterstützer der Junta ist", sagte der Diplomat der Nachrichtenagentur AP. "Wenn die Militärregierung nun irgendwas unternimmt, wird das auch das Image von China beschädigen."

China zählt auf die großen Öl- und Gasvorkommen Birmas zur Versorgung seiner boomenden Wirtschaft. In diesem Jahr blockierte Peking eine Sicherheitsratsresolution, in der die Menschenrechtslage in Myanmar kritisiert werden sollte. Zugleich übte Peking in stiller Diplomatie Druck auf die Junta aus, einen Dialog für demokratische Reformen aufzunehmen.

phw/AFP/AP/Reuters

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