Mafiakontakte Geschäftspartner Berlusconis muss ins Gefängnis

Weniger als 24 Stunden nachdem der italienische Ministerpräsident Sivio Berlusconi einer Verurteilung wegen Korruption entging, wurde sein Geschäftspartner Marcello Dell'Utri wegen Mafiakontakten zu neun Jahren Haft verurteilt. Berlusconi will im eigenen Fall in Berufung gehen.


Italienischer Ministerpräsident Berlusconi: Freispruch zweiter Klasse
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Italienischer Ministerpräsident Berlusconi: Freispruch zweiter Klasse

Rom/Palermo - Ein italienisches Gericht befand Marcello Dell'Utri am Samstagmorgen für schuldig, mit der Mafia kooperiert zu haben. Ihm war vorgeworfen worden, als Bindeglied zwischen der Mafia und der politischen und wirtschaftichen Elite Italiens gewirkt zu haben. Dell'Utri, ein Senator und Mitglied der regierenden "Forza Italia"-Partei des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, wurde zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. In der Vergangenheit hatte es enge Geschäftsbeziehungen zwischen Berlusconi und Dell'Utri gegeben. So leitete Dell'Utri zum Beispiel Berlusconis Werbefirma "Publitalia".

Berlusconi selbst war gestern in einem gegen ihn angestrengten Korruptionsprozess mit einem blauen Auge davongekommen. Zwar wurde der Ministerpräsident im Mailänder Korruptionsprozess in einem Anklagepunkt freigesprochen, seiner Verurteilung in einem anderen Fall wegen Schmiergeldzahlungen entkam er aber nur durch Verjährung. Seine Verteidiger kündigten mittlerweile Berufung an, um in beiden Fällen einen lupenreinen Freispruch zu erzielen. Die Staatsanwaltschaft hatte in dem langwierigen Verfahren eine Haftstrafe von acht Jahren für den Regierungschef gefordert.

Am Freitagabend hatten die drei Richter unter dem Vorsitz von Francesco Castellano nach mehr als 24 Stunden ihre Entscheidung getroffen: Freispruch im ersten Fall von Richterbestechung. Doch im zweiten Anklagepunkt gab es nur einen "Freispruch zweiter Klasse", wie Freisprüche angesichts der großzügigen Verjährungsregelungen in Italien genannt werden. So endeten dort schon viele Schmiergeldprozesse. Das Urteil hinterlässt somit zumindest einen faden Beigeschmack. Denn Berlusconi konnte "offenbar nur durch eine Verjährungsfrist vor einer Verurteilung bewahrt werden", urteilte die Nachrichtenagentur Reuters. Eine Urteilsbegründung wird das Gericht erst in Tagen oder Wochen liefern.

Bereits ein halbes Dutzend verfahren

Das Gericht sprach Berlusconi von dem Vorwurf frei, er habe in den achtziger Jahren Richter bestochen, um ein Urteil über den Verkauf des staatlichen Lebensmittelkonzerns SME zu beeinflussen. 1985 wurde der SME-Verkauf an Berlusconis Konkurrenten Carlo de Benedetti gerichtlich gestoppt und zu Gunsten der Gruppe um Berlusconi entschieden. Der Kauf kam aber nicht zustande; SME wurde später in Teilen verkauft.

Der zweite Vorwurf bestand darin, dass er 1991 nochmals einen Richter mit 433.000 Dollar aus dem Privatvermögen bestochen haben soll, um sich so seinem Firmenimperium Fininvest dienliche Entscheidungen zu erkaufen. Ein Fininvest-Anwalt und der Richter sind in diesem Fall im vergangenen Jahr zu fünf und acht Jahren Haft verurteilt worden. In dem Anklagepunkt wurde auf Verjährung erkannt.

Der Medien-Mogul selbst stritt die Vorwürfe ab und bezeichnet sich als Opfer einer politisch motivierten Hexenjagd von linken Juristen. Der Mailänder Justiz warf er in der Vergangenheit immer wieder vor, sie führe eine politische Kampagne gegen ihn. Mehrfach hatte er angekündigt, selbst im Falle einer Verurteilung werde er nicht zurücktreten, sondern eher auf Neuwahlen dringen.

Berlusconi hat bereits ein halbes Dutzend in den vergangenen Jahren gegen ihn angestrengte Prozesse unbeschadet überstanden. Zwei Mal gab es Haftstrafen in erster Instanz. Später verjährten einige Straftaten, einige Verfahren wurden niedergeschlagen, andere endeten mit Freisprüchen.



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