Abbas' Entschuldigung nach antisemitischer Rede "Voller Respekt" für das Judentum

Vor wenigen Tagen sorgte Mahmoud Abbas mit einer antisemitischen Rede für Empörung. War alles nicht so gemeint, sagt der 82-Jährige jetzt - und wurde erneut an die Spitze der Palästinenserorganisation PLO gewählt.

Mahmoud Abbas
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Nach seiner antisemitischen Hetzrede hat Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas eine Entschuldigung für seine Worte angeboten. Es sei nicht seine Absicht gewesen, Juden zu verletzen, sagte er laut Mitteilung. Er zeige "vollen Respekt" für das Judentum genauso wie für andere monotheistische Religionen. Beim Holocaust handle es sich um das "abscheulichste Verbrechen der Geschichte".

Am Montagabend klang das noch anders. Abbas hatte in einer Rede nahegelegt, dass die Beziehungen der Juden zum Bankwesen mit der jahrhundertelangen Judenfeindlichkeit und somit auch der Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten zu tun habe. Die Äußerungen wurden international scharf verurteilt.

Dennoch wählte der Palästinensische Nationalrat zum Abschluss einer viertägigen Sitzung in Ramallah Abbas erneut zum Vorsitzenden des Exekutivkomitees der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO. Zudem wurden die Mitglieder des 15-köpfigen Gremiums bestimmt, darunter erneut PLO-Generalsekretär Saeb Erekat.

Boykott durch zahlreiche Mitglieder

Der Palästinensische Nationalrat, das Exilparlament, ist das höchste Organ der PLO und hat rund 700 Mitglieder. Er war zuletzt 2009 zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengekommen. Abbas wurde 2005 gewählt, eigentlich für eine Amtszeit von vier Jahren. Seitdem gab es keine Präsidentschaftswahlen mehr. Abbas hat keinen Nachfolger aufgebaut - und ist nun bereits 82 Jahre alt.

Thema der Sitzung war auch eine neue Strategie nach der Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch US-Präsident Donald Trump. Der Schritt hatte bei den Palästinensern großen Zorn ausgelöst. Zunächst gab es dazu allerdings keine Aussagen.

Zahlreiche Mitglieder hatten die Sitzung zudem boykottiert, weil sie nicht im Ausland stattfand, und daher Mitglieder radikaler Gruppierungen wie Hamas und Islamischer Dschihad aus dem Gazastreifen nicht als Beobachter teilnehmen konnten.

Ismail Hanija, Chef der im Gazastreifen herrschenden Hamas, hatte schon vor Beginn der Versammlung gesagt, man werde ihre Beschlüsse nicht akzeptieren. Die Fatah-Bewegung von Abbas und die Hamas hatten im vergangenen Jahr eine Versöhnung vereinbart, die jedoch weitgehend gescheitert ist.

aev/apr/Reuters/dpa



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