Antisemitische Rede Abbas gibt Juden Schuld am Holocaust

Die millionenfache, industrielle Ermordung der Juden durch die Nazis ist einmalig in der Geschichte. Nun verbreitet Palästinenserpräsident Abbas eine sehr eigene, krude Sicht der Dinge.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas
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Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas


Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hat in einer antisemitischen Rede dem jüdischen Volk die Schuld am Holocaust gegeben, also an der Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis. Der Holocaust sei nicht durch Antisemitismus ausgelöst worden, sondern durch das "soziale Verhalten" der Juden, sagte Abbas nach Angaben der amtlichen palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa vor dem Palästinensischen Nationalrat, einem Gremium der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO.

Zum angeblichen "sozialen Verhalten" der Juden zählte Abbas unter anderem das Verleihen von Geld - eine klassische antisemitische Zuordnung.

Der 82-Jährige vertrat zudem die Ansicht, dass das jüdische Volk keine historischen Wurzeln in der Region Nahost habe. Adolf Hitler habe die Einwanderung von Juden ins historische Palästina durch einen Deal zwischen dem deutschen Wirtschaftsministerium und der Anglo-Palestine Bank unterstützt, sagte Abbas. Dadurch hätten Juden bei der Einwanderung ihr gesamtes Vermögen über die Bank mitnehmen können.

Tatsächlich konnte das sogenannte Haavara-Abkommen, auf das Abbas anspielt, von 1933 bis 1939 lediglich von etwas mehr als 50.000 Juden genutzt werden. Für den weitaus größeren Teil der rund 300.000 Juden, die insgesamt aus Deutschland ins Ausland emigrieren konnten, war die Auswanderung in der Regel mit erheblichen Vermögensverlusten verbunden, weil das Nazi-Regime ihren Besitz konfiszierte. Nach Kriegsbeginn wurde Juden die Ausreise aus Deutschland de facto unmöglich gemacht.

Abbas betonte allerdings auch: "Ich sage hier nicht, dass Israel entfernt werden solle. Israel existiert, und alles, was ich will, ist ein Staat, sodass wir zusammen in Frieden leben können."

Ob Abbas' Äußerungen von israelischer Seite als Beitrag zum Frieden gewertet werden, darf bezweifelt werden.

Bereits im Januar hatte Abbas in einer umstrittenen Rede Israel als "koloniales Projekt" bezeichnet, "das nichts zu tun hat mit Juden, die Juden wurden stattdessen als Werkzeug benutzt". Israels Staatspräsident Reuven Rivlin kritisierte diese Äußerung scharf. Abbas habe "genau das gesagt, was dazu geführt hat, dass er vor Jahren des Antisemitismus und der Holocaust-Leugnung beschuldigt wurde".

In seiner Anfang der Achtzigerjahre vorgelegten Doktorarbeit hatte Abbas den Holocaust relativiert und der zionistischen Bewegung vorgeworfen, sie habe mit dem Hitler-Regime kollaboriert. 2014 hatte er dann erstmals die Judenvernichtung während des Holocausts als das "schlimmste Verbrechen der Neuzeit" bezeichnet.

fdi/dpa



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citi2010 01.05.2018
1.
Aus der Rubrik mit dem Arsch einreissen, was man mit den Händen aufgebaut hat. Wenn man bedenkt wie nah zu Zeiten von Camp David und Oslo mal ein Frieden war und wenn man jetzt jeden Tag von Netanyahu und jetzt diesem kranken Abbas liest, dann kann man nur heulen.
derboesewolfzdf 01.05.2018
2. irgendwie hat man das Gefühl
dass die PLO kein Interesse an Frieden in der Region hat. Hetzen und dann relativieren wird heute überall gemacht, um sich dann darüber echauffieren zu können dass die Gegenseite ja kein Interesse am Dialog hat.
bigroyaleddi 01.05.2018
3. Bei solchen kranken Äußerungen
braucht man sich nicht zu wundern, wenn das mit einem wie auch gearteten Frieden in Nahost nichts wird. Auf der einen Seite die ultrarechten Israelis, auf der anderen Seite die Palestinenser, welche auch nicht einen Yota von ihren Traumforderungen abrücken wollen. Als hätten wir nicht Kriegsbaustellen auf dieser Welt genug.
voiceecho 01.05.2018
4. Unerträglich!
Abbas hat nach dem Tod Arafats den Palästinenser nichts geboten, außer seinen kruden Thesen zu Israels und die Judenvernichtung durch das NS-Regime. Entweder ist er ein unverbesserlicher Holocaustleugner und Antisemit oder er leider an Alterssenilität! Fakt ist, dass er den Palästinenser de facto nichts gebracht hat und das ist wahrscheinlich sein Hauptproblem, denn Arafat war lange ein „Freiheitskämpfer“ und dann ein Friedensstifter, auch wenn er sein Traum eines unabhängigen Palästina nicht erreicht hat, wird er von vielen Palästinenser noch verehrt. Abbas befürchtet, dass nach sein Ableben niemand sich an ihn erinnert, mangels Errungenschaften. Deshalb versuchte sich immer wieder durch unhaltbare und zum Teil hirnrissige „Theorien“ im Gespräch zu bleiben!
daf 01.05.2018
5.
Wie kann man denn solche Sachen wie Abbas sagen und ernsthaft erwarten, dass die Gegenseite dazu bereit ist einem komplette Autonomie zu schenken. Ich will gar nicht wissen was er sonst noch so von sich gibt.
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