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04. Mai 2012, 13:28 Uhr

Makabere Durchsage

"Willkommen im Zug nach Auschwitz"

Eine geschmacklose Durchsage hat Bahnfahrer in Belgien schockiert: In einem Zug nach Brüssel sagte ein Unbekannter durch Lautsprecher "Willkommen im Zug nach Auschwitz". Der Mann entkam unerkannt. Für eine liberale Politikerin hat der Fall auch eine politische Dimension.

Brüssel - Mit einer makaberen Durchsage in der Bahn hat ein Unbekannter in Belgien die Fahrgäste schockiert. "Willkommen im Zug Richtung Auschwitz", hörten entsetzte Passagiere am Donnerstagabend über Lautsprecher in dem Zug von Namur nach Brüssel, berichtete der belgische Rundfunk RTBF am Freitag. "Alle Juden werden gebeten, in Buchenwald auszusteigen."

Auschwitz-Birkenau war in der Zeit des Nationalsozialismus ein Vernichtungslager, in dem systematisch Juden ermordet wurden. Buchenwald war eines der größten Arbeitslager während der NS-Zeit.

Nach Angaben der belgischen Bahngesellschaft SNCB war ein Mann in die Kabine mit dem Lautsprecher eingedrungen und hatte die Ansage auf Französisch gemacht. Als der Schaffner in die Kabine lief, war der Unbekannte laut RTBF wieder verschwunden. Reisende bestätigten den Vorfall, über den auch die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete.

Die Bahngesellschaft verurteilte die antisemitische Aktion. Ein Sprecher schloss im Radio aus, dass ein Bahnangestellter die Durchsage gemacht haben könnte. Auch in der Politik schlug die Sache Wellen.

Die liberale Abgeordnete Viviane Teitelbaum kritisierte, dass die nationalsozialistische Vergangenheit in der politischen Debatte banalisiert werde: "Es werden immer mehr rote Linien überschritten. Dabei gibt es eine gewisse Verantwortung, wenn einige Politiker Vergleiche ziehen, sei es mit Goebbels oder mit anderen Vorfällen."

fab/dpa

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