Terror in Pakistan Extremisten bedrohen Nobelpreisträgerin Malala

Friedensnobelpreisträgerin Malala will eigentlich zurück in ihre Heimat Pakistan - doch dort droht Gefahr. Eine Splittergruppe der Taliban verkündet via Twitter: "Wir haben scharfe und gewetzte Messer."

Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai: "Scharfe und gewetzte Messer"
DPA

Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai: "Scharfe und gewetzte Messer"


Islamabad - Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai hat eine Drohung von pakistanischen Extremisten erhalten. Nur Stunden nach der Auszeichnung war auf Twitter zu lesen: "Charaktere wie Malala sollten wissen, dass wir nicht von der Propaganda (Ungläubiger) abgeschreckt werden. Wir haben scharfe und gewetzte Messer für die Feinde des Islam vorbereitet."

Absender der Kurznachricht ist die Jamaat-ul-Ahrar, eine Splittergruppe der pakistanischen Taliban, die sich im August von der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) abgespalten hatte. Sprecher Ehsanullah Ehsan ergänzte noch: "Malala spricht sich so gegen Waffen und bewaffnete Konflikte aus. Weiß sie nicht, dass der Gründer des Nobelpreises ein Sprengstofferfinder war?"

Malala Yousafzai hatte am Freitag gemeinsam mit Kailash Satyarthi den Friedensnobelpreis erhalten. Beide Kinderrechtsaktivisten waren für ihr Eintreten gegen die Unterdrückung von jungen Menschen und für deren Recht auf Bildung gewürdigt worden. Kinder müssten die Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen, und müssten vor Ausbeutung geschützt werden, hatte das Nobel-Komitee erklärt.

Malala lebt in England - und will nach Pakistan zurückkehren

Die Auszeichnung war auf der ganzen Welt positiv aufgenommen worden. Kanada will Malala zur Ehrenbürgerin ernennen. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, aber auch Politiker in Malalas Heimat Pakistan lobten das Nobel-Komitee für seine Entscheidung. "Wir sind stolz, dass ein pakistanisches Mädchen in so jungem Alter den Preis bekommen hat", sagte Pakistans Innenminister Nisar Ali Khan.

Die TTP selbst, eine Dachorganisation von mehr als einem Dutzend Gruppen, hat sich bisher nicht zu der Auszeichnung der Kinderrechtsaktivistin geäußert. Malala war vor zwei Jahren nach einem Kopfschuss durch Taliban in Pakistan fast ums Leben gekommen, erst mehrere Operationen retteten ihr das Leben. Seit dem Anschlag lebt sie in England. Zuletzt hatte sie aber angekündigt, in ihr Heimatland zurückkehren zu wollen, "in mein wunderschönes Swat-Tal".

bka/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 72 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fotowilly 11.10.2014
1. tu es nicht, bitte
Diese tolle junge Frau hat einen Anschlag auf ihr Leben überstanden. So viel Glück im Unglück wird es nicht wieder geben. Es nützt der Welt sicherlich mehr, wenn sie von GB aus agiert.
linkereuropäischerpatriot 11.10.2014
2. Humanitäre Hilfe durch uns!
Holt die Taliban doch zu uns und gebt ihnen einen deutschen Pass, damit Malala in Pakistan in ruhe wirken kann. Das entspräche doch der aktuellen gelebten deutschen Politik!
Prieg_den_Palästen 11.10.2014
3.
Die Drohung hat natürlich überhaupt nichts mit irgendeiner Religion zu tun. Der Glaube an eine höhere Macht gibt vielen Menschen Halt im Leben und sollte von uns respektiert werden. Dass die Einhaltung gottgegebener Gesetze nicht immer leicht fällt und gelegentlich Opfer fordert, muss man akzeptieren. Genau so wie kulturelle Eigenarten, die sich uns nicht immer auf den ersten Blick erschließen.
bssh 11.10.2014
4. Echte Männer!
Das sind echte Kerle, die lassen sich nicht von einem Mädchen abschrecken., sondern zeigen, dass sie zu vielen sogar mit einem Kind fertig werden ;-) Denen scheint wirklich nichts peinl,ich zu sein, so armselig wirken sie. Kinder ermorden, Frauen vergewaltigen: wirklich tolle Typen. :-(
Hermes75 11.10.2014
5. Mißbrauch von Erfindungen
Der oberschlaue Sprecher der Terroristen scheint den Ursprung des Nobelpreises nicht verstanden zu haben. Alfred Nobel hat den Sprengstoff nicht erfunden, sondern seine Handhabung sicher gemacht. Seine Erfindung das Dynamit wurde hauptsächlich für friedliche Anwendungen benutzt (zum Bau von Eisenbauen, Bergbau usw.). Wie immer gab es auch Leute die Erfindungen für schlechte Zwecke verwendet haben. Deshalb hat Nobel den Preis gestiftet. Terrorgruppen wie die Taliban, die Sprengstoff verwenden um Zivilisten in die Luft zu sprengen, gehören genau zu den Personen, die Erfindungen zum Schlechten verwenden - egal ob Sprengstoff oder Religionen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.