Boko-Haram-Geiseln Malala Yousafzai kritisiert fehlende Befreiungs-Bemühungen

Seit 300 Tagen befinden sich mehr als 200 Mädchen in der Gewalt der Terrorgruppe Boko Haram. Nun hat Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai die Politik aufgefordert, mehr für die Befreiung der Geiseln zu tun.

Malala Yousafzai bei einem Vortrag an der Uni von Birmingham: "Wir dürfen sie nicht vergessen"
REUTERS

Malala Yousafzai bei einem Vortrag an der Uni von Birmingham: "Wir dürfen sie nicht vergessen"


London - Seit Monaten befinden sich mehr als 200 nigerianische Schülerinnen in den Händen der Terrormiliz Boko Haram. Nach wie vor fehlt von den im nordnigerianischen Chibok verschleppten Mädchen jede Spur. Nun hat die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai dazu aufgerufen, mehr zur Befreiung der jungen Frauen zu tun.

"Wenn diese Mädchen die Kinder von politisch oder finanziell mächtigen Eltern wären, dann würde viel mehr getan, um sie zu befreien", schrieb Yousafzai auf ihrer Website. "Aber sie kommen aus einer verarmten Gegend in Nordost-Nigeria, und traurigerweise hat sich wenig getan, seit sie entführt wurden."

Yousafzai wandte sich in ihrem Schreiben explizit an die künftige nigerianische Regierung und die internationale Gemeinschaft. Diese müssten die Befreiung der Mädchen ganz oben auf die Agenda setzen, forderte Yousafzai. Die Präsidenten- und Parlamentswahl in Nigeria, die ursprünglich am kommenden Samstag stattfinden sollte, wurde wegen Sicherheitsbedenken um sechs Wochen auf den 28. März verschoben.

"Diese jungen Frauen haben alles riskiert, um eine Bildung zu bekommen, die für die meisten von uns selbstverständlich ist", schreibt Yousafzai weiter. "Wir dürfen sie nicht vergessen."

Boko Haram wütet in großen Teilen Nigerias, sie kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Schätzungsweise 13.000 Menschen sind seit 2009 bei Attacken der Miliz auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen gestorben.

Yousafzai, jüngste Nobelpreisträgerin der Geschichte, war 2012 Opfer der islamistischen Taliban in Pakistan geworden, die ihr bei einem Terroranschlag ins Gesicht geschossen hatten. Sie setzt sich für Kinderrechte und vor allem für bessere Bildungschancen für Mädchen ein. Sie lebt in Großbritannien.

gam/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.