Malala Yousafzai: Taliban-Opfer erhält millionenschweren Buchvertrag

Ihr Kampf für die Rechte von Mädchen hätte sie fast das Leben gekostet - die Pakistanerin Malala Yousafzai wurde von Taliban niedergeschossen und dabei schwer verletzt. Jetzt will die 15-Jährige ihre Geschichte in einem Buch erzählen. Ein britischer Verlag zahlt dafür mehr als zwei Millionen Euro.

Malala Yousafzai: Taliban-Opfer wird Buchautorin Fotos
DPA/ University Hospitals Birmingham

Birmingham - Der Titel steht schon: "I am Malala" soll das Buch heißen, in dem die 15-jährige Pakistanerin Malala Yousafzai ihre Lebensgeschichte erzählt - das Mädchen war vor rund drei Jahren bekannt geworden, als sie auf einem Blog des britischen Rundfunksenders BBC über die Situation im pakistanischen Swat-Tal berichtete, in dem die radikalislamischen Taliban das Leben bestimmen.

Yousafzai hatte damit den Zorn der Islamisten auf sich gezogen, im vergangenen Herbst war sie von einem Taliban-Kämpfer niedergeschossen worden.

"Wer von euch ist Malala? Mach den Mund auf, sonst erschieße ich alle", hatte am 9. Oktober ein Talib gesagt, als er zusammen mit weiteren Islamisten in einen Schulbus gestiegen war, in dem Malala mit anderen Schülern saß. Die Männer identifizierten Malala, ein Taliban-Kämpfer schoss dem Mädchen in den Kopf. Malala überlebte den Anschlag nur knapp, wurde zunächst in einem Militärkrankenhaus in Peschawar operiert und später zur weiteren Behandlung nach Großbritannien geflogen.

Sie hoffe, dass ihr Buch die Menschen auf der ganzen Welt erreichen werde, sagte das Mädchen jetzt laut einem Bericht des "Guardian". Ihr Leser sollten erfahren, dass es für manche Kinder sehr schwer sei, Zugang zu Bildung zu erhalten, fügte sie hinzu. "Ich möchte meine Geschichte erzählen. Aber es wird auch eine Geschichte über die 61 Millionen Kinder sein, die keine Bildung erhalten." Sie wünsche sich, dass ihr Buch Teil einer Kampagne werde, durch die jeder Junge und jedes Mädchen das Recht bekommt, zur Schule zu gehen. "Es ist ihr Grundrecht." In ihrer Heimat verbieten die Taliban den Mädchen, zur Schule zu gehen.

Das Buch soll im Herbst erscheinen, dem Zeitungsbericht zufolge wurde ein Vertrag in Höhe von zwei Millionen Pfund (rund 2,3 Millionen Euro) abgeschlossen. In Großbritannien und dem Commonwealth soll es im Verlag Weidenfeld & Nicolson erscheinen, die Buchgruppe Little, Brown hat demnach für den Rest der Welt die Rechte. Eine Sprecherin von Weidenfeld & Nicolson wollte dem Bericht zufolge keine Angaben zur Höhe des Deals machen.

Malala geht seit wenigen Tagen nach einem weiteren chirurgischen Eingriff wieder zum Unterricht in Birmingham. Zuletzt war dem Mädchen bei einer Operation eine Titanplatte in den Schädel eingesetzt worden, die ihr Gehirn schützen soll. Bei dem Anschlag im vergangenen Oktober hatte ein Projektil ihren Kopf durchschlagen und war dann in ihrer Schulter stecken geblieben. "Ich kann sprechen, ich kann euch sehen, ich kann alle sehen, und es geht mir Tag für Tag besser", hatte Malala nach der Operation in einem Video gesagt.

Malala hat nach ihrem Anschlag mehrere Auszeichnungen erhalten, das Magazin "Time" kürte sie nach US-Präsident Barack Obama zur zweitwichtigsten Person des Jahres 2012. Malala wurde zudem für den Friedensnobelpreis nominiert. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte außerdem angekündigt, dass die Uno den 10. November als "Malala Day" feiern werde.

Arzu Tahsin, Verlagschefin bei Weidenfeld & Nicolson, ist sich sicher, dass das Buch von Malala ein Erfolg wird: Es werde ein "Dokument der Tapferkeit, des Muts und der visionären Kraft" sein, sagte sie. Sie habe keinen Zweifel daran, dass Malalas Buch Leser in allen Altersgruppen inspirieren werde, die an das Recht auf Bildung glaubten.

hen

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Sehr gut
diamorphin 28.03.2013
Es ist sehr schön zu sehen, wie sich das Mädchen trotz einem beinahe tödlichen Attentat mit massivster Gewaltanwendung nicht davon abhalten lässt, sowohl ihren persönlichen Weg weiter zu gehen wie auch weiterhin für mehr Bildung in Afghanistan einzustehen. Freundliche Grüsse diamorphin
2. Das wirkliche Problem....
tamtamm 28.03.2013
Zitat von sysopIhr Kampf für die Rechte von Mädchen hätte sie fast das Leben gekostet - die Pakistanerin Malala Yousafzai wurde von Taliban niedergeschossen und dabei schwer verletzt. Jetzt will die 15-Jährige ihre Geschichte in einem Buch erzählen. Ein britischer Verlag zahlt dafür für mehr als 2 Millionen Euro. Malala Yousafzai: Taliban-Opfer erhält millionenschweren Buchvertrag - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/malala-yousafzai-taliban-opfer-erhaelt-millionenschweren-buchvertrag-a-891416.html)
der Finanzierung der Schulen wird sicherlich so ein kleines Kind auch wissen. Wer bezahlt denn die Schulen in Pakistan. Das sind Wahabiten aus Saudia Arabien und das sind die wahren "Taliban" in der Form von Fundamentalisten, die keine moderen Schulform zulassen. Und andere Schulen werden von dem korrupten Politikern nicht finanziert. Sollen da schon wieder Tatsachen verdreht werden, in dem da ein Mädchen der Welt erklären soll, wie die Schulausbildung in Pakistan aussieht? Und wenn es in Deutschland so weiter geht, werden wir auch bald unsere Kinder in Privatschulen unterrichten lassen müsen, die Geld kosten, aber womöglich den Kindern eine umfassende Schulausbildung ermöglicht. Denn was im deuschen Schulsystem schliefläuft. brauchen wir hier nicht weiter zu erörtern. Aber da läuft auch vieles mehr als schief.
3. ob DAS nun das ...
Hilfskraft 28.03.2013
Zitat von sysopIhr Kampf für die Rechte von Mädchen hätte sie fast das Leben gekostet - die Pakistanerin Malala Yousafzai wurde von Taliban niedergeschossen und dabei schwer verletzt. Jetzt will die 15-Jährige ihre Geschichte in einem Buch erzählen. Ein britischer Verlag zahlt dafür für mehr als 2 Millionen Euro. Malala Yousafzai: Taliban-Opfer erhält millionenschweren Buchvertrag - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/malala-yousafzai-taliban-opfer-erhaelt-millionenschweren-buchvertrag-a-891416.html)
ob das nun ausgerechnet der richtige Weg für den Kampf gegen Terror ist ?
4. Das hat sich doch gelohnt ...
karlsiegfried 28.03.2013
... auch finanziell.
5.
Carabus 28.03.2013
Zitat von karlsiegfried... auch finanziell.
Würden Sie sich das halbe Hirn wegpusten lassen für 2 Millionen?? Ich glaube nicht, das das Mädchen so denkt.
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