Trümmerfeld Hrabowe "Weiße Stoffstreifen zeigen den Weg zu den Toten"

Über eine Fläche von rund 25 Quadratkilometern sind in der Ukraine die Trümmer der abgestürzten Boeing verstreut. Augenzeugen schildern erschütternde Eindrücke.

AFP

Hamburg - "In den vom Feuer geschwärzten Feldern zeigen weiße Stoffstreifen an Stöcken den Weg zu den Toten." So lautet einer der Tweets, mit denen BBC-Korrespondent Fergal Keane seine Eindrücke aus dem ostukrainischen Hrabowe schildert. Leichen würden fortgeschafft, oft auf improvisierten Bahren. Andere Tote würden in Säcke verpackt an einer Straße aufgereiht.

Keane ist dort, wo am Donnerstag die Trümmer einer Boeing 777 der Malaysia Airlines vom Himmel stürzten. US-Geheimdienste gehen davon aus, dass Flug MH17 von einem prorussischen Rebellenstützpunkt aus versehentlich abgeschossen wurde. Alle 298 Insassen starben, darunter gut 80 Kinder.

"Das Traurigste", schreibt Keane, sei ein kleiner Körper gewesen, der sich unter einem Laken abgezeichnet habe. Daneben verstreutes Gepäck, ein toter Hund, ein Reiseführer. Maschinengewehrsalven in der Ferne. In der Luft noch immer Brandgeruch.

Die Zone, in der die Leichenteile und Trümmer liegen, ist rund 25 Quadratkilometer groß. Berichten der BBC zufolge erstreckt sie sich über ausgedehnte Weizen- und Sonnenblumenfelder bis in die umliegenden Dörfer. 18 Quadratkilometer haben ukrainische Hilfskräfte nach eigenen Angaben schon abgesucht. Doch die Aufklärung wird offenbar massiv blockiert.

Die ukrainische Regierung wirft den Separatisten Vernichtung von Beweisen vor. Die Rebellen hätten 38 Leichen vom Absturzort weggeschafft, hieß es in einer am Samstag verbreiteten offiziellen Erklärung. Zuvor hatte Kiew ein Video veröffentlicht, das angeblich zeigt, wie Separatisten ein Raketenabschussgerät vom Typ SA-11 "Gadfly" in Richtung russische Grenze schaffen.

"Alle roten Linien wurden überschritten", schrieb der ukrainische Premierminister Arsenij Jazenjuk auf seiner Website. "Nachdem diese Terroristen ein Flugzeug von Malaysia Airlines abgeschossen haben", sei die Auseinandersetzung in der Ukraine nun "ein Krieg gegen die Welt".

Der prorussische Rebellenführer Alexander Borodai wies die Anschuldigungen zurück. Man habe "vor Ort nichts angefasst", teilte er mit. Man versuche lediglich die Leichen aus der Hitze zu schaffen.

Eindrücke von vor Ort finden Sie in dieser Fotostrecke

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insgesamt 36 Beiträge
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janne2109 19.07.2014
1. nie
es wird sicher nie heraus kommen wer verantwortlich ist, bedrückender ist, dass wahrscheinlich geplündert wird was sich nur plündern läßt.
marnix 19.07.2014
2. Die Opfer werden gedemütigt
Welches Leid für die Angehörigen. Erste erden Ihre Lieben Opfer von schießwütigen und verblendeten Irren und jetzt wird die Aufklärung behindert und vielleicht unmöglich gemacht. Hier bleibt als Außenstehender nur Wut un Verzweiflung Mit dem Gewissen der Täter, wenn sie denn eines habe, möchte ich nicht leben.
Roedi 19.07.2014
3. ein guter Witz
das Wort "unabhängig" in Zusammenhang mit "ehemalige Sowjet-Staaten" Es wird schwieriger sein die Blackbox dieses Flugzeugs zu finden, als die von Flug MH370. Wahrscheinlich sind sie schon in Moskau.
schwerpunkt 19.07.2014
4.
Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was in Angehörigen vorgehen muss, die wie auf Bild 5 das Stofftier ihres Kindes entdecken, dass von einem derjenigen, die wahrscheinlich diesen Abschuß zu verantworten haben, lässig mit der Zigarette in der Hand, wie eine Trophäe in die Höhe gehoben wird. Gratulation, Herr Putin, was Sie sich hier für Verbündete herangezogen haben. Soll so Ihr großrussisches Reich aussehen?
rebelonline 19.07.2014
5. Die Menschen..
..bleiben, wie sie waren und lernen nicht dazu.
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