US-Außenminister Kerry zu MH17 "Augenblick der Wahrheit für Putin"

US-Außenminister John Kerry gibt Russland eine Mitschuld am Abschuss des MH17-Flugzeugs: Das Land habe die prorussischen Separatisten mit Waffen beliefert. Er fordert die Europäer auf, neue Sanktionen gegen Russland zu beschließen.

US-Außenminister John Kerry : "Enorme Menge an Fakten"
REUTERS

US-Außenminister John Kerry: "Enorme Menge an Fakten"


Washington - US-Außenminister John Kerry hat Russland aufgefordert, Verantwortung für den Abschuss des MH17-Flugzeugs der Malaysia Airlines zu übernehmen. Russland habe den prorussischen Separatisten in der Ukraine das Raketensystem zur Verfügung gestellt, mit dem die Maschine abgeschossen wurde, sagte Kerry dem US-Nachrichtensender CNN. Bei dem Absturz der Boeing 777 waren am Donnerstag alle 298 Insassen ums Leben gekommen.

"Das ist der Augenblick der Wahrheit für Putin", sagte Kerry. Es gebe eine enorme Menge an Fakten, die die russische Verbindung zu den Separatisten belegten. Dazu gehörten die Ausbildung und die Versorgung der Rebellen mit Waffen, sagte er im Sender ABC. Kerry rief die Europäer in mehreren TV-Talkshows auf, dem Beispiel Washingtons zu folgen und ihre Sanktionen zu verschärfen.

Ähnliche Stimmen waren in Berlin zu hören. Politiker von CDU und SPD forderten Härte gegenüber Putin. Dieser sei "direkt verantwortlich", sagte CDU-Außenpolitiker Karl-Georg Wellmann.

Härtere Sanktionen angedroht

Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident François Hollande und der britische Premierminister David Cameron drohten Moskau mit einer Ausweitung der EU-Sanktionen. Präsident Wladimir Putin müsse umgehend auf die moskautreuen Rebellen einwirken, um den ungehinderten Zugang der Ermittler zum Absturzgebiet zu gewährleisten, hieß es in Paris und London.

"Wenn sie weiterhin erlauben, dass Waffen über die Grenze gebracht werden, wenn sie die Rebellen weiter wie bisher unterstützen, dann wird es härtere und länger andauernde Konsequenzen für die russische Wirtschaft geben", sagte der britische Außenminister Philipp Hammond. Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon sprach von "gesponsertem Terrorismus".

Unter den Absturzopfern waren 193 Niederländer und vier deutsche Frauen. Noch immer sind nicht alle Todesopfer geborgen.

Die Regierung in Kiew und die prorussischen Separatisten bezichtigen sich gegenseitig, die Maschine abgeschossen zu haben. Seit Tagen fordern Politiker aus aller Welt eine rasche und umfassende Untersuchung des Absturzes durch unabhängige Experten. OSZE-Beobachter waren jedoch wiederholt in ihrer Arbeit behindert worden.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
b399y 20.07.2014
1. Fakten? ich will auch
Werden endlich Waffenexporteure in die Haftung genommen, schön wäre es. Aber dann bitte alle. Es gibt Beweise und Fakten, ja dürfen wir die denn auch mal sehen oder wenigstens erfahren um welche Fakten es sich handelt. Immer dieses "unser Geheimdienst ist der Meinung" ist echt schwach. Am Schluß gibt es wieder nur ne Zeichnung wo Bumm! draufsteht. dieser Zirkus nervt
vhn 20.07.2014
2. Trotz aller Rhetorik...
... mittlerweile glaubt doch wohl keiner mehr die Ammenmärchen, die uns Putin verkaufen will (z. B. die Passagiere seien beim Absturz schon tot gewesen Zitat russische Presse). Mittlerweile sollte man sich eher fragen, warum sich die westlichen Regierungen von den Russen an der Nase herum führen lassen. Was hier an der EU Außengrenze vor sich geht, spottet jeder Beschreibung.
gonzel 20.07.2014
3. Beweise
dann präsentiere man der Öffentlichkeit bitte entsprechende Beweise und nicht permanent Mutmaßungen und Schuldzuweisungen. Bis diese Beweise oder Gegenbeweise, wie sie in einem Rechtsstaat jede Staatsanwaltschaft zu ermitteln und vorzulegen hat, nicht klar dargelegt sind, ist alles weitere Spekulation, Hetze und Propaganda - und zwar von allen Beteiligten. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass es absolut unwahrscheinlich ist, dass ein Fluggesellschaft binnen Monaten zwei baugleiche Maschinen verliert, wobei eine spurlos verschwindet und die andere über einem Kriegsgebiet abgeschossen wird. Ich halte dies für unwahrscheinlich, würde aber gern die Wahrheit wissen.
andreasss 20.07.2014
4. MH17. Pressekonferenz heute
Premierminister der Republik Donetsk. Alexander Boroday. Pressekonferenz heute. http://www.youtube.com/watch?v=ovg6rt47uT0 # t = 315
incognito666 20.07.2014
5.
Zitat von sysopREUTERSUS-Außenminister John Kerry gibt Russland eine Mitschuld am Abschuss des MH17-Flugzeugs: Das Land habe die prorussischen Separatisten mit Waffen beliefert. Er fordert die Europäer auf, neue Sanktionen gegen Russland zu beschließen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/malaysia-airlines-mh17-kerry-gibt-russland-mitschuld-a-982027.html
Da wird schon wieder voreilig verurteilt, kennen wir das nicht schon? Entweder Kerry und die USA haben wirklich handfeste Erkenntnisse über die Beteiligung der Seperatisten (*lach) oder dieser Vorfall bietet sich dem Westen als Steilvorlage an um auch die Gesellschaft endgültig von der Neutralisierung der Rebellen zu überzeugen. Ich hoffe wir rutschen da nicht in etwas hinein was unumkehrbare Konsequenzen mit sich bringt...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.