Reaktion auf MH17-Abschuss Niederländer fordern Ausweisung von Putins Tochter

Maria Putina, Tochter des russischen Präsidenten, lebt in den Niederlanden - noch. Viele Holländer machen Moskau für den Abschuss der Malaysia-Airlines-Maschine verantwortlich. Sie fordern die Ausweisung der jungen Frau.

Kreml-Chef Putin: Niederländer wollen seine Tochter ausweisen
EPA/MIKHAIL KLIMENTYEV / RIA NOVOSTI / KREMLIN POOL

Kreml-Chef Putin: Niederländer wollen seine Tochter ausweisen


Den Haag - 193 Niederländer sind vor einer Woche beim Abschuss des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 getötet worden. USA und EU machen prorussische Separatisten, die von Moskau unterstützt und ausgerüstet werden, für den Angriff auf die Boeing 777 verantwortlich.

Nun soll die Familie von Wladimir Putin büßen: In den Niederlanden mehren sich Stimmen, die eine Ausweisung von Maria Putina fordern. Die 29-jährige Tochter des russischen Präsidenten soll seit zwei Jahren mit ihrem niederländischen Freund in einem Luxus-Penthouse in Voorschoten bei Den Haag leben - ausgerechnet in einem Viertel, das Krimwijk (Krim-Distrikt) heißt.

Pieter Broertjes, der Bürgermeister von Hilversum, rief in einem Radiointerview dazu auf, die Putin-Tochter auszuweisen. Dies sei die "ultimative Sanktion an die Adresse des russischen Präsidenten". In Hilversum werden die Opfer der Flugzeugkatastrophe von Experten identifiziert. Stunden später distanzierte sich Broertjes von seiner Aussage im Radio: "Die Aussage auf Radio 1 war nicht klug. Sie war Ausdruck eines Gefühls von Ohnmacht, die viele Leute nachvollziehen können", twitterte der Bürgermeister.

Niederlande verstärken Schutz der russischen Botschaft

Via Twitter veröffentlichen erboste Niederländer die Anschrift von Maria Putina. "Wenn ihr Putins Tochter besuchen wollt, hier ist die Adresse", twitterte einer. Ein niederländischer Künstler schrieb auf Facebook: "Wenn meine Tochter in dem Flugzeug gesessen hätte, würde ich die Tochter von Putin überfahren."

Hans de Borst, dessen 17 Jahre alte Tochter Elsemiek, an Bord von MH17 ums Leben kam, schrieb in einem offenen Brief: "Maria Putina mag damit nichts zu tun haben. Aber ihr Vater ist sehr mächtig und ich denke, es hätte in seiner Macht gestanden, russisches Militär an die Absturzstelle zu entsenden und die Opfer dort zu beschützen. Trotzdem hat er sich entschieden, das nicht zu tun. Herr Putin und andere Konfliktparteien - ich habe Grund zu der Annahme, dass einer von ihnen der Mörder meines Kindes ist."

Das Leben von Putins Töchtern ist eines der am besten gehüteten Geheimnisse in Moskau. Wladimir Putin sind Reporterfragen nach seiner Familie zutiefst zuwider. Er antwortet darauf dann gern mit einer Gegenfrage: "Warum müssen sie das wissen?"

Seit Jahren wird in der russischen Hauptstadt darüber spekuliert, dass Maria und ihre jüngere Schwester Jekaterina im Ausland leben. So heißt es, Jekaterina lebe seit Jahren in Seoul, sie sei mit einem Südkoreaner zusammen.

Ihre Schwester Maria soll seit Jahren mit dem Niederländer Jorrit Faassen liiert sein. Faassen arbeitete lange Jahre in Moskau. 2010 war er in einen Autounfall in Moskau verwickelt, Faassens Wagen stieß mit dem Auto eines schwerreichen Unternehmers zusammen. Der Banker, ein Mann namens Matwei Urin, hetzte daraufhin seine Leibwächter mit Baseballschlägern auf den Niederländer. Dem Banker bekam das schlecht: Seit dem Zwischenfall haben russische Behörden eine Reihe von Verfahren wegen Wirtschaftsstraftaten gegen Urin eröffnet, er sitzt seit Jahren im Gefängnis.

Als Putin im April zu einer Visite in die Niederlande aufbrach spekulierten Medien darüber, dass der Besuch in Wahrheit seiner Tochter Maria gelte. Putins Sprecher Dmitrij Peskow nannte die Berichte "eine Ente". Putin selbst sagt, seine Töchter lebten in Moskau.

Aus Sorge vor möglichen Angriffen haben die niederländischen Behörden mittlerweile den Polizeischutz der russischen Botschaft in Den Haag verstärkt.

syd/beb

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