MH17-Abschuss in der Ukraine Niederländische Ermittler beginnen Untersuchung der Leichen

Die ersten ausländischen Experten sind am Absturzort von Flug MH17 eingetroffen. Niederländische Ermittler beginnen mit der Identifizierung der Opfer, auch ein BKA-Team ist in der Ostukraine. Premier Rutte fordert die Separatisten zur Kooperation auf.

AFP/ RIA Novosti

Donezk - Vier Tage nach dem Absturz von Flug MH17 sind die ersten ausländischen Experten im Osten der Ukraine eingetroffen. Drei niederländische Spezialisten zur Identifizierung der Opfer sind am Montag in der Ortschaft Tores angekommen. Dort steht ein Zug mit Kühlwagen, in denen sich die sterblichen Überreste von rund 200 Opfern befinden.

Ein Sprecher der Separatisten sagte, sie würden den Niederländern helfen, den Absturzort zu besichtigen und Leichen zu inspizieren. Die Rebellen würden auch den Rat der Experten hören, wohin die Toten gebracht werden sollten. Neben den Niederländern wird auch ein Expertenteam aus Malaysia am Montag in der Ostukraine erwartet. Die Niederlande werden die internationale Identifizierung der Opfer koordinieren, sagte Ministerpräsident Mark Rutte.

Der russische Präsident Wladimir Putin sicherte den Niederlanden seine Unterstützung bei der Übergabe der sterblichen Überreste der Opfer des abgestürzten Flugzeugs sowie der Flugschreiber zu. Das sagte er Rutte am Sonntagabend am Telefon.

Identifizierung der Opfer wird schwierig

"Alles muss getan werden, um die Sicherheit der internationalen Experten am Ort der Tragödie zu gewährleisten", betonte Putin am Montag im Fernsehen. Er trug einen dunklen Anzug mit schwarzer Krawatte. Der Kreml-Chef sprach von einer Tragödie, die von keiner Seite politisch ausgeschlachtet werden dürfe. "Solche Ereignisse sollten die Menschen nicht spalten, sondern sie einen", forderte er.

Der niederländische Regierungschef drohte Russland mit Konsequenzen, falls die von Moskau unterstützten Separatisten nicht kooperieren. "Wenn der Zugang zu der Unglücksregion eingeschränkt bleibt, dann sind alle politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Optionen gegen jeden auf dem Tisch, die direkt oder indirekt dafür verantwortlich sind", sagte Rutte. "Russland muss seinen Einfluss geltend machen."

Mittlerweile ist auch ein Team von deutschen Forensik-Experten des Bundeskriminalamts (BKA) in der Ostukraine eingetroffen. Die beiden Kriminalisten reisten nach Informationen von SPIEGEL ONLINE mit den niederländischen Kollegen nach Charkiw, dort wird möglicherweise ein Zentrum für die Identifizierung eingerichtet. Aus Berliner Regierungskreisen hieß es allerdings, bisher sei die Lage noch völlig unübersichtlich.

Die Identifizierung wird nach Aussagen von Experten ein schmerzhaft langer Prozess. Da die Leichen teilweise mehrere Tage unter freiem Himmel bei sommerlichen Temperaturen auf den Feldern rund um die Absturzstelle lagen, wird eine visuelle Wiedererkennung schwierig. Hinzu kommt, dass offenbar Plünderer persönliche Gegenstände wie Schmuck oder Geldbörsen entwendet haben - diese führen sonst zu einer schnellen Zuordnung.

Das BKA hat mit der Identifizierung lange Erfahrung, deutsche Experten waren bereits beim Tsunami in Thailand im Einsatz. Gerade für die westlichen Opfer spielt eine offizielle Identifizierung eine große Rolle, da die Angehörigen erst mit einer solchen Todesurkunde bei den lokalen Behörden aber auch bei Versicherungen den Tod ihrer Verwandten anzeigen können.

Separatisten behindern die Rettungskräfte

Bei dem Absturz von Flug MH17 kamen 193 Niederländer ums Leben - offenbar wurde die Boeing mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen. Etwa 250 Opfer sind bisher geborgen worden.

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MH17-Abschuss: Die Ungewissheit über den Verbleib der Opfer

Derzeit sind schon Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in dem Gebiet. Sie waren die ersten Ausländer, die zeitweise Zugang zum Absturzort erhalten hatten. Ihre Arbeit wurde jedoch von den prorussischen Rebellen behindert.

Bis zu 900 Aufständische würden die Rettungskräfte nahe der Ortschaft Hrabowe ständig überwachen und erheblich einschränken, klagte der ukrainische Vizeregierungschef Wladimir Groisman am Sonntag. Die Suche nach Leichen und Trümmern wurde auf eine Fläche von 34 Quadratkilometer ausgeweitet.

Der Uno-Sicherheitsrat könnte noch am Montag über eine Resolution zum Absturz der malaysischen Passagiermaschine abstimmen. Die australische Uno-Mission machte nach Angaben westlicher Diplomaten am Sonntagnachmittag (Ortszeit) ihren Resolutionsentwurf abstimmungsreif. Damit könnte es nach der üblichen Frist von 24 Stunden zur Entscheidung kommen. Weil die Russen die Resolution mit ihrem Veto verhindern können, ist der Ausgang allerdings völlig offen.

Der australische Entwurf fordert von allen Beteiligten, insbesondere den Separatisten, in deren Machtbereich die Absturzstelle liegt, eine uneingeschränkte Zusammenarbeit mit den internationalen Behörden. Gleichzeitig soll das Papier jede Manipulation an der Absturzstelle untersagen. Es fordert zudem, dass die Flugschreiber und andere Beweisstücke sofort auszuhändigen sind.

syd/mgb/dpa/AFP/Reuters

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Seite 1
joppop 21.07.2014
1. 2
2 tage zu spat! Rutte ist ein waschlappen!
borea 21.07.2014
2. Liebe russischen Freunde
wir warten wieder auf eure Verschwörungstheorien. Lasst es auch wenigstens gut bezahlen, wenn ihr hier was schreibt.
bschlack 21.07.2014
3.
Zitat von sysopDPADie ersten ausländischen Experten sind am Absturzort von Flug MH17 eingetroffen. Niederländische Ermittler beginnen mit der Identifizierung der Opfer. Premier Rutte fordert die Separatisten zur Kooperation auf - und droht mit Konsequenzen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/malaysia-airlines-mh17-putin-fordert-freien-zugang-fuer-ermittler-a-982049.html
was sollen eigentlich die dümmlichen Aufrufe an Putin. Hier wäre eher das Regime aus Kiew gefragt.
RalfHenrichs 21.07.2014
4.
Liegen eigentlich auch endlich Sanktionsdrohungen gegen die USA auf den Tisch wegen IA655? 26 Jahre nach dem Massenmord wird es doch eigentlich mal langsam Zeit finde ich.
sagichned 21.07.2014
5.
"Die ersten ausländischen Experten sind am Absturzort von Flug MH17 eingetroffen. " Wie kann das sein? Wurde nicht vor noch zwei Tagen behauptet die Separatisten behindern die Arbeit der ausländischen Experten? Waren doch keine "Experten" vor Ort und man hat die Schaulustigen "Beobachter" verscheucht?
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