MH17-Absturz Kiew wirft Separatisten Vernichtung von Beweisen vor

Wo sind die Blackboxes von Flug MH17? Die ukrainische Regierung bezichtigt die prorussischen Separatisten, einen mutmaßlichen Abschuss der Boeing verschleiern zu wollen. Die Rebellen streiten alle Vorwürfe ab.


Hamburg - Nach dem Absturz des MH17-Passagierflugzeugs im Osten der Ukraine verhärten sich die Fronten zwischen der Ukraine und Russland. Die ukrainische Regierung wirft den prorussischen Separatisten vor, Beweise an der Absturzstelle zu vernichten.

"Die Regierung der Ukraine gibt offiziell bekannt, dass die Terroristen mithilfe Russlands versuchen, Beweise ihrer Verbrechen zu zerstören", heißt es in einer Erklärung vom Samstag. So seien 38 Tote in ein Leichenhaus in der ostukrainischen Stadt Donezk gebracht worden. Männer mit "stark russischem" Akzent hätten angegeben, man wolle eigene Autopsien durchführen.

Die Separatisten sollen zudem auf der Suche nach "großen Transportern" sein. Mit diesen sollen angeblich "Teile des Flugzeugs nach Russland befördert" werden, hieß es. Zuvor hatte die Regierung ein Video veröffentlicht, das angeblich zeigt, wie Separatisten ein Raketenabschussgerät vom Typ SA-11 "Gadfly" in Richtung russische Grenze schaffen. Man habe "stichhaltige Beweise", dass die Leute, die die SA-11 "Gadfly" bedienten, russische Staatsbürger seien.

Der prorussische Rebellenführer Alexander Borodai wies die Anschuldigungen zurück. Unabhängige Prüfer müssten herausfinden, wie es genau zu dem Absturz kam. Man habe "vor Ort nichts angefasst", teilte er mit. Man versuche lediglich die Leichen aus der Hitze zu schaffen.

Am Donnerstag war eine Boeing 777 der Malaysia Airlines in der Luft explodiert. Es wird vermutet, dass sie von einem prorussischen Rebellenstützpunkt aus Versehen abgeschossen wurde. Alle 298 Insassen starben, darunter gut 80 Kinder. Die Aufklärung der Katastrophe gestaltet sich schwierig. Denn prorussische Separatisten kontrollieren den Zugang zum Trümmerfeld und lassen eine uneingeschränkte Untersuchung bislang nicht zu.

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Absturz von Flug MH17: Das Trümmerfeld von Hrabowe
"Vielleicht der größte Tatort der Welt"

"Die Separatisten haben Hilfskräfte in das Gebiet gelassen", sagte ihr Sprecher Andrij Lysenko auf einer Pressekonferenz. "Aber sie erlauben ihnen nicht, irgendetwas mitzunehmen. Die Kämpfer nehmen alles an sich, was gefunden wird."

Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die 30 Beobachter zum Unfallort geschickt hat, spricht von desaströsen Arbeitsbedingungen. Zwar durfte ihr Team das Gelände betreten, sagte OSZE-Sprecher Michael Bociurkiw CNN. Aber nur für 75 Minuten - und stets unter Bewachung von schwer bewaffneten prorussischen Rebellen.

Die Felder von Hrabowe seien "einer der größten, derzeit vielleicht der größte Tatort der Welt", sagte Bociurkiw. Dieser aber sei "bewacht von einem Haufen uniformierter Kerle, die ziemlich ungastlich sind". Als sich Zivilisten dem Gelände näherten, hätte einer der Rebellen "in die Luft geschossen". Es sei "sehr einfach", in diesem Chaos Beweise verschwinden zu lassen.

Das OSZE-Team hat bei der Untersuchung des Trümmerfelds auch am Samstag Probleme. Die Beobachter müssten des Gelände zu Fuß erkunden, schreibt BBC-Korrespondent Fergal Keane auf Twitter. Immer wieder gebe es Streit darüber, ob sie das Areal betreten dürften. Gegen 15 Uhr (MEZ) seien einige der OSZE-Beobachter schon wieder abgezogen, twittert Keane. Der Tag sei "chaotisch" verlaufen.

Blackboxes verschollen

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP haben sich die Ukraine, Russland, die OSZE und die prorussischen Separatisten inzwischen geeinigt, am Absturzort eine weiträumige Sicherheitszone einzuführen. Die "wichtigste Aufgabe" sei, die Leichen zu identifizieren und die Toten den Hinterbliebenen zu übergeben, sagte Valentin Naliwaitschenko, der Chef der ukrainischen Sicherheitsbehörden. Die internationale Polizeiorganisation Interpol will bei der Identifizierung der Toten helfen.

Allerdings gibt es keine verbindliche Vereinbarung, wer das Gebiet erkunden darf. Der prorussische Rebellenführer Alexander Borodai hat bislang nur einer möglichen Mission des sogenannten Commonwealth of Independent States (CIS) uneingeschränkten Zugang versprochen. Die CIS ist ein Zusammenschluss mehrerer Ex-Sowjet-Staaten.

Was genau mit Flug MH17 geschah, könnten die beiden Blackboxes klären, die sich an Bord befanden - jene Aufzeichnungsgeräte, die relevante Flug- und Flugzeugparameter bei jeder Reise mit genauen Zeitangaben speichern. Doch die Blackboxes sind bislang vorschollen. Sowohl prorussische Milizen als auch ukrainische Behörden hatten zunächst angegeben, eine befinde sich in ihrem Besitz. Später dementierten sie dies wieder. Rebellenführer Borodai betonte am Samstag noch einmal, man habe die Blackboxes nicht gefunden.

ssu/AP/dpa/Reuters

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insgesamt 404 Beiträge
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Seite 1
egon_vom_berg 19.07.2014
1. Wow
Ein langer Artikel ohne Inhalt! Was genau sind die Vorwürfe? Was tun die Prorussen konkret?
budenspecht 19.07.2014
2. Eine gute Frage
zum "Wem nutzt es?" des Putinisten-Shitstorms, der hier durch die Foren tobt, wäre ja: "Wem nutzt es, diese Untersuchung zu blockieren, auf Zeit zu spielen?" - wenn man es nicht war, wäre ein unabhängige Untersuchung ja hilfreich? - zum Beweis eigener Unschuld? Liebe Putinisten, ich stelle diese Frage einmal auch, ohne dafür bezahlt zu werden. Diese Unterstellung "bezahlt zu werden" lasse ich mal als Provokation so stehen :-) Ich gönne es euch, sie mir bezahlt beantworten zu dürfen (nebenbei gesagt).
malocher77 19.07.2014
3. die pro Russen
Haben die Blackbox , es sind 8 von 12 gefunden und übergeben diese, zwar nicht an Kiew sondern an internationale Ermittler.Wo soll die Vernichtung der Beweise vorliegen? Blackbox ist der einzige Beweis, denn wenn der Abschuss vom Flugzeug erfolgt worden ist, dann ist Kiew an dem Abschuss beteiligt, dann lässt sich das nicht vertuschen.
a_goedde 19.07.2014
4. Ein paar konkrete Vorwürfe
Zitat von egon_vom_bergEin langer Artikel ohne Inhalt! Was genau sind die Vorwürfe? Was tun die Prorussen konkret?
- Sie säubern ihre Social-Media-Accounts und Internetauftritte bezüglich zweier Punkte: der Meldung vom 29. Juni, sie hätten ein BUK-System erbeutet, sowie den Meldungen zum Abschuss eines Militärtransporters am 17. Juli. - Sie behindern die OSZE-Mitarbeiter an der Absturzstelle. Dies sind die Fakten. Dazu gibt es dann noch der Vorwurf, dass ein BUK-System (mit fehlender vierter Rakete) über die Grenze nach Russland geschafft wurde.
chaoszero 19.07.2014
5. Ist sogar wahrscheinlich
Schon gestern hat man der OSZE die Untersuchung teilweise verweigert.http://www.n-tv.de/politik/Separatisten-behindern-OSZE-Beobachter-article13239641.html. Und auf das man die Blackbox an Russland übergeben hat, sollte die meisten stutzig machen. Wenn man den USA nicht vertraut kann man nachvollziehen, aber dann hätten sie es auch der EU oder Malaysia geben können.
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