Strafe für Homosexualität Malaysias Oppositionsführer Anwar muss fünf Jahre in Haft

Malaysias Oppositionsführer Anwar Ibrahim soll Sex mit einem Mann gehabt haben. Deshalb hat ihn das Oberste Gericht des Landes zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Seine politische Karriere scheint damit am Ende.

Anwar vor der Urteilsverkündung in Kuala Lumpur: "Ich bin unschuldig"
REUTERS

Anwar vor der Urteilsverkündung in Kuala Lumpur: "Ich bin unschuldig"


Kuala Lumpur - Das Oberste Gericht in Malaysia hat die Haftstrafe gegen den wichtigsten Oppositionellen des Landes bestätigt: Anwar Ibrahim muss für fünf Jahre ins Gefängnis, weil er 2008 Sex mit einem früheren Mitarbeiter gehabt haben soll. In dem mehrheitlich muslimischen Land ist Homosexualität verboten und kann mit 20 Jahren Freiheitsentzug bestraft werden.

2012 war Anwar vom Vorwurf, eine homosexuelle Beziehung zu dem Ex-Mitarbeiter unterhalten zu haben, freigesprochen worden. Doch im März 2014 kippte ein Berufungsgericht das Urteil der Vorinstanz und verurteilte den ehemaligen Vize-Regierungschef zu einer fünfjährigen Haftstrafe. Dagegen ging Anwar, der die Vorwürfe bestreitet und zunächst auf freiem Fuß blieb, in Revision - ohne Erfolg.

"Ich werde zum dritten Mal ins Gefängnis gehen, aber ich werde es mit erhobenem Haupt tun", sagte der Politiker in einer Erklärung, die noch im Gericht verlesen wurde. "Ich bin unschuldig. Das ist eine politische Verschwörung, um meine Karriere zu beenden." Anschließend wurde Anwar in das Sungai-Buloh-Gefängnis gebracht, das etwa 30 Kilometer außerhalb von Kuala Lumpur liegt.

Durch das jetzige Urteil verliert Anwar seinen Abgeordnetensitz. Außerdem darf er nicht zu der für 2018 vorgesehenen Parlamentswahl antreten. Seine politische Karriere könnte damit beendet sein.

Der 67-Jährige beschuldigt die Regierung, ihn als politischen Gegner ausschalten zu wollen. Kurz vor der Anklage aus dem Jahr 2008 hatte die Opposition mit ihm an der Spitze mehr als ein Drittel der Mandate gewonnen. Bei der Parlamentswahl im Jahr 2013 verfehlte das von Anwar geführte Oppositionsbündnis Pakatan Rakyat (Volkspakt) nur knapp den Sieg. Die seit 1957 in Malaysia regierende Nationale Front konnte sich nur wegen Besonderheiten des Wahlrechts die Mehrheit der Parlamentssitze sichern.

Menschenrechtler kritisierten den Schuldspruch scharf. Phil Robertson von Human Rights Watch nannte das Urteil "eine juristische Farce". Der Hohe Kommissar für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen äußerte sich enttäuscht über die Verurteilung. "Das Vergehen, das Anwar vorgeworfen wurde, sollte nicht als Straftat angesehen werden", sagte ein Uno-Sprecher in Genf.

Die Regierung in Kuala Lumpur wies die Vorwürfe zurück: "Malaysia hat eine unabhängige Justiz, und es gab viele Urteile gegen hochrangige Regierungsmitarbeiter", teilte das Kabinett nach der Gerichtsentscheidung mit.

syd/AFP/Reuters

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