Malaysia Polizei treibt Demonstranten von den Straßen

Tränengas, Schlagstockeinsatz, angeblich mehr als 1600 Verhaftungen: Die Bundespolizei geht in Malaysia massiv gegen Demonstranten vor. 20.000 Menschen sollen in der Hauptstadt Kuala Lumpur für eine Reform des Wahlrechts demonstriert haben - Oppositionsführer Anwar Ibrahim wurde verletzt.

Protest in Kuala Lumpur: Die Polizei ging massiv gegen Demonstranten vor
DPA

Protest in Kuala Lumpur: Die Polizei ging massiv gegen Demonstranten vor


Kuala Lumpur - Für eine Wahlrechtsreform in Malaysia demonstrierten in der Hauptstadt Kuala Lumpur am Samstag mehr als 20.000 Menschen. Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. Insgesamt 1667 Menschen seien auf der von der Regierung verbotenen Kundgebung festgenommen worden, teilte die Bundespolizei in einer Stellungnahme mit.

Vor Beginn der Demonstration riegelten die Sicherheitskräfte zahlreiche Straßen ab und sperrten Bahnhöfe. Die Polizei postierte Wasserwerfer in der Nähe des Unabhängigkeitsstadions, wo sich die Aktivisten versammelten. "Die Öffentlichkeit wird daran erinnert, nicht an irgendwelchen Demonstrationen teilzunehmen", hieß es in einer Erklärung der Polizei. "Harte Maßnahmen werden gegen jene ergriffen, die sich widersetzen."

Nach Augenzeugenberichten trieben mit Schlagstöcken bewaffnete Bereitschaftspolizisten die Demonstranten zusammen und zerrten sie in Polizeifahrzeuge. Auch Hubschrauber waren im Einsatz. Nach fünf Stunden löste sich die Menge auf. Nur wenige hundert Teilnehmer hatten den zentralen Versammlungsort erreicht, ein Stadion in der Innenstadt.

Oppositionsführer Anwar Ibrahim teilte über Twitter mit, er habe bei dem Tränengaseinsatz "leichte Verletzungen" erlitten. Auf der Nachrichtenseite Malaysiakini hieß es, Ibrahim habe eine Schnittverletzung am Kopf erlitten. Unter den Festgenommenen waren auch zahlreiche Oppositionsführer. "Was soll diese Machtdemonstration gegen das Recht? Egal, was passiert, das Recht wird immer siegen", sagte die Führerin der Bersih-Koalition, Ambiga Sreenavasan, kurz bevor sie gemeinsam mit weiteren Oppositionellen von der Polizei abgeführt wurde.

Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich 50.000 Menschen an der Demonstration. Andere Beobachter und Teilnehmer sprachen von 20.000 bis 30.000 Demonstranten. Mit Blick auf die von der Polizei genannte Teilnehmerzahl von bis zu 6000 erklärten sie, in diesem Fall wäre ein Viertel der Demonstranten festgenommen worden. Dies sei kaum möglich.

Es war demnach die größte Kundgebung in Malaysia seit 2007. Die Proteste wurden von den oppositionellen Bersih-Bürgergruppen organisiert. Sie fordern eine Überarbeitung der Wählerlisten, Maßnahmen zur Verhinderung von Wahlbetrug und mehr Möglichkeiten für Oppositionsparteien, in regierungsnahen Medien zu werben.

Die Gegner der Regierungskoalition von Ministerpräsident Najib Razak fordern vor der für Mitte 2012 erwarteten Wahl fairere und transparentere Wahlgesetze. Die regierende Nationalfront ist seit der Unabhängigkeit Malaysias von Großbritannien im Jahr 1957 an der Macht. Najib erklärte am Samstag, die Demonstranten verträten nur eine Minderheit, die meisten Malaysier unterstützten seine Regierung.

lis/dpa/AP

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