Krise in Westafrika: Verbündete geben Millionen für Mali - Berichte über Plünderungen

AP/ ECPAD

Die Islamisten sind aus Timbuktu vertrieben, doch Ruhe kehrt in der Wüstenstadt offenbar nicht ein. Ein AFP-Korrespondent berichtet von Plünderungen. Afrikanische Länder und der Westen einigen sich auf Geldhilfen für Malis Regierung. Insgesamt sollen über 400 Millionen Dollar fließen.

Timbuktu/Addis Abeba - Nach der Einnahme durch französische und malische Truppen soll es in der Stadt Timbuktu Plünderungen gegeben haben. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtet, Hunderte Menschen hätten am Dienstag Geschäfte arabischstämmiger Bewohner gestürmt. Die Angreifer gingen demnach gegen Läden von Arabern, Algeriern und Mauretaniern vor, die sie als "Terroristen" bezeichneten. Sie sollen während der Besetzung Timbuktus durch islamistische Kämpfer mit diesen gemeinsame Sache gemacht haben.

Die für ihre Kulturgüter bekannte Wüstenstadt Timbuktu war im April vergangenen Jahres von den Islamisten erobert worden. Diese kontrollierten zwischenzeitlich den gesamten Norden Malis, werden aber seit Beginn des französischen Militäreinsatzes vor zweieinhalb Wochen zurückgedrängt. Malische und französische Truppen übernahmen am Montag die Kontrolle über Timbuktu, die Islamisten hatten sich vorher kampflos zurückgezogen. Ende vergangener Woche hatten Berichte über Racheakte malischer Regierungstruppen Frankreich alarmiert. Die Rede war von willkürlichen Hinrichtungen und sexuellen Übergriffen.

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Westafrika: Mali in der Dauerkrise
Internationale Geberstaaten beschlossen am Dienstag, den Kampf gegen die Islamisten in Mali mit rund 455 Millionen Dollar (338 Millionen Euro) zu unterstützen. Mit dem Geld soll die seit Monaten geplante afrikanisch geführte Militärmission (Afisma) in dem Krisenland finanziert werden. An der großen Geberkonferenz in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba am Dienstag beteiligten sich zahlreiche afrikanische Staats- und Regierungschefs sowie rund 60 internationale Partner.

Den weitaus größten Beitrag zur Finanzierung der Militärmission leisten die USA, die 96 Millionen Dollar (71 Millionen Euro) beisteuern wollen. Frankreich, das die malische Armee seit Wochen im Kampf gegen islamische Extremisten unterstützt, kündigte einen Beitrag von 47 Millionen Euro an.

Deutschland ist ebenfalls einer der großen Geberstaaten. Die Bundesrepublik werde sich mit 20 Millionen Dollar (15 Millionen Euro) an der Operation beteiligen, gab der Afrikabeauftragte des Auswärtigen Amtes, Egon Kochanke, bei der Konferenz offiziell bekannt. "Aber die militärischen Bemühungen sind nicht genug, denn um Mali dauerhaft Frieden zu bringen, ist auch ein weiterer politischer Dialog nötig", betonte Kochanke.

Großbritannien weitet Unterstützung für Mali-Mission aus

Die Europäische Union hatte bereits am Montag einen Beitrag von 50 Millionen Euro angekündigt. Außerdem will die EU Militärausbilder entsenden. Die Afrikanische Union gibt 50 Millionen Dollar, die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas zehn Millionen Dollar. Viele Länder wollen humanitäre Hilfe leisten, sich jedoch nicht am Militäreinsatz beteiligen. Japan hat zusätzliche 120 Millionen Dollar für die Bekämpfung von Armut und für Vertriebene angekündigt.

Der malische Übergangspräsident Dioncounda Traoré hatte am Dienstagmorgen die gesamte internationale Gemeinschaft zu "massiver Unterstützung" für seine Heimat aufgerufen. Gewalt müsse immer das letzte Mittel sein, sei aber in Mali "unvermeidlich" gewesen, da die islamischen Extremisten eine Bedrohung für die ganze Welt gewesen seien. Die Terroristen seien ein "gemeinsamer Feind".

Der Ecowas-Vorsitzende und Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, hatte bei der Eröffnung erklärt, insgesamt seien knapp 960 Millionen Dollar (718 Millionen Euro) nötig, um die Terroristen im Norden des Landes zu besiegen und die bereits zurückeroberten Gebiete unter Kontrolle zu halten. Das Geld werde zur Finanzierung der Afisma, der malischen Verteidigungstruppen und einer mehrere tausend Mann starken Reservetruppe gebraucht. An der afrikanischen Operation sollen anfangs 5500 Soldaten beteiligt sein, wobei der Tschad die meisten Truppen stellt.

Großbritannien kündigte am Dienstag an, seine Unterstützung für die Mali-Mission auszuweiten. Das Angebot umfasse bis zu 240 Soldaten, die in Mali oder anderen afrikanischen Staaten Truppen ausbilden könnten, hieß es in London. Auch die logistische Hilfe könnte verstärkt werden, etwa beim Truppen- oder Materialtransport und der Luftbetankung.

Die Unterstützung für den Militäreinsatz in Mali bringt Deutschland nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen nicht in erhöhte Terrorgefahr. Die Sicherheitslage sei zwar angespannt, eine konkrete Bedrohung gebe es aber nicht, verlautete am Dienstag. Zu einem Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach Deutschland durch das Engagement in Mali einer neuen Terrorgefahr ausgesetzt sei, hieß es weiter: "So dramatisch ist es nicht."

phw/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Peanuts...
jackass 29.01.2013
...gegen die Summe die der Händler Cerviel bezahlen muss. Da gings doch um 4 Milliarden oder? Und die Reden hier von 400 für Europa. Also das sind ja wirklich Promille-Werte!
2.
PublicTender 29.01.2013
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDie Islamisten sind aus Timbuktu vertrieben, doch Ruhe kehrt in der Wüstenstadt offenbar nicht ein. Ein AFP-Korrespondent berichtet von Plünderungen. Afrikanische Länder und der Westen einigen sich auf Geldhilfen für Malis Regierung. Insgesamt sollen über 400 Millionen Dollar fließen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/mali-berichte-ueber-pluenderungen-in-timbuktu-a-880300.html
Das sieht doch nach einem gesunden Geschäftsmodell für instabile afrikanische Regierungen aus! Man besorge sich ein paar islamische Aufständische, lasse die einen Teil des Landes verwüsten, am besten da wo man sowieso Probleme hat, die Armee lässt man nicht zu viel machen und.... schwupps! Kommen die netten Westländer, bomben die bösen Buben weg und bringen anschliessend viel Geld. Coole Sache das, da haben alle was von! (ausser der Bevölkerung)
3. Hunderte Millionen!
zombie69 29.01.2013
Das heisst richtig, dass der Geber dieser Gelder nach wie vor der Steuerzahler ist der sich bereits in seinem eigenen Land, zumindest in Europa, mit zugewanderten kriminellen Muslimen herumschlagen und die Kosten dafür tragen muss. Offenbar ist der europäische Steuerzahler bereits doppelt bestraft!
4. Terroristen kampflos geflüchtet?
sportsman_g 29.01.2013
abhauen lassen sollte nicht passieren. Nachsetzen und festnehmen ist wohl das mindeste. Sonst kommt die Brut zurück.
5. Ich rate mal ...
herrwestphal 29.01.2013
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDie Islamisten sind aus Timbuktu vertrieben, doch Ruhe kehrt in der Wüstenstadt offenbar nicht ein. Ein AFP-Korrespondent berichtet von Plünderungen. Afrikanische Länder und der Westen einigen sich auf Geldhilfen für Malis Regierung. Insgesamt sollen über 400 Millionen Dollar fließen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/mali-berichte-ueber-pluenderungen-in-timbuktu-a-880300.html
wofür das Geld ausgegeben wird. ... Für den Aufbau eines Polizei und Militärapparats (um natürlich, 2. Teil der Meldung, die Plünderungen zu verhindern) wobei das meiste Geld dann natürlich wieder in die Taschen von Rüstungsgüter exportierenden Ländern wie F und D fliesst!?
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