Bundeswehreinsatz in Mali: Regierung will Blitz-Mandat für deutsche Ausbilder

Aus Ségou berichtet

Ein malischer Soldat kontrolliert eine Straße nahe Sévaré: Armee kaum handlungsfähig Zur Großansicht
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Ein malischer Soldat kontrolliert eine Straße nahe Sévaré: Armee kaum handlungsfähig

Noch im März will die EU ihre Ausbildungsmission für Malis Armee starten. Auch die Bundesregierung drückt aufs Tempo: Bis März will sie ein Mandat für rund 30 Soldaten durch den Bundestag bringen. Von den Kämpfen im Norden des Landes sollen sich die Deutschen allerdings fernhalten.

Mit einem eng getakteten Zeitplan will die Bundesregierung die deutsche Teilnahme an der EU-Ausbildungsmission für die desolate malische Armee möglich machen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll das Kabinett schon am 20. Februar ein entsprechendes Mandat für rund 30 Bundeswehrsoldaten beschließen. Diese sollen jedoch ausschließlich als Trainer fungieren.

Das Mandat soll demnach innerhalb von zwei Wochen durch den Bundestag gebracht werden, damit die Bundeswehrausbilder ab Anfang März theoretisch nach Mali entsandt werden können. Vorher will die Führung der Bundeswehr noch die Konditionen für das Training der malischen Armee und die Sicherheitsmaßnahmen für die Deutschen genau kontrollieren.

Die Mission der Bundeswehr in Mali will Berlin eng eingrenzen. Aus Regierungskreisen hieß es, das entsprechende Mandat werde streng auf das Training der malischen Armee ausgerichtet. Jegliche Teilnahme an Kampfhandlungen solle ausgeschlossen werden.

Da Frankreich bereits signalisiert hat, dass es den Schutz der ausländischen Ausbilder in dem westafrikanischen Land übernehmen wird, muss das deutsche Kontingent vermutlich nicht robust ausgestattet werden. Voraussichtlich werden die Bundeswehrtrainer ein altes Ausbildungsprojekt Deutschlands in der Nähe der zentralmalischen Stadt Ségou wiederaufnehmen. Dort hatten deutsche Soldaten bis zum Militärputsch im März 2012 malische Pioniere gedrillt.

Transall-Maschinen wenig im Einsatz

Das schnelle Handeln soll die Entschlossenheit der Bundesregierung unterstreichen. Sie will bei der Mali-Mission nicht wie im Fall von Libyen im Abseits stehen. Nach dem französischen Alleingang in Mali hatte Berlin umgehend die volle Zustimmung zu der Militärintervention signalisiert. Dann hatte die Bundesregierung recht rasch zumindest zwei Transall-Maschinen nach Mali entsandt. Diese sollen afrikanische Truppen transportieren, die zur Unterstützung der französischen Armee im Land erwartet werden.

Bisher lassen die Truppen der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas aber auf sich warten. Angekündigt sind bis zu 5000 Soldaten. Folglich haben auch die deutschen Transall-Maschinen nicht übermäßig viel zu tun: Seit ihrer Ankunft in Westafrika transportierten die Flugzeuge auf 25 Flügen nach Togo, Niger und in den Tschad 182 Passagiere und 50 Tonnen Fracht.

Brüsseler Symbol-Politik

Die EU hat bereits seit Monaten eine Ausbildungsmission für die faktisch auseinander gefallene malische Armee geplant. Allerdings war ein Beschluss dazu immer wieder verschoben worden. Nach der Entscheidung Frankreichs, mit Kampfjets und mehreren tausend Soldaten gegen die anrückenden Islamisten aus dem Norden Malis vorzugehen, hatte Brüssel nachgezogen und die Planungen forciert.

Nun, so jedenfalls wird es bei der EU immer wieder angekündigt, soll die Trainingsmission schon im März starten. Insider bezweifeln, dass man bis dahin ein sinnvolles Trainingsprogramm auf die Beine stellen kann. Für die europäischen Staaten aber scheint vor allem wichtig, dass es nun zügig losgeht. Symbole scheinen derzeit offenbar wichtiger als Inhalte zu sein.

Insgesamt sollen rund 200 europäische Ausbilder aus Europa nach Mali geschickt werden. Neben Deutschland werden sich auf jeden Fall Großbritannien und Polen an der Mission beteiligen.

Malische Soldaten flüchteten bei Kämpfen

Der Kommandeur der Mission, der französische General François Leconte, unterstrich kürzlich nach einem Besuch in Mali, dass der malischen Armee so gut wie alles beigebracht werden muss. Von der Organisation der Logistik, der Planung und Durchführung von Operationen bis zum Vorhalten von Reserven fehlt es bei den Maliern an allem. Zudem zeigen die Erfahrungen aus den Gefechten, die sich Malier und Franzosen mit den islamistischen Kämpfer lieferten, dass die Moral der Truppe am Boden ist. Statt zu kämpfen, flüchteten die malischen Soldaten scharenweise.

General Leconte plant nun, zunächst zwei komplette Bataillone von 650 Mann zu trainieren. Nach drei Monaten Ausbildung sollen sie nach dem Willen des Franzosen in der Lage sein, eigenständig zu operieren. Selbst Optimisten rechnen aber nicht damit, dass der Zustand der malischen Armee bis Herbst 2013 wesentlich verbessert werden kann.

Fraglich ist zudem die Führung der Armee, die nach den diversen Putschen durch machthungrige Offiziere aufgelöst ist. Faktisch, so jedenfalls erklärte der französische General kürzlich in der "FAZ", nehme ein Hauptmann keinen Befehl mehr von einem General entgegen, und die einfachen Soldaten hörten nicht auf den Hauptmann.

Wer sichert die eroberten Städte?

Die Ausbildung der Malier gilt als Schlüssel für eine langfristige Lösung in Mali - zumal die Franzosen schon jetzt deutlich machen, dass sie ihre Soldaten so schnell wie möglich aus dem Norden des Landes zurückziehen wollen. Da die angekündigten afrikanischen Soldaten bisher nicht eintreffen, stellt sich die Frage, wer die im Eiltempo eroberten Städte Timbuktu, Goa oder Kidal militärisch sichern soll.

In Berlin hofft man nun, dass die Millionenhilfe, die man den Afrikanern diese Woche bei einer Geberkonferenz in Addis Abeba versprochen hat, Bewegung bringt. Nachdem sich die Kosten für den Ecowas-Einsatz auf wundersame Weise immer weiter erhöht hatten, kamen bisher fast eine halbe Milliarde Euro im Mali-Klingelbeutel zusammen.

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Nichts dazu gelernt.
RührDich 30.01.2013
Seit 10 Jahren schicken wir "Ausbilder" nach Afghanistan. Kosten bis heute alleine für Deutschland: 60 Milliarden Euro für den gesamten Einsatz ! Ergebnis: Null komma Null. Sobald der letzte ausländische Soldat afghanischen Boden verlassen hat, wird der Zustand im Land ein halbes Jahr später exakt derselbe sein wie vor der Intervention. Es wird in Mali nicht besser sein. Deutschland lernt wirklich nie dazu. Tragisch.
2.
JuergenM 30.01.2013
Zitat von RührDichEs wird in Mali nicht besser sein. Deutschland lernt wirklich nie dazu. Tragisch.
Tja, aber dafür haben wir unsere Freiheit dort verteidigt und einige dürften dabei auch ganz gut verdient haben .......
3. Noch im März
kdshp 30.01.2013
Zitat von sysopNoch im März will die EU ihre Ausbildungsmission für Malis Armee starten. Auch die Bundesregierung drückt aufs Tempo: Bis März will sie ein Mandat für rund 30 Soldaten durch den Bundestag bringen. Von den Kämpfen im Norden des Landes sollen sich die Deutschen allerdings fernhalten. Mali: Berlin will Mandat für Bundeswehr-Trainer schnell durchbringen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/mali-berlin-will-mandat-fuer-bundeswehr-trainer-schnell-durchbringen-a-880560.html)
DA soll noch einer sagen diese bundesregierung könnte nicht auch schnell entscheidungen treffen.
4. Unübersehbar ist Ihre....
zodiacmindwarp 30.01.2013
Zitat von RührDichSeit 10 Jahren schicken wir "Ausbilder" nach Afghanistan. Kosten bis heute alleine für Deutschland: 60 Milliarden Euro für den gesamten Einsatz ! Ergebnis: Null komma Null. Sobald der letzte ausländische Soldat afghanischen Boden verlassen hat, wird der Zustand im Land ein halbes Jahr später exakt derselbe sein wie vor der Intervention. Es wird in Mali nicht besser sein. Deutschland lernt wirklich nie dazu. Tragisch.
persönliche Lernunfähigkeit wesentlich stärker ausgeprägt als diejenige welche sie Deutschland (???) unterstellen. Falls sie es immer noch nicht bemerkt haben, in Afghanistan hat das flächendeckende und geplante Morden,Killen,Sengen,Verstümmeln,Vergewaltigen und unzählige weitere Greueltaten bis auf bedauerliche Einzelfälle ein Ende genommen.Dies ist zum Hauptteil den ISAF-Soldaten zu verdanken die auch von Deutschland gestellt werden. Wo ist die Tragik..? Im übrigen halte ich es höchstens für tragisch Menschenleben gegen Geldwert aufzurechnen wie sie es tun. Ganz der Betriebswirtschaftler ja...! mkG Zodiacmindwarp
5. Soso...
hurlebaus 30.01.2013
da geht alles wieder mal wie der Blitz.... Wohnungen für gerinverdienende, Auskünfte zu Bauprojekten, bei denn der Bund zu 100% dabei ist (BER,S 21) usw.. da geht das nicht fix.... S....nde!
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