Mali Bewaffnete stürmen Hotel - offenbar 170 Geiseln

In Malis Hauptstadt Bamako hat es einen Anschlag auf ein Hotel gegeben. Laut Medienberichten sind aus dem Gebäude Schüsse zu hören, die Hotelkette spricht von mindestens 170 Geiseln. Wer Koranverse zitieren kann, wird angeblich freigelassen.

AFP

Bewaffnete haben das Businesshotel Radisson Blu in der malischen Hauptstadt Bamako attackiert und mindestens 170 Geiseln genommen. Das teilte die Hotelgruppe Rezidor mit. Unter den Gefangenen seien 140 Gäste und 30 Angestellte. Nach Angaben des Sicherheitsministeriums wurden mindestens drei Menschen getötet.

Laut Medienberichten schossen die Angreifer in der siebten Etage des Gebäudes im Zentrum der Stadt um sich. Nach dpa-Informationen nutzten die Täter Autos mit diplomatischen Kennzeichen, um Zugang zum Gebäude zu erhalten. Wie viele Angreifer beteiligt sind, ist unklar. Die Angaben reichen von zwei bis etwa zehn Tätern.

Wie das Präsidialamt mitteilt, bricht Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita seinen Kurzbesuch im Tschad ab und kehrt in die Hauptstadt zurück.

Ort des Anschlags: Auf dem Satellitenbild ist das Hotel mit dem blauen Pool zu sehen
Google Earth/ DigitalGlobe

Ort des Anschlags: Auf dem Satellitenbild ist das Hotel mit dem blauen Pool zu sehen

Wer hinter dem Attentat steckt, ist bislang nicht bekannt. Vieles deutet jedoch auf Dschihadisten hin. Die Angreifer riefen "Allahu akbar", schreibt Reuters unter Berufung auf Sicherheitskreise. Angeblich ließen die Täter Geiseln frei, die Koranverse zitieren können.

Das Hotel ist bei Diplomaten beliebt und zum Beispiel auch das Hotel für Mitarbeiter der Air France. Unter den Geiseln sollen Chinesen, Franzosen und sechs Mitarbeiter der Fluggesellschaft Turkish Airlines sein, drei davon ist offenbar inzwischen die Flucht gelungen. Das Gebäude liegt westlich des Stadtzentrums in einem Viertel, in dem sich auch mehrere Ministerien sowie Botschaftsgebäude befinden. Sicherheitskräfte riegelten das Gelände weiträumig ab. Spezialeinheiten und Einsatzkräfte der Uno-Blauhelmtruppe Minusma sind vor Ort.

Ein "France24"-Journalist berichtet, die Polizei habe die Straßen vor dem Hotel abgesperrt. Im Interview sagt eine geflohene Geisel "France24": "In der Lobby liegen die Toten, es war entsetzlich." Ein weiterer französischer Journalist berichtet über Panik auf den Straßen.

US-Präsident Barack Obama wurde über die Ereignisse informiert. Die amerikanische Botschaft forderte über Facebook US-Bürger in der Gegend auf, nicht auf die Straße zu gehen.

Security MessageThe Embassy is aware of an ongoing active shooter operation at the Radisson Hotel. The U.S. Embassy...

Posted by Ambassade des Etats-Unis au Mali on Freitag, 20. November 2015

Im August waren bei einer Geiselnahme und anschließenden Gefechten in einem bei Ausländern beliebten Hotel in der malischen Stadt Sévaré 13 Menschen getötet worden, unter ihnen fünf Uno-Mitarbeiter. Zu dem Angriff bekannten sich malische Dschihadisten.

In Mali hatten Islamisten und separatistische Tuareg große Gebiete vor allem im Norden des Landes erobert, bevor sie mit Hilfe französischer Truppen Anfang 2013 wieder zurückgedrängt worden waren. Mehrere Gruppen verüben aber weiterhin Anschläge. Derzeit läuft ein internationaler Einsatz zur Ausbildung der malischen Streitkräfte, an dem auch die Bundeswehr beteiligt ist. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte nach den Anschlägen in Paris eine Ausweitung des Bundeswehreinsatzes in Mali angekündigt.

kev/AFP/dpa/Reuters

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