Bundeswehr Regierung prüft Einsatz im gefährlichen Norden Malis

In Mali ist die Bundeswehr bislang vor allem im relativ sicheren Süden im Einsatz. Das könnte sich ändern: Die Regierung erwägt eine Ausweitung des Engagements auf den Norden.

Einsatz in Mali: Die Bundeswehr bildet Soldaten in dem westafrikanischen Land aus
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Einsatz in Mali: Die Bundeswehr bildet Soldaten in dem westafrikanischen Land aus


Die Bundeswehr wird ihren Einsatz im westafrikanischen Mali möglicherweise ausweiten. Die Regierung prüft die Entsendung von Soldaten in den Norden des Landes, in dem es trotz eines Friedensabkommens weiterhin Anschläge islamistischer Rebellen gibt. Ein Erkundungsteam soll herausfinden, welchen Beitrag zur Friedenssicherung die Bundeswehr dort im Rahmen der Uno-Mission Minusma leisten kann. Darüber unterrichteten das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium die zuständigen Bundestagsausschüsse. Das Schreiben liegt SPIEGEL ONLINE vor.

Die Bundeswehr hatte erst in der vergangenen Woche in Anwesenheit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) das Kommando über die EU-Ausbildungsmission im relativ sicheren Süden Malis übernommen. An diesem Einsatz sind 170 Bundeswehrsoldaten beteiligt. An Minusma nehmen dagegen derzeit nur sieben deutsche Soldaten im Hauptquartier in der Hauptstadt Bamako teil.

Der Einsatz der Blauhelmsoldaten im Norden des Landes ist deutlich gefährlicher als die Ausbildungsmission im Süden. Seit April 2013 sind in den nördlichen Gebieten 42 Blauhelmsoldaten getötet und 166 verletzt worden.

Die Wüstenregion war im Zuge eines Putsches 2012 ins Chaos gestürzt. Islamisten und Tuareg-Rebellen hatten dort die Macht an sich gerissen. Erst durch ein Eingreifen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich im Januar 2013 konnte die Region wieder weitgehend befreit werden.

Seit Juni gibt es ein Friedensabkommen. Die Bundeswehr will nun ihren Beitrag dazu leisten. "Die weitere Stabilisierung Malis liegt im besonderen sicherheitspolitischen Interesse Deutschlands. Terrorismus, Kriminalität und Verarmung können mittelfristig starke Auswirkungen auch auf Europa haben", heißt es in dem Schreiben der beiden Ministerien, über das zuerst der verteidigungspolitische Blog "Augen geradeaus!" berichtet hatte.

Geprüft wird eine Unterstützung der niederländischen Streitkräfte in Gao. Die Stadt am Fluss Niger war 2012 von den Rebellen zur Hauptstadt des von ihnen ausgerufenen Staates Azawad erklärt worden. Im Januar 2013 hatten dann aber französische und malische Streitkräfte Gao zurückerobert.

Die Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger unterstützt eine Ausweitung des deutschen Engagements in Mali: "Die Bundesregierung sollte nicht nur einen militärischen Beitrag prüfen, sondern besonders auch wie sich Deutschland mehr zivil und polizeilich im Rahmen der Vereinten Nationen in Mali engagieren kann."

kev/mgb/dpa



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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
dissidenten 06.08.2015
1.
Sorry, falls das populistisch klingt, aber das ist einfach meine Meinung: Wenn man seine Soldaten nicht anständig ausrüsten kann, dann darf man sie auch nicht in den Krieg/Einsatz/whatever schicken.
wo_st 06.08.2015
2. Warum die Bundeswehr
Die Bundeswehr ist schlecht ausgerüstet. Warum also unsere Soldaten zum verzeihen in den Norden schicken,
styxx66 06.08.2015
3. xxx
Zitat von dissidentenSorry, falls das populistisch klingt, aber das ist einfach meine Meinung: Wenn man seine Soldaten nicht anständig ausrüsten kann, dann darf man sie auch nicht in den Krieg/Einsatz/whatever schicken.
Wen interessiert denn in Berlin, die Ausrüstung für Soldaten? Die Verantwortungslosigkeit der Politik gegenüber der BW kann man doch schon seit über einem Jahrzehnt in Afghanistan "bewundern", wo das GG am Hindukusch verteidigt wird. Ehrlich, das ist alles nicht so dramatisch, Hauptsache die "DREIWETTERTAFT-FRISUR" hält im Sturm, SATIRE AUS.
rehlo1 06.08.2015
4. Was
haben wir dort zu suchen?? Wieder Millionen verschwenden, wie in Afghanistan, plus ein paar Bauernopfer, die halt sehr einfaltslos sind und sich sich einem Haufen verpflichten, der das GG beugt?? Lieber sterbe ich im Widerstand gegen dieses heuchlerische, neolibrale Establishment, als nur einen Tag in so einer Armee, die eigentlich nur unser Land verteidigen soll, zu dienen!! Einfach nur widerlich, was diese Parteisoldaten bzw. USA-konformen-Politiker aus unserem Staat machen, angeführt von der Alles-Möchtegern-Könnerin Uschi von der Lüge...
westerwäller 06.08.2015
5. Es ist immer klug ...
... eine Armee nicht dahin zu schicken, wo der Feind sein könnte, die könnten sich erdreisten, zu schießen. Und dann? So macht das auch ein kluger Feuerwehrmann: Er meidet Brände, was Mensch und Material schont.
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