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Geiselnahme in Mali: Der "Löwe der Wüste" und seine Tyrannenbrigade

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Iyad Ag Ghali (Aufnahme vom August 2012): Berüchtigter Anführer der Terrororganisation Ansar Dine Zur Großansicht
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Iyad Ag Ghali (Aufnahme vom August 2012): Berüchtigter Anführer der Terrororganisation Ansar Dine

Zum Angriff auf das Radisson-Hotel in Bamako hat sich eine Terrorgruppe bekannt, die al-Qaida nahesteht. Einer ihrer Anführer ist Iyad Ag Ghali - ein alter Bekannter deutscher Geheimdienste.

Der Kampf tobte noch um das letzte Stockwerk des Radisson-Hotels in Malis Hauptstadt Bamako. Französische und malische Spezialkräfte hatten Dutzende Geiseln wieder aus der Gewalt der Terroristen befreit, da tauchte im Internet das Bekennerschreiben auf: Al-Mourabitoun, übersetzt etwa "Die Wächter", will den Angriff organisiert haben.

Die Gruppe stammt aus dem Norden Malis, hat ihre Basis zwischen den Städten Kidal, Gao und Timbuktu. Sie soll sich vor allem aus Tuareg und Arabern zusammensetzen. Über Verbindungen zum"Islamischen Staat" (IS) ist nichts bekannt.

Die malischen Islamisten hatten sich bisher eher als Ableger von al-Qaida in der Sahara betrachtet. Al-Mourabitoun soll eng mit der weit größeren Gruppe Ansar Dine zusammenarbeiten. Deren Anführer und mutmaßliche Auftraggeber des jüngsten Terrors im Radisson-Hotel ist der bärtige Iyad Ag Ghali - ein ehemaliger Whisky-Trinker, Frauenheld und Schmuggler. Der Tuareg-Separatist bekennt sich heute zu einer radikalen Denkrichtung des Islam.

Ag Ghali wurde wahrscheinlich 1954 nahe Kidal als Spross eines einflussreichen Tuareg-Clans geboren. In den Neunzigerjahren trat er erstmals als einer der Anführer eines separatistischen Aufstandes in Erscheinung. Der Konflikt wurde 1996 beigelegt. Ag Ghali fungierte fortan als Vermittler zwischen der Regierung in der Hauptstadt Bamako und seiner unruhigen Volksgruppe.

Er ist aber auch ein alter Bekannter deutscher Geheimdienste: 2003 half er dabei, eine in Algerien gekidnappte Touristengruppe, zu der auch zehn Deutsche gehörten, zu befreien. Ag Ghali vermittelte die Lösegeldübergabe.

Damit war er zum respektablen Diplomaten avanciert und arbeitete für Malis Regierung in den Konsulaten im arabischen Raum. In dieser Zeit soll er das erste Mal mit dem radikalen Islam in Berührung gekommen sein.

Ag Ghali ließ ein grausames Regime errichten

Ag Ghali baute damals auch Verbindungen nach Libyen zum Diktator Muammar al-Gaddafi auf. Spätestens von 2008 an soll er sich am Menschen-, Drogen-, Waffen- und Zigarettenschmuggel im Norden Malis beteiligt - und dabei Millionen verdient haben. Das Geld bildete den Grundstock für seine politischen Pläne.

Im Jahre 2010 bahnte sich im Norden Malis einmal mehr eine Tuareg-Rebellion an. Doch diesmal stellten die anderen Stammesführer den ehrgeizigen Ag Ghali politisch kalt. Darauf mobilisierte er seine eigene Kampfgruppe Ansar Dine. Ag Ghali stattete sie mit Waffen aus Libyen und Geld aus seiner Privatschatulle aus. Schnell wurde er zum "stärksten Hund im Hof", wie ein französischer Diplomat einmal sagte. Von seinen Gesinnungsgenossen bekam er den Kampfnamen "Löwe der Wüste".

Zusammen mit Tuareg-Verbänden und anderen al-Qaida-nahen Gruppen verjagte Ansar Dine 2011 die malische Armee aus dem Norden. Ag Ghali ließ ein grausames Regime errichten: Seine Rollkommandos exekutierten die Scharia mit Amputationen, Hinrichtungen und Auspeitschungen.

Als Ansar Dine vor zwei Jahren zur Machtübernahme in Bamako antrat, griffen die Franzosen ein. Doch deren Spezialkräfte konnten die Extremisten nicht besiegen. Die Truppe teilte sich auf und versteckte sich im unzugänglichen Ifoghas-Gebirge. Dort soll sie unterirdische Waffen- und Vorratslager unterhalten. Auf der Flucht vor den Franzosen soll Ag Ghali verletzt worden sein, seine Wunde kurierte er möglicherweise in einem Versteck in Algerien aus.

Anfang des Jahres tauchte er wieder nahe Kidal auf. Die internationale Truppe hat das Gebiet noch immer nicht unter Kontrolle, sodass sich der "Löwe der Wüste" relativ frei bewegen kann.

Der Blauhelm-Einsatz in Mali gilt als der Gefährlichste der Welt. Mehr als 30 internationale Soldaten sind den Bombenangriffen schon zum Opfer gefallen. Auch ein Angriff auf ein Hotel in der Stadt Sévaré im August mit zwölf Toten geht wohl auf Ag Ghalis Konto. Vor Kurzem rief er erneut dazu auf, französische Einrichtungen anzugreifen.

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Mitarbeit: Matthias Gebauer

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